Ostern 2021- ein realistischer Großfamilien-Ostermorgen

Schon Tage vorher hatte ich verzückt hübsch gedeckte Osterfrühstücksvorschläge und verschiedene Speisen  in den  Sozialen Netzwerken betrachtet. Hachz. Jaaa, DAS ist schön. Will ich auuuuch!

Die ein oder andere kleine Speise fand ich ansprechend, aber die Kinder, als auch der Mann zeigten sich wenig entzückt. Also strich ich sie von meinem angedachten Frühstücksbuffet. Gut, dass ich vorher mal gefragt hatte.

Aber einen frischen Hefezopf sollte es geben. Diesmal wollte ich schlau und gut vorbereitet sein und bereitete den Teig am Vorabend vor und stellte ihn über Nacht in den Kühlschrank. Dann müsste ich ihn morgens nur eine Stunde vor dem Backen raus nehmen. Das geht ja dann schneller, als morgens den Teig frisch zu machen. Dachte ich. Das stand auch überall im Netz so geschrieben. Ganz easy.

Außerdem wollte ich um 6:45 aufstehen, um schon heimlich meinen Osterhasenjob zu erledigen. Am Abend hatte ich bereits alles zurecht gelegt. Allerdings war die Hummel vor mir wach und ausgerechnet an diesem Morgen ausgesprochen schlecht gelaunt. Leider war sie auch sehr laut dabei, so dass die anderen Kinder auch erwachten und recht schnell zu uns ins Kinderzimmer gelaufen kamen. Ich versuchte die Kinder irgendwie unauffällig abzuschütteln, was schließlich mit dem Argument gelang, ich müsse den Hefezopf mal vorbereiten. Sonst gäbe es kein Frühstück. Die Erstklässlerin stand aber schon angezogen und ganz aufgeregt wegen des Hasenbesuches neben mir und folgte mir auf Schritt und Tritt. Ich spielte die brummige Mutter, die noch ein bisschen ihre Ruhe in der Küche braucht, damit sie ging.

Ich nahm den kaltgestellten Hefezopf aus dem Kühlschrank und klapperte noch kurz etwas herum, damit die Kinder glaubten, ich sei in der Küche beschäftigt. Dann huschte ich behänd wie der Osterhase selbst durch den Garten, immer um maximal mögliche Deckung bemüht und versteckte die Eier und ein paar klitzekleine Kleinigkeiten, die sich vorher hier, von Freunden herangetragen, angesammelt hatten.

Danach deckte ich den Osterfrühstückstisch.

Dann musste ich warten, auf dass der Hefeteig sich etwas angewärmt hätte. In dieser Zeit nutzte ich die kurze Ruhe und las meine liebste Lieblings-Ostergeschichte: Der Leihhase von Jan Weiler 

( https://www.janweiler.de/kolumne/archiv/2010/157_der-leihhase/) und brach wie jedes Mal beim Lesen in schallendes Lachen aus. 

Schließlich schob ich den Hefezopf in den vorgeheizten Ofen und konnte die Kinder auch keine Sekunde länger mehr aufhalten. Die Erstklässlerin hatte bereits zwei Eier im Garten aus dem Fenster erspäht und ich konnte gerade noch verhindern, dass sie alleine im Garten alle Eier einsammelte.

Die Kinder hatten auf jeden Fall Spaß, fanden auch noch ein Osternest vor der Haustüre (ich habe unsere Nachbarn im Verdacht) und dann hatten alle Hunger. Aber der Hefezopf brauchte noch 15 Minuten. Der Hunger war aber zu groß und alle versammelten sich am Frühstückstisch, vertilgten Schokoeier und gekochte Eier, ließen Papiere und Schalen liegen und stürmten dann nochmal in ihre Zimmer. Hinüber das hübsche Arrangement. Nur die Hummel blieb zurück und hatte weiter schlechte Laune. Zuerst, weil ich ihr erklärte, dass sie nicht noch ein drittes Schokoladenei vor dem Frühstück essen solle und dann weil sie Durst hatte, aber nur ihren Trinkbecher mit den Henkeln haben wollte. Aber leider waren beide Henkeltrinkbecher verschollen. Alles andere, was ich ihr anbot, wollte sie nicht. Sie lärmte und schimpfte, der Ofen piepte, der Hefezopf sei fertig, ein Milchtopf auf dem Herd drohte auch überzukochen……AHHHHHHH.

Ich rief um Hilfe. Alle kamen herbei. Der Mann versuchte die Hummel zu beruhigen, die Kinder kümmerten sich um den Milchtopf und ich stellte fest, dass der Hefezopf innen drin noch ganz roh war. Ich schob ihn also irritiert wieder zurück in den Ofen.

Wir nahmen am verwüsteten Tisch platz. Hübscher Ostertisch, so Instagram-like war mal wieder nich. Die Kinder maulten sie hätten Hunger. 

Es blieb wenigstens Zeit die Trinkbecher der Hummel zu suchen. Einen fanden wir hinter einem Kopfkissen im Bett. Immerhin. Aber wo ist der zweite? (Vielleicht war Antonio da gewesen. Wer den Leihhasen gelesen hat, weiß schon Bescheid) Den Hefezopf holte ich nach weiteren 20 Minuten aus dem Ofen. Er war sehr dunkel gebacken, aber innen drin immer noch nicht optimal durchgebacken. Er fiel auch völlig auseinander und ließ sich beim Schneiden sehr platt drücken.  Ein O ein X, das war wohl nix.

Von der schön gedeckten Frühstückstafel mit perfektem Hefezopf und adrett gekleideten Menschen drum herum werde ich weiterhin nur träumen.

Immerhin waren wir gut gelaunt (bis auf die Hummel). 

Die Kinder spielten dann im Garten selbst nochmal Osterhasen und versteckten sich gegenseitig die Eier.

Und ich weiß jetzt. MEIN Hefezopf-Rezept geht dann doch schneller, wenn ich morgens damit anfange. Dann weiß ich wenigstens, dass es gelingt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.