Homeschooling ist voll „einfach“

So. Da ist er also der zweite dicke Lockdown. Es war zu erwarten und mir schwant nichts Gutes, wenn schon angedeutet wird, er würde eventuell über den 10. Januar hinaus gehen. Es wird wohl an uns allen liegen, wie schnell wir wieder Lockerungen erwarten können. 

Aus diesem Grund nutzen wir für unsere Kinder ab heute auch die Befreiung vom Präsenzunterricht. Es ist uns möglich, deshalb machen wir das. Es entlastet ja auch all die, die da das System am laufen halten und alle die, die die Kinder eben nicht zu Hause behalten können.

Vornehmlich nutze ich das aber auch aus egoistischen Gründen, weil ich ganz klar, keine Hiobsbotschaften mehr ertrage. Es reicht erstmal. So sind erstmal alle mehr oder weniger save zu hause im Kokon.

Der Mann ist auch seit dem Wochenende zu Hause (nicht ganz planmäßig, aber durchaus jetzt eine große Erleichterung für ALLE und ALLES. Emotional, organisatorisch und überhaupt…)

Das bedeutet aber nicht, dass in unserer überaus komfortablen Situation alles glatt läuft und davon möchte ich erzählen.

Abgesehen von unserer beiden Anwesenheit, sind wir zusätzlich in der überaus privilegierten Situation genug Endgerät zur Verfügung zu haben, um die Kinder auch digital am Unterricht teilnehmen lassen zu können. Ginge allerdings auch nicht, müssten wir am Tag homeofficen.  Außerdem haben wir eine sensationell gut organisierte Schule, die sogar digital arbeiten kann. In dem Rahmen jedenfalls, den die W-Lan-Verbindungen zu lassen. Manchmal stürzt halt auch was ab.

Nur ein paar kleinere organisatorische Dinge, die noch vor Weihnachten zu erledigen sind (und die nichts mit Shopping oder Arbeit zu tun haben), aber eben doch noch erledigt werden müssen, fordern unsere Aufmerksamkeit.

Ich stellte mir für heute also den Wecker, aber eine halbe Stunde später. Ich wusste, am Vormittag gäbe es digitale Vernetzungsmöglichkeiten mit der Schule. Für eine Klasse wusste ich es schon konkret. Für die andere Klasse erwartete ich alle Infos am frühen morgen. Für ein Kind war angekündet am Nachmittag ein kleines Aufgabenpaket durchzugeben.

Ich checkte also die mails aus der Schule, übertrug sämtliche mitgesandten links auf das passende Endgerät, damit der Sohn und das wilde Mädchen sich möglichst pünktlich in ihre ausgemachten onlineTermine einklinken könnten.

Bei der mail die erst am morgen alle Infos schickte, hatte ich im morgendlichen Kindertrubel überlesen, dass der Unterricht digital bereits früh starten könnte.

Naja. Egal.

Während der Sohn schon gespannt auf seinen Slot wartete, wollte das wilde Mädchen erst nicht so richtig. Ist halt alles ungewohnt.

Ihren Arbeitsplatz richtete ich an meinem Arbeitsplatz ein, den ich allerdings auch noch ein bisschen frei schaufeln musste. 😬 Ich war dann noch zu blöd, das Mikro auf stumm zu schalten, damit die Nebengeräusche nicht so störten. Ich löste das Problem kurzerhand sehr analog mit einer geschlossenen Tür, was unsere Hummel wiederum richtig doof fand. Ich versuchte sie von der Tür fern zu halten. Gleichzeitig richtete ich dem Sohn auf dem anderen Gerät seinen Zugang ein, hielt die Hummel irgendwie bei Laune und versuchte die Erstklässlerin zu beschäftigen, die ihre Arbeitsaufträge ja erst heute nachmittag bekommt. Dem Mann hatte ich die mails aus der Schule weitergeleitet, damit er die mitgesandten Wochenpläne, Hausaufgabenpläne und Arbeitsblätter schon ausdrucke.

Als der Sohn und das wilde Mädchen stabil und digital versorgt waren, lotste ich die Erstklässlerin mit Leseaufgaben und die Hummel nach oben. Ich hörte den Mann drucken. Die Hummel wollte immer das Leseheft der Erstklässlerin haben, worauf hin ich mit ihr ganz nach oben entschwand. Dort lüftete ich die Zimmer und die Hummel wollte aus dem Fenster gucken. Ok. Ok. So störte sie wenigsten unten niemanden mit Gebrabbel und Knöpfe drücken.

Während ich sie aber davon abhielt aus dem Fenster zu klettern, rief schon die Erstklässlerin, die bräuchte mal Hilfe und das wilde Mädchen rief auch nach mir und kam mir entgegen gerannt.

Der Mann druckte weiter und versuchte ein Telefonat zu erledigen. Die Hummel quitschte. In der unteren Etage hörte ich den Sohn in seiner Onlinesitzung und die Sitzung vom wilden Mädchen lief auch noch. Ich fragte, wieso sie nicht am Schreibtisch vor dem Rechner säße.

Sie war etwas verwirrt und meinte, sie bräuchte irgendwelche Arbeitsblätter. 

Ich sagte, die würden gerade ausgedruckt. Aber sie hätte sie ohnehin nicht sofort gebraucht, die Lehrerin hatte nur nochmal erklärt, was sie gemailt hatte und woran die Kinder arbeiten sollen/können.

Die Sitzungen der Schulkinder waren dann fast zeitgleich vorbei.

Ich überließ die Hummel kurz den Kindern und wollte die gedruckten Arbeitsblätter holen. Es war schon ein ganzer Stapel ausgedruckt. Leider, ohne Scheiß, 8 mal die gleichen Arbeitsblätter aus der dritten Klasse.  Ich fragte den Mann, was er denn da mache. Und er war schon dezent genervt, weil der Drucker offenbar ein Eigenleben entwickelt hatte. Wobei das Eigenleben hatte der schon immer. Von Anfang an verband sich dieser W-LAN Drucker nicht mit dem W-Lan. Was uns dann irgendwann egal war, weil so oft müssen wir jetzt auch nix drucken, dann nimmt man halt ein Kabel. Egal.

Wie dem auch sei, wir hatten nun einen halben Klassensatz immer die gleichen Aufgaben.

Währen die Kinder etwas zänkisch um uns herum sprangen, motzte ich auch noch los. Ich dachte nämlich: „ Das kann doch nicht sein, dass ich diesen einfachen Auftrag verteile und dann klappt das nicht! Muss man denn hier ALLES selber machen? Ich schimpfte vor mich hin. 

Wir zankten uns ein bisschen hin und her. Der Drucker war nicht zu stoppen, bis er sich am Papier verschluckte und ich ihm den Stecker zog. Danach versuchte ich es nochmal und erfuhr die gleiche Kacke. Kacke. Kacke. Kacke. KACKE!  Immer die gleichen Blätter wurden gedruckt, obwohl ich schon längst einen anderen Auftrag verteilt hatte.

Der Mann lachte und verließ den Raum.

Also nochmal an, nochmal aus…..ach Mensch, kann mal einer das kreischende Kleinkind hier weg nehmen? Wo sind denn jetzt alle?

Das wilde Mädchen kam dann und motzte und blökte rum. Dieser Morgen war wieder so ein Overkill. Erst das ungewohnte digitale Treffen. Dann die Unsicherheit über die Arbeitsmaterialen. Wir Eltern, die sich zankten. Die vielen Arbeitsblätter, aber alle dieselben….es war too much. Mir allerdings auch. Dem Mann auch. Atmen.

Schließlich schaffte ich es den Drucker davon zu überzeugen doch noch alles noch fehlende zu drucken. Die nächste Herausforderung war dann die Blätter zu sortieren. Der Sohn und das wilde Mädchen sind in Klasse 4 und Klasse 3. Da die Schule Jahrgangsübergreifend arbeitet, haben die Klassenstufen oft den gleichen Aufgabenkern, nur einen anderen Schwierigkeitsgrad. Das sieht aber auf den ersten Blick ziemlich gleich aus. Die Geschwister stritten sich dazu lautstark.

Als dann alles sortiert und zugeteilt war, beklagte sich die Erstklässlerin, ich hätte ihr die ganze Zeit nicht geholfen. Ach ja. Oh je. 

Sie verschwand schmollend ins Wohnzimmer und baute mit Duplo. Ok. Das ließ ich so. Dann fängt sie halt morgen erst an zu arbeiten. Oder heute nachmittag.

Ich erledigte ein paar Überweisungen, als ein Streit am Esstisch entbrannte. Der Sohn alberte rum. Das wilde Mädchen beklagte sich zu recht darüber. Ich musste motzen und die Streithähne schließlich auseinander nehmen. Ich platzierte das wilde Mädchen neben mir am kleinen Schreibtisch. Der Sohn blieb am riesigen Esstisch. Etwas ungerecht, aber die schnellste Lösung in diesem Moment.

Gerade als wieder alles im Flow war, ich tätigte eine weitere Überweisung, suchte der Sohn Hilfe durch ständiges Mama-Rufen. Ich bat ihn doch seine Beine zu gebrauchen und zu mir zu kommen. Ich wäre gerade MITTEN im Vorgang.

Er war dann auch beleidigt und entschwand schmollend auf eine andere Etage. 

Die Hummel schüttete eine Tasche mit Spielsteinen geräuschvoll aus.

Es endete schließlich darin, dass die Kinder beschlossen, sich am Nachmittag nochmal ran zu setzen. Ich bin gespannt!

Trotz toller Vorbereitung und Möglichkeiten der Schule, sind wir einfach nicht geübt so einen Schulvormittag zu gestalten. Es fehlt die Routine. 

Morgen wissen wir schon besser wie es geht und was es braucht. Außerdem haben wir vor allem nicht dieses Arbeitsblätterdrucker-Desaster.

Wir müssen uns einleben in diesem zweiten Lockdown. Obwohl wir in unserer persönlichen Definition von allem genug haben, haben auch wir unsere Stressmomente. Wir sind uns aber unserer Privilegien bewusst und sind in der Lage unseren temporären Stress in Schach zu halten.

Wie läuft es bei euch so?

  1 Kommentar

  1. Avatar Eva   •  

    Liebe Beatrice, das klingt nach einem sehr turbulenten Einstieg ins zweite homescooling. Aber drei Schulkinder plus Kleinkind plus unwilliger Drucker sind auch eine Mega Herausforderung.

    Mir kommt so vieles so bekannt vor, was du schreibst. Meine Kinder rufen auch immer aus dem nebenZimmer, aber r
    kommen nicht zu mir, wenn sie mich etwas fragen wollen.

    ich wohne in Sachsen und da war ja schon Anfang letzter Woche klar, dass ab dieser Woche homescooling auf dem Programm steht.
    Der klassenlehrer meines Sohnes (1.Klasse) hat zum Glück die arbeitsblätter schon ausgedruckt und sortiert 🙂 den Kindern am Freitag mitgegeben. Das hat uns den Einstieg sehr erleichtert, da unser Drucker auch so seine Eigenheiten hat (Typ papierverweigerer). Trotzdem wollte ich noch für mein geplantes homeVORscooling-programm aufgaben ausdrucken. Aber die Kinder blockierten den Drucker mit Ausmalkopien, aber gut, ausmalen zählt dann auch für Vorschule.
    Unsere drillinge sind jetzt 5 und haben sich zum Teil mit an den Tisch gesetzt und auch die aufgaben des Erstklässlers bearbeitet. Sogar unsere dreijährige hat eine Stunde einfach nur gemalt.

    Ich bin auch sehr dankbar dafür, dass wir Haus und Garten in dieser Situation haben und ich als ewige Studentin dieses Semester sowieso von zu Hause lerne.
    Und auch wenn alle zwei Minuten irgendein Kind Mama ruft oder einfach nur schreit, bin ich trotzdem froh, dass bei vier Geschwistern immer potentielle Spielpartner da sind.

    Ich drücke euch die Daumen für eine reibungsarme Woche, dann sind ja erstmal Ferien 😉

    Ich freu mich immer von dir zu lesen.

    Liebe Grüße, Eva

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