Distanzlernen-Januar 2021

Wie läuft es hier?

Unsere Schule ist digital gut aufgestellt. Die Lehrerinnen haben großartige Vorarbeit geleistet und waren für diesen zweiten Lockdown vorbereitet.

Alles ist top organisiert, finde ich. Wenn es hier und da mal stolpert im Zusammenspiel, dann nur weil wir halt alle noch nie in einer solchen Situation waren und die Technik eben auch manchmal seine Tücken hat. Manche Angebote müssen auch erstmal ausprobiert und dann gegebenenfalls nachgebessert werden. Die Schule fragte nach der ersten Woche auch bei Schüler:innen und Eltern ab, wie es gelaufen ist.

Die Kinder holen sich einmal in der Woche persönlich Arbeitsmaterialien bei ihren Lehrerinnen und geben bearbeitete Aufgaben wieder ab.

Die Kinder haben jeden Tag zu unterschiedlichen Zeiten zu unterschiedlichen Fächern Onlineunterricht. Bei drei Kinder überschneidet es sich öfter.

Per mail kommen jede Woche Zugänge zu Onlinepinnwänden (Padlet), auf denen für die jeweiligen Klassen Stundenpläne gepinnt sind. Alle Fächer werden abgedeckt. Deutsch, Mathe, Sachkunde, Englisch, Sport, Musik, Kunst. Es gibt Audios, selbst erstellte Videos, Links zu ergänzenden YouTube Videos, Bilder, Arbeitsblätter und Arbeitsaufträge, Knobelaufgaben, und Links zu Lernplattformen. Dazwischen immer die Uhrzeiten und die passenden Links zum Einloggen in die Onlinestunden. 

Solange die Server verlässliche arbeiten, funktioniert es wunderbar. Ich freue mich sehr zu sehen, was alles und dann auch ansprechend angeboten werden kann.

Dennoch gibt es auch noch genügend Arbeitsphasen ganz analog. Bei Fragen können die Kinder in die virtuellen Konferenzräume und die Lehrerinnen fragen.

Soweit so gut. 

Was ist jetzt meine Aufgabe?

Ich koordiniere.

Ich sortiere mehrmals die Woche Mails aus der Schule mit sämtlichen Informationen in relevant und für uns persönlich nicht relevant. Doppelte Mails (was bei drei Kindern auf der selben Schule ziemlich oft vorkommt) lösche ich. Sämtliche Links zu den Onlinepinnwänden und „Konferenzräumen“ übertrage ich mit Namen des jeweiligen Kindes auf alle unsere Geräte zu Hause oder aktualisiere Änderungen, z.B. weil ein Server gewechselt werden musste. So kann bei Bedarf jedes Kind von jedem Gerät aus zugreifen. (Seit Samstag haben wir auch drei Geräte, die für die Onlinesitzungen funktionieren. Das klappte nämlich letzte Woche nur bei zwei Geräten zuverlässig.)

Dann habe ich eine Art Wochenplan aufgestellt und für jedes Kind die Onlinetermine und Abholtermine in der Schule eingetragen. Dazu nutze ich ein großes Blatt und habe entsprechen Spalten angelegt. Ähnlich wie ein Stundenplan.

Jede Lehrerin handhabt das ein oder andere Organisatorische in Nuancen nochmal anders. Da kommen immer mal wieder Mails mit Infos oder Ergänzungen, die ich dann in meinem Plan ändere.

Morgens geht der Wecker wie sonst auch zur Schulzeit. Um 7 wecke ich die Kinder und mache Frühstück. Wenn soweit alle fertig sind, mache ich die Padlets auf und kontrolliere, ob alles wie gehabt geblieben ist oder es Änderungen gibt. Dann verteile ich die Aufgaben und gebe die entsprechenden Geräte mit Ladekabel an die Kinder weiter.

Wenn es rund läuft, klappt alles konzentriert und entspannt. (Ein Tag letzte Woche 🙈)

Der Sohn regelt das schon sehr versiert alleine mit seinen Onlinesitzungen. Sofern die passenden Links „griffbereit“ sind und nur angeklickt werden müssen, das wilde Mädchen auch.

Die beiden Großen sitzen in den Onlinestunden dann in ihren Zimmern mit geschlossenen Türen und kommen nur raus, wenn irgendetwas nicht klappt oder sie fertig sind. Beim Sohn muss ich allerdings immer mal nachsehen, denn da kommt es schon mal vor, dass ein paar Jungs auf die „plötzlich“ verschwundenen Lehrerin „warten“ und in einer lustigen virtuellen Hofpause verharren, die dann irgendwie auch etwas länger als normal dauert. 

😀

Den Sohn muss ich dann ein bisschen anfeuern, damit die analogen Aufgaben auch erledigt werden. Das ist definitiv der anstrengende Part dabei. Natürlich stehe ich für Fragen auch zur Verfügung.

Die Erstklässlerin muss auch zum konzentrierten Arbeiten angehalten werden. Am besten ist es, wenn ich daneben sitze. Oft genug sitzte ich auch mit drei Kindern am Tisch und helfe oder bewache die Arbeitsphase.

Zwischendurch schaue ich immer auf die Uhr und erinnere an die nächsten Onlinestunden bzw kontrolliere, ob sich dort alle pünktlich einloggen.

Parallel habe ich dann ja auch noch unser Kleinkind, unser Hummelchen. Sie macht das alles geduldig mit, aber mischt natürlich hier und da dazwischen. 

Hunger haben sie auch alle ständig.  

Ich muss aber wohl nicht sagen, dass ziemlich schnell Mittag ist. Und weil ich ja nicht kontinuierlich neben jedem sitzen kann, passiert es hier und da, dass analoge Aufgaben bis in den Nachmittag hinein gezogen werden oder auch liegen bleiben. Nicht weil es zu viele Aufgaben wären, sondern weil zwei von drei Herrschaften gerne prokrastinieren.

Wenn es hingegen schlecht läuft, würden mir, hätte ich sie nicht bereits, ordentlich graue Haare wachsen. 

Worstcase letzte Woche war: Drei Kinder hatten zwar zu unterschiedlichen Startzeiten, aber sich überschneidend, Onlinestunden und ich musste in der Primetime zum Arzt. Nur mal flott zur Blutabnahme. Das Problem war eines der drei zur Verfügung stehenden Geräte wollte nicht funktionieren und eine Verkettung kleiner aber ungünstiger Hürden sorgten für maximale emotionale Schieflage. Das Kleinkind war außerdem auch von ausgesucht schlechter Laune.

Das emotionale Desaster auf Grund von unterbrochenen und ausgefallenen Onlinestunden, als ich nach Hause kam, war unüberhörbar. Einzig der Sohn saß gelassen in seinem „Tumzimmerchen“ und hatte sein Programm ungestört absolviert.

Ich „räumte“ das emotionale Schlachtfeld auf und überlebte den Tag lediglich. Ich fühlte mich ziemlich alt am Abend.

Wenn es nicht so gut läuft, muss ich ständig die Kinder zum Weitermachen anhalten, Streitereien schlichten, das Kleinkind dabei aufhalten Unsinn und Krach zu machen und irgendwie beschäftigen.

Manchmal bin ich übermütig und gehe Wäsche aufhängen oder räume was in der Küche. Das geht aber nie lange gut.

Am ehesten geht es noch (sofern keiner meinen Computer für den Unterricht braucht, wenn ich daneben sitze und etwas tippe), wobei das die Hummel meist nicht lange mitmacht.

Ich weiß nicht, ob das jetzt so bleibt, bis die Schule wieder irgendwie normal starten kann. Oder ob wir auch da rein wachsen und Routinen entwickeln und es leichter wird.

Zusätzlich versuche ich die Kinder in Bewegung zu halten. Die Möglichkeiten sind ja begrenzt und spazieren gehen ist nicht ihr liebstes Ding. Die Schule hat aber immer tolle Links zu Bewegungsstunden. Es ist aber dennoch etwas anderes, ob man mit anderen Kindern und in einer Turnhalle oder draußen rumflitzen kann. 

Für den Sohn gibt es nachmittags zweimal die Woche noch Judo. Online. Da baue ich dann auch wieder ein Setting auf und suche die entsprechenden Logins aus der Flut der Mails raus.

Es ist für mich anrührend und verrückt zugleich, dass sich alle so große Mühe geben die gewohnten Kurse irgendwie anzubieten und gleichzeitig kommt man nicht aus dem Haus.

Ich werde nicht müde zu betonen, wie dankbar ich dafür bin, dass ich mich „nur“ um dieses Distanzlernen kümmern muss und wir räumlich und technisch gut zurecht kommen. Ich will mir das alles nicht vorstellen in einer kleinen Stadtwohnung ohne Garten UND dann auch noch Homeoffice nebenbei. 🙈 Ich bekomme Beklemmungen, wenn ich nur dran denke und wünsche allen viel Kraft, die das so durchstehen müssen!

Denn um ehrlich zu sein, geht mir auch ein bisschen die Puste aus gerade, trotz unserer guten Bedingungen.

Wie läuft es bei euch?

  1 Kommentar

  1. Katha   •  

    Prinzipiell läuft es bei uns ähnlich. Vieles könnte ich genauso formulieren.

    Unser Setting:
    Vier Zimmer Küche Bad in Berlin, nicht wirklich am Rand, aber auch nicht mittendrin. Ein Mann in Homeoffice, d.h. am Schreibtisch im Schlafzimmer, das grenzt mit Flügeltür ans Wohnzimmer. Also richtig weg ist der nie, aber die Tür bleibt auch mal zu. Eine Zweitklässlerin (K2) mit geriger Arbeitsmotivation. Eine Viertklässlerin (K1) die sich zunehmend selbständig zeigt. Eine viereinhalbjährige (K3) mit Rett-Syndrom (sehr mobil, null Fokus, null Selbständigkeit, keine verbale Kommunikation). Eine Mama in verlängerter Arbeitslosigkeit die eigentlich gerade auf Jobsuche sein sollte.

    Die Schulkinder haben beide eine dauerhaft eingerichtete Onlinepinnwand (Padlet) die die Lehrerinnen aktualisieren.

    Bei K1 sind die Aufgaben nach Fächern geordnet wie auf dem Stundenplan und sie ist dazu angehalten, das auch tagesaktuell zu bearbeiten. Das macht sie sehr selbständig und motiviert im eigenen Zimmer mit eigenem Laptop. Außerdem hat sie eine Klassenkameradin als Lernpartnerin mit der wir auch weiterhin Treffen erlauben. Das klappt gut, aber dafür sitzt sie auch meist bis in den Nachmittag dran. Pausen plant sie selbst. In die Videokonferenzen loggt sie sich selbst ein. Mit der eingeteilten Medienzeit klappt es gut. Insgesamt klappt es bei K1 erstaunlich gut, das war im Frühjahr noch ganz anders. Aber auch ihr ist die Belastung an anderer Stelle anzumerken.

    K2 bekommt einen Wochenplan in dem die in dieser Woche zu erledigenden Aufgaben vermerkt sind. Alle Arbeitshefte und Bücher haben wir zu Beginn des Lockdowns aus der Schule mitgenommen oder die Lehrerin legt sie in der Schule zur Abholung bereit. Zusätzlich gibt es Arbeitsblätter, die drucken wir aus. Auch verlinkt sind viele Tipps für Videos u.ä. Das Kind ist nur schwer zur Arbeit zu motivieren und ich muss eigentlich permanent daneben sitzen und aufpassen, dass sie die Aufgabenstellung beachtet und nicht nur Löcher in die Luft stiert oder sich nebenbei mit anderem verzettelt. Wir sitzen dafür am großen Esstisch im Wohnzimmer. Wahnsinnig macht mich auch, dass sie alle Aufgaben prinzipiell eher schluderig und unordentlich bearbeitet. Letzte Woche hat alles ganz gut geklappt. Heute noch nicht. Ständig gibt es Diskussion um die vereinbarte Medienzeiten und überhaupt viel Streit gerade. Ihr fehlen definitiv Kontakte zu den Mitschülern.

    K3 ist ein weiterer Chaosfaktor. Sie dürfte in die Kita, davon haben wir aber abgesehen und bei der derzeitigen Aussicht auf weitere Einschränkungen bleibt das wohl erstmal so. Sie läuft irgendwie parallel mit, braucht aber trotzdem ganz viel Aufmerksamkeit. 3 Mal pro Woche kommen ihre Einzelfallhilfen und einmal geht es zur Ergotherapie. Diese Termine gilt es auch zu koordinieren und zeitweise zu begleiten. Zuhause mit ihr „arbeiten“ kommt viel zu kurz. Wenn sie gut drauf ist, springt sie herum und beschäftigt sich. Wenn sie nicht gut drauf ist, braucht sie eigentlich die volle Aufmerksamkeit eines Erwachsenen. Tatsächlich kann ich eigentlich nie auch nur 5 Min ruhig neben K2 sitzen. Mit K3 müssen wir regelmäßig raus – die Spaziergänge tun gut. Leider wollen die anderen meist nicht mit.

    Was hier nämlich viel zu wenig passiert: Sportprogramm und rausgehen.
    Zum Sporteln zuhause müsste ich einfach viel mehr motivieren. Spaziergänge macht sonst niemand freiwillig. Eigentlich wohnen wir direkt an Park und Wald. Der ständige Kampf ums Rausgehen kostet mir oft zuviel Nerven. 15 – 30 Min auf den Spielplatz um die Ecke, das ist noch drin.

    Der Mann im Homeoffice ist eine Unterstützung. Für ihn ist es aber auch anstrengend so. Alle sind auf die ein oder andere Art gestresster als sonst. Mir geht auch langsam die Puste aus. Das ständige Chaos nagt an mir. Das emotionale Chaos und die ständigen Streitereien der Kinder auszuhalten und abzufangen ist auch Arbeit. Die fehlenden Kontakte machen sich bemerkbar. Dazu das eigene schlechte Gewissen, nie allen gerecht zu werden, auch mir selbst nicht.
    Zum eigenen Befinden kann man ja nochmal so lange Texte schreiben. Aber auch das hast Du an anderer Stelle ja schon ganz passend beschrieben.
    Und eigentlich sollte ich mir gerade einen neuen Job suchen, aber schon der Gedanke daran überfordert mich total.

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