Seit ich Kinder habe, bin ich manchmal panisch.

Mir macht gerade wieder vermehrt etwas zu schaffen, was mit dem ersten Kind begonnen hat.

Seit der Geburt des ersten Kindes überfällt mich in bestimmten Situationen eine übergroße Sorge um meine Unversehrtheit. Das ist dann ein bisschen auch an das Alter der Kinder gekoppelt. Je kleiner bzw jünger das neue Menschenkind an meiner Seite ist, je mehr habe ich das Gefühl, ich sei unersetzlich.

Als ich das erste Mal nach dem Mutterwerden (und da hatte ich schon 3 Kinder im Alter von 2 bis 5 Jahren) alleine übers Wochenende verreiste, fuhr ich im Zug einen furchtbaren Film. Was, wenn der Zug entgleist? Was ist dann mit den Kindern? Ich musste mich wirklich selbst einmal schütteln. Soweit käme es noch, dass ich mich nirgendwo mehr ohne Kinder hinbewege. Ich verreiste immer mal wieder ohne Kinder ein Wochenende, hatte immer kurz wieder dieses Gefühl von: Oh nein! Was wäre wenn…? Genoss es dann aber stets sehr mal mit mir alleine unterwegs zu sein. Das ist wichtig!

Richtig heftige Anflüge von Panik überkommen mich seit her aber vor allem, wenn mein Körper irgendetwas Akutes hat.

Ich dachte einmal des Nachts auf dem Badezimmerboden liegend, ich müsse verbluten (aus Gründen, die ich hier ausspare) und die Kinder würden mich morgens in meiner Blutlache tot auffinden. Alle schliefen tief und fest und ich war nicht in der Lage aufzustehen, geschweige denn nach dem Mann zu rufen. Ich sah mich tragisch still ableben und ein gruseliges Bild am Morgen abgeben.

Ich bin, wie man ahnt, nicht verblutet und folglich auch nicht gestorben. Um dem Ganzen jetzt etwas Drive zu verpassen müsste ich sagen: Aber es war knapp! 

Das wäre aber gelogen. 

Ein andermal hatte ich noch nie dagewesene seltsame Bauchschmerzen und fühlte einen Hühnerei großen Knoten im Oberbauch.

Der Mann kam erst sehr spät von der Arbeit und ich lag vor Schmerzen komplett ausgeschaltet im Kinderzimmer auf meiner Matratze neben dem Baby und den drei „großen“ Kindern und wusste nicht, wie ich mich lassen sollte. Der „Knoten“ wäre bestimmt ein bis Dato unentdeckter Tumor, der mich in dieser Nacht dahinraffen würde, dachte ich. Ich bekam Herzrasen, Schweißausbrüche und Atemnot. 

Zum Glück besann ich mich dann und musste mir selbst eingestehen, dass ich einen so großen Tumor schon vorher bemerkt hätte. Wahrscheinlicher war eine Blähung. Ich warf mir zwecks Schmerzbewältigung eine Schmerztablette ein, rieb mich mit einem Entspannungsöl ein und band mir mit einem Schal zwei Wärmflaschen, eine vorne, eine hinten, an den Leib. 

Ich erfuhr in der Nacht eine Blitzheilung. 

Es gab noch ein paar weitere solcher „Krankheiten“. Und die Situationen einte immer eine furchtbare Panik, dass ich meine Kinder nicht aus dem Gröbsten raus begleiten könnte.

Neulich allerdings, da gab es keine akute Situation. Ich saß vor dem Fernsehgerät und mitten in einem entspannenden Film begann mein Herz laut an zu stolpern. Statt einem leisen und gleichmäßigen bog-bog-bog-bog war da auf einmal ein lautes und hartes POK-…POK-POKPOK-…BÄM-BOK-BOG-BOKBOK-BÄM….-BOGBOG-BOK….-BÄM….

Das Unregelmäßige stresste mich am meisten dabei….Ich atmete etwas hektisch und glaubte plötzlich nicht mehr gut atmen zu können, ich bekam ganz schwitzige Hände und ein Angstgefühl. Einen kurzen Augenblick glaubte ich, ich würde vielleicht jeden Moment einfach umkippen. So Herzinfarktmäßig. Oder Blitz-Covid. Von jetzt auf gleich an die Beatmungsmaschine.

Dann aber begrüßte ich dieses irgendwie nun schon bekannte Gefühl und wusste: Ich würde nicht sterben. Ich musste mich einfach wieder unter Kontrolle bekommen.

Atmen, rational meine aktuell Situation betrachten und wenn ich mich wieder beruhigt habe mal ganz sachlich meine Gesamtsituation betrachten. 

Was mir da neulich den kurzen völlig aus dem Nichts erscheinenden Angstmoment bescherte, war aus diesem Pandemiejahr gewachsen. Sorgen um die Gesundheit. Nicht nur um Corona. Sondern auch Sorgen um die psychische Gesundheit. Irgendwie müssen wir alle halbwegs gut durch diese besondere Zeit durch kommen. Ich versuche mein Bestes allen Gerecht zu werden und die Last liegt nun mal zu 100% auf uns Eltern allein. bzw in unserm Fall lohnarbeitet der Mann meistens und ich versuche den Laden hier zu Hause mit 4 Kindern alleine stabil am Laufen zu halten. Das Gefühl aktuell könne sich niemand anderes, außer mir, um die Kinder kümmern, hatte sich total verschärft.

Zum Glück konnte ich mich dann aber wieder gut besinnen. Die Jüngste ist nicht mehr so sehr auf mich angewiesen, wie als Säugling und akzeptiert die Geschwister und den Papa wunderbar als Bezugspersonen. Die Großeltern hat sie zwar sehr selten gesehen, aber sie fragt oft nach ihnen. Da meine Eltern in Bälde auch die zweite Impfung erhalten, werden sie auch wieder etwas mehr mitwirken können. Und bisher haben wir auch gut durchgehalten. Ich muss mich also gar nicht mehr so extrem sorgen. Die Kinder wären im Fall der Fälle versorgt.

Ich muss also wieder zurück zu meiner Unerschrockenheit und dem festen Glauben: Et kütt, wie et kütt und Et hätt noch immer jot jejange finden. Das Leben an sich birgt halt immer ein gewisses Risiko. Ständiges sich Sorgen machen führt am Ende nur zum eigenen Kollaps, für den es dann extern nicht mal mehr eine Ursache geben muss.

Hab ich ja gemerkt, da kürzlich vor dem Fernsehgerät sitzend. 

Ich biete also meinen Ängsten die Stirn, habe auch zukünftig nicht vor an Wehwehchen zu verenden und werde mich, sobald es die Situation zulässt mal wieder alleine auf einen Wochenendtripp begeben und diesen genießen. 

Vorfreude ist ja angeblich die schönste Freunde. 

Kennt jemand von euch diese kurzen „Angstanfälle“ seit die Kinder geboren wurden?

  5Comments

  1. Nina   •  

    Hey, ich denke JEDESMAL, fast zwanghaft, wenn ich unsere recht steile Kellertreppe runter gehe: ‚Vorsicht, wenn Du DA jetzt runterfällst…‘ – Kinder allein zuhause mit der ‚Situation‘ usw. Bei hohen Leitern oder so hab ich es auch. Als K1 noch ganz klein war und ich oft mit ihm im Tragetuch unterwegs hab ich in so einem ‚was wäre wenn-Anfall‘ einen Zettel in mein Portemonnaie getan, wer der Vater des Babys ist und Telefonnummer dazu – man (ich) könnte ja unterwegs tot umfallen UND DANN…? Puh, schon so eine Sache mit dieser großen Verantwortung für kleine Menschen.

  2. Mimi   •  

    Das was du schilderst könnte Original ich sein! Verrückt! Bei mir ging es als Kontakt Nr 3 ca. Ein Jahr alt war so weit, dass ich an akutem Schwindel, Kopfweh und diffusen Unwohlsein leidend ernsthaft dachte dass ich sicher multiple Sklerose hätte oder einen Hirntumor. Ich ging also zum Arzt, ließ sogar Blutbild und MRT machen und mir ging es zwei Wochen ziemlich schlecht. War aber wohl nur Erschöpfung allgemein. Und hormonell bedingtes Unwohlsein. Jedenfalls fand ich meine eigene Panik so verstörend, dass ich dachte ich muss mich Mal konfrontieren. Und den Worst Case knallhart durchdenken. Wenn man tot ist, kann man das ja nicht ändern, das einzige was man vorher tun kann, ist alles so vorzubereiten, dass die Kinder und Mann und die Familie es möglichst “ einfach“ haben. Ich habe also einen Brief an die Kinder für den Fall meines Ablebens geschrieben, für meine Geschwister und Eltern, habe mit dem Mann besprochen, wohin die Kinder im worst worst case kommen, falls eir beide sterben, eine entsprechende Verfügung verfasst, ein Dokument ausgefüllt wie ich beerdigt werden will ( mir egal macht was ihr gut ertragen in könnt) und dadurch konnte ich die Angst zu sterben, die ich vor den Kindern niemals hatte, ein Stück weit loslassen. Seitdem sind die paniken seltener. Und das “ wenn es so kommt, kann ich es eh nicht ändern aber immerhin habe ich was mir möglich war vorbereitet“ ist stark genug, dass ich bei körperlichen Beschwerden meist nicht mehr vom schlimmsten ausgehe sondern erstmal ein paar Stunden bzw Tage abwarten bevor akute Panik kommt…schon verrückt, dieses Elternding!

  3. Mimi   •  

    Ich meine natürlich nicht Kontakt 3 sondern Kind 3…

  4. Mareike   •  

    Ja, kenne ich sehr gut! Das erste Mal, als mein Mann und ich zusammen über Nacht weg waren, mit dem Auto über die Autobahn… Da kann man schon Phantasien entwickeln. Da gibt es noch viele, viele Situationen! Begonnen hat es bereits in der Schwangerschaft. Seltsam, diese große Verantwortung! Und mit Pandemie gekoppelt umso mehr!

  5. Lea We.   •  

    Ja! Genau das kenne ich so gut und danke dir, dass du in der Lage bist, es so schön in Worte zu fassen! Ich glaube aber, dass es ganz normal ist, diese Gedanken zu haben. Für unsere Kinder sind wir ja unersetzbar… Aber wie du schon sagst: Es hat noch immer joot jejange;-)

    Unbekannterweise viele herzliche Grüße,
    Lea

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