Jetzt geht’s rund-die Hummel stellt mich vor die Wahl

Das Kleinkind entdeckt seit knapp zwei Wochen den ganz eigenen Kopf und einen noch verschärfteren Erkundungsdrang.  Dieses Update muss unfassbar aufregend sein. Die Hummel schläft etwas mehr als sonst. Erst heute vormittag schlief sie auf meinem Schoß ein, als ich ihr eine Flasche Milch gab. Und Hunger hat sie auch ständig. Und der Schnulli wird auch kaum mehr abgelegt. Zwei Zähne drücken.

Diese Phase schlägt sich auf meinen Alltag nieder.

Morgens beginnt der Tag aktuell so:

Wenn ich die drei Schulkinder mit Frühstück versorge und mit allen nötigen Utensilien des Tages versehe und auf den Weg schicke, hat die Hummel bereits eine schnelle Banane gegessen, welche sie stets freudig hüpfend (jedenfalls ist es fast eine Art Hüpfen) in Empfang nimmt. Danach verteilt sie sämtliche Schuhe in der kompletten unteren Etage, alle Mützen pfeffert sie aus dem Mützenkorb und verschiedene Spielzeuge werden durch die Küche gezogen. Oder aber sie erklimmt die Treppe nach oben oder den Esstisch oder tippelt auf den Gehweg vor der Tür, von dem ich sie schon einige Male im Schlafanzug gefischt habe. Vieles wird zusätzlich durch lautes Plappern untermalt oder durch Motzen.

Sobald ich eine Schüssel in der Hand habe und sage, es gäbe nun Essen, stürmt sie zu ihrem Hochstuhl und erklimmt ihn eiligst. Dazu macht sie wohlwollende Kauderwelchgeräusche und nickt. Wenn sie fertig ist, also satt, macht sie mit den Händen eine wischende Bewegung. Biete ich ihr dann, nur um sicher zu gehen, noch einen Löffel an, schließt sie die Augen, hebt das Kinn und schüttelt mit einem mmmmh mmmmmh den Kopf gewichtig hin und her. Zum Piiiiepen.

Je nach Gemütslage frühstücke ich dann auch kurz oder muss es noch verschieben, bis die Hummel zufrieden ist. Die Hummel möchte dann immer gerne raus. Aber ich trage noch einen Schlafanzug und die untere Etage sieht aus, als wären Einbrecher da gewesen. 

Ich gehe dann erstmal mit ihr nach oben. Sie erklimmt die Treppe allein, ich passe auf und hüte mich am letzten Stück der Treppe Hilfe zu leisten. Da ist das Geländer ein bisschen schlecht für die Hummel zu packen. Aber sie will das allein schaffen! 

Ok. Ok.

Im Bad habe ich die Wahl zwischen  Ich-mach-mich-so-zurecht-so-dass-ich-mich-wohl-fühle und einer-komplett-Verwüstung-des-Badezimmers  oder der Ich-habe-ein-ordentliches-Badezimmer-und-sehe-selbst-nicht-nur-verwahrlost-aus-sondern-fühle-mich-auch-so. (Unter den aktuellen Bedingung entscheide ich mich zumeist für das verwüstete Badezimmer. Das mag verrückt klingen, denn wegen der Corona-Sache gehe ich ja noch weniger unter Leute als sonst schon. Aber gerade dann fühle ich mich besser, wenn ich nicht auch noch wie ein Schlumpf hier rumhänge.)

Während ich also nicht mal aufwendige Körperpflege betreibe, mich nur kurz eincreme, etwas Mascara und Rouge auftrage, sowie mir die Haare ruckzuck aus dem Gesicht klemme und den Schlafanzug gegen Straßen taugliche Kleidung tausche, bedient die Hummel unsere Waschmaschine,  Wäsche wird aus dem Wäschekorb gezogen, Kleidung vom Hocker gezerrt, der Hocker verschoben, die Schublade mit meinen Badezimmerutensilien ausgeräumt, am Duschvorhang gezogen, an der Tür gerüttelt und gemotzt. 

Ruhe ist kurz, wenn sie meinen Rougepinsel aus der Schublade fischen darf und ihre kleinen Händchen den Lippenstiftdeckel auf und zu machen dürfen. (Ich benutze so gut wie nie Lippenstift. Deshalb habe ich einen alten, den sie einfach „hinrichten“ darf. )

Die Hummel hat immer einen Plan. Sie schaut auch gerne oben aus den Kinderzimmerfenstern und beobachtet die Ringeltauben auf dem Dach der Nachbarn oder die Stare, die sich gerade in den Bäumen der Umgebung versammeln. Ich verbringe also die Vormittage damit das Kind und das Chaos auch halbwegs in Schach zu halten und irgendwie ein Mittagessen für alle vorzubereiten. Wenn das wuselige Kleinkind dann endlich Mittagsschlaf macht, kommen die Schulkinder nach Hause. Wenn die Schulkinder dann Hausaufgaben machen, die ich überwachen muss, weil sie sich sonst kloppen oder nicht zu arbeiten, wird die Hummel wieder wach. Und so wurschtel ich mich durch den Tag.

Das Chaos nimmt seinen Lauf und ich übertreibe damit nicht. Es ist unordentlich in allen Räumen.

Einfacher ist es wirklich am Wochenende oder in den Ferien. Denn dann drücke ich die neugierig Hummel den Geschwistern vormittags aufs Auge. Die machen das auch gern, weil die Hummel so witzig und süß ist. Die Hummel wiederum ist dann zufrieden und gut beschäftigt und ich schaffe richtig was.

In den Herbstferien war es hier so ordentlich, wie lange nicht. Ernsthaft. Es standen sogar Blumen auf dem Esstisch! Wooohooo

Nach dieser Schulwoche bin ich also etwas außer Atem. Zum Glück habe ich abends jetzt wieder Freizeit, wobei das nicht ganz ausreicht zum Luftholen. Der Mann ist ja dann auch wieder da und hat Themen. Was ich meistens auch super finde. Nur in diesen Wochen fehlen Momente für mich und das merke ich an meinem psychosomatischen Nase-/Gesichtsjucken. Das taucht immer auf, wenn ich innerlich zu hochtourig laufe.

Deshalb lasse ich auch die Fenster, Fenster sein und putze nicht täglich die immer neuen fettigen Kinderhandabdrücke von den Scheiben. Ich lass auch die ausgekippte Korkensammlung liegen oder mal einen Tag die Waschmaschine schweigen. Ich erfreue mich lieber daran, wie die Hummel so eine Art Verstecken-Fangen mit uns spielt und zur Musik tanzt. Denn tanzen, das macht sie immer. Mit Hüftschwung. Es ist sehr drollig. Keines der Geschwister hat so ausgiebig das Tanzbein geschwungen in dem Alter.

Aufräumen kann ich auch noch morgen. Oder übermorgen. Man soll ja Prioritäten setzen. 😉

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