Die Hummel „räumt auf“.

Die Hummel ist nun 16 Monate alt und überaus mobil. Trepp auf, Trepp ab geht es fortan. Allein! Das hat sie geübt. Immer und überall. Auch gern an fremden Hauseingängen. Da steh ich dann und starre Löcher in die Luft und warte und friere irgendwann. Ich konnte mich noch nicht überwinden es der Hummel gleich zu tun und irgendwas zu trainieren.

Wobei es sicherlich unterhaltsam wäre, wenn ich da so mitten im Wohngebiet auf dem Gehweg auf der Stelle joggte und dann ein paar dieser neumodischen Planks hinterher schöbe. Vor allem weil ich letztere genau nur 3 Sekunden lang kann.

Wenn das Kind dann nicht gerade Treppen steigen trainiert, freihändig, dann versucht sie mit Begeisterung mit meinem Haustürschlüssel andere Türen aufzuschließen. Ich warte auf den Tag, an dem sie einen Schlüssel ernsthaft versenkt und er stecken bleibt. Auch beeile ich mich stets die Hummel um Gullys herum zu lotsen, immer ein wachsames Auge auf den Schlüsselbund.

Im Haus selbst kommt sie nun auch an die Klinke der Haustüre. Wir können an diesem Modell nicht einfach die Klinke anders herum montieren und müssen mit Abschließen kontern.

Das lustige und zumeist sehr zufriedene Hummelchen hält mich mit ihrem Erkundungsdrang ganz schön auf Trab. Ich komm nicht hinterher. Den Herd schaltete sie mir auch ständig aus beim Kochen und ich wundere mich ein ums andere Mal, dass das Nudelwasser noch nicht kocht. Oder aber sie schaltet ihn an, was auch nicht ohne ist. Immer wachsam sein. Immer auf Zack. Alle Empfänger auf ON.

Räume ich die Spülmaschine aus, öffnet das Kind sofort alle Schubladen, die ich frisch bestückt habe und kramt das saubere Zeug geräuschvoll wieder raus. Nicht ohne zuvor den Puppenwagen quer in der Küche abzustellen und noch ein paar Duplosteine dazu zu streuen. Gern kramt sie auch Einkaufstaschen aus einer Schublade und trägt sie überall hin. Es reicht ja nicht, dass schon überall Schuhe und Socken liegen.

Im Wohnzimmer wirft sie grundsätzlich alle Kissen und Decken von der Couch und pflückt neuerdings meine Bücher aus dem Regal. Zack. Krach. Bumm. Liegen die dann da verstreut. Meine Schätze. Meine nach Beliebtheit und Autoren sortieren Schätze…😱

Dann trockene Brotreste überall im Haus. Im Schuhregal, in der Couchritze, im Bücherregal im Kinderzimmer….

Mülleimer werden auch gern auf und zu gemacht. Bevor ich den Müll zur Tonne bringe, werfe ich einen prüfenden Blick über den Inhalt. Wer weiß, was die Hummel da alles versenkt, wenn wir es nicht merken.

Telefone, Fernbedienungen, Taschenrechner…..mit allem wird „telefoniert“, was ganz süß ist, aber die Geräte werden auch herum getragen und finden sich dann nicht sofort wieder.

Regelmäßig mit dem Besen unter der Couch fischen, ist auf jeden Fall meist sachdienlich.

Scheren, Messer, Stifte, Feuerzeuge….all sowas wird weiiiiit nach hinten auf der jeweiligen Ablage geschoben oder am Besten sofort in unerreichbare Höhe verfrachtet. Pfannengriffe müssen auch stets nach hinten zeigen und dürfen auf keinen Fall über den Thekenrand ragen.

Auch nicht mehr sicher ist mein Nähkram. Nervig genug, dass ich nichts mehr unbedarft liegen lassen kann, stapelt sich das Zeug, wie Nadeln, Scheren und Co im Regal. Aber auch da ist es nicht sicher. Die Hummel nutzt den Moment, in dem ich koche äußerst effektiv. Die Stecknadeln kleben nun alle an einem starken Magneten, weil ich sie damit am schnellsten vom Fußboden aufsammeln konnte. Ich ziehe in Erwägung den Magneten als „Nadelkissen“ einfach dauerhaft zu benutzen. Die Hummel fand das überaus interessant.

Die Fische werden auch täglich imaginär gefüttert. Die Hummel nimmt die Futterflockendose und hält sie an die Scheibe. Noch hat sie nicht bemerkt, dass sich die Dose öffnen lässt. Noch. Die Schublade mit dem Futter bräuchte eigentlich einen Verschluss.

Ich weiß, dass es diese Kindersicherungen gibt. Aber ich mag nicht an jedem Schrank solche Dinger montieren. Es reicht schon, dass wir uns einen abfriemeln müssen, um die unteren Steckdosen mit der Kindersicherung ein und aus zu stöpseln. (Wir haben diese Drehsicherungen in den Steckdosen, denn die „Stöpsel“, die man einfach bei Bedarf raus nimmt, fliegen erfahrungsgemäß hier früher oder später auch einfach nur in der Gegend rum. Der Anreiz, die Dinger aus der Dose zu friemeln ist größer, als bei den Drehsicherungen.

Ich weiß jetzt auf jeden Fall wieder ganz genau, warum ich damals mit einem 4 Jährigen, einer 2,5 Jährigen und einem Baby ziemlich am Rande des Wahnsinns war. Wie habe ich das nur ausgehalten? Auch noch mitten in einer Phase, in der wir ein Haus kernsaniert und einen Umzug vorbereitet haben und quasi jede helfende Hand auf der Baustelle gebraucht wurde. 

Heute wäre ich auch nicht mehr peinliche berührt, wenn die Männer vom Umzugsunternehmen dezent missbilligend die Augen hochziehen, weil sie ein krasses Chaos vorfinden. Heute würde ich sagen: „Lauft einen Tag in meinen Schuhen und macht es besser!“

Und dann würde ich mir dazu ein Erfrischungsgetränk eingießen und mich mit einer Knabberei genüsslich zurück lehnen und den Herren beim Scheitern zusehen. 

In diesem Sinne: Ein Hoch auf alle Kleinkindmamas! Egal, wie eure Bude aussieht! Es reicht, wenn ihr es schafft eure Zwerge sicher durch den Tag zu manövrieren und ihr im besten Fall auch selbst kleine Auszeiten für euch schaffen könnt. Alles andere wird sich in einer anderen Phase wieder besser erledigen lassen.

  1 Kommentar

  1. Dani   •  

    Ein Hoch auf Mütter die so ehrlich sind!
    Immer weiter so!

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