2. Advent 2021

Die letzte Woche war für mich schwierig. Meine Lunte ist kurz.

Die Kinder bemerken meine unausgewogene Stimmung und scheinen deshalb meine Nähe besonders zu suchen, was wiederum kontraproduktiv für mein derzeitiges Bedürfnis nach etwas Abstand von allem ist. 

Nachdem ich am Dienstag Abend vor der Judohalle kurz in Tränen ausgebrochen war, weil mir alles zu viel war, habe ich mir zu Hause ein kleines Gläschen Rum eingegossen, ganz laut Musik aufgedreht und sehr expressiv getanzt. Die Kinder waren etwas verstört. Der Hummel war es auch zu laut. Was mich kurz nochmal verzweifelt ließ, denn wann soll ich denn dann mal Musik aufdrehen??? Kopfhörer mag ich übrigens nicht. Ich habe noch keinen Kopfhörer gefunden, der mir nicht unangenehm an oder in den Ohren drückt. Mal davon abgesehen spüre ich den Bass gerne mit dem ganzen Körper. Wenn dieses Kack-Scheiß-Coronasache nicht wäre, könnt ich ja wenigstens mal ordentlich ne Nacht in einen Club entschwinden. 

Das Ganze haben wir Samstag vormittag nochmal geübt (nur ohne Rum 😜). Die Kinder sind einfach alle mal auf ihre Etage entschwunden und ich habe beim Kücheaufräumen Musik aufgedreht. Tat gut.

Am Nachmittag beehrte uns dann eine Freundin der Familie zum Plätzchenessen und Spielespielen. Eine willkommene Abwechslung und dennoch waren die Kinder danach sehr wild und ich musste ein ordentliches Donnerwette aussprechen. Es fehlte Bewegung an der frischen Luft an diesem Tag.

Der zweite Advent begann denn sehr hakelig. In der Nacht fiel unsere Heizung aus und meldete mit Hilfe eines Codes an, sie wolle gerne einen Techniker sprechen. 

Da wir noch das ein oder andere Baustellenequeipment im Keller stehen haben, fand sich darunter auch ein Heizlüfter. Der Mann ließ ihn kurzerhand über Nacht in der Wohnetage laufen. Im Bad habe wir zudem eine separat über Strom zuschaltbare Fußbodenheizung. Also Bad und Wohnetage sind warm. Über die Stromrechnung dazu denken wir lieber nicht nach. Aber wir sparen ja Gaskosten. 😜🙈

Wie dem auch sei. Am Sonntag morgen waren alle relativ zeitig wach. Während der Mann den Frühstückstisch deckte und die Kinder beaufsichtige, gingt ich zum Bäcker. Offenbar hatte ich einen ganz ungünstigen Zeitslot erwischt. Die Schlange vorm Bäcker war sehr lang und auf dem Rückweg ereilte mich schon ein fragender Anruf ob meines Verbleibens.

Zu Hause angekommen war der Tisch zwar gedeckt, aber die Laune schwierig. Ein Kind hatte sich unter einer grünen Wolldecke verkrochen und schmollte. Der Mann war angestrengt, weil die Kinder sich offenbar während meiner Abwesenheit ordentlich gestritten hatten und fragte, warum ich eigentlich nicht mit dem Fahrrad gefahren wäre. Nun, das liegt daran, dass beide meiner Räder einen Platten haben und die Dauer meiner Abwesenheit lag ja auch nicht daran, dass ich zu Fuß gegangen war, sondern an der langen Warteschlange. Nachdem wir das nochmal geklärt hatten, kippte ein Glas Hulunderbeerensaft um und ergoss sich über den halben Tisch, tropfte auf Stuhl, Hosenbein und Boden und hinterließ eine schöne klebrige blutrote Pfütze, noch ehe ich meinen ersten Schluck Kaffee trinken konnte.  Großes Gewische und Geräume, der Heizlüfter rauschte dazu und ein „grüner Tannenbaum“ motze weiter vor sich hin.

Einzig unsere Hummel war vergnügt. Sie freut sich nämlich schon, dass morgen der „Dickelmaus“ kommt. 😂

Der Tag des „Dickelmauses“ wird auch spannend. Während sich die Kinder über die Gaben des „Dickelmauses“ freuen, müssen der Mann und ich einen Heizungsintallateur finden, der uns hoffentlich morgen wieder Wärme schenken kann. Ferner wird auf dem Nachbargrundstück (wenn es nach Plan läuft) ab morgen ein Haus abgerissen. Das wird zwar spannend für die Kinder, aber vielleicht auch eine etwas ungemütliche Geräuschkulisse. Lassen wir uns überraschen. 

Und sonst so: Die obligatorische Adventseisenbahn der hiesigen Bücherei ist dieses Jahr auch am 2. Advent noch defekt. Skandal. Und eine Freundin vermisst den Tannenbaum auf dem Auerbachplatz in Köln Sülz. What ist going on? Is der der Grinch unterwegs oder was?

  1 Kommentar

  1. Franka   •  

    Ach wie herrlich, Freitag ist bei uns auch gern: laute Musik und denk‘ nicht drüber nach, was „die anderen“ denken – Stimmung. Ein Glässchen Alkohol unterstützt dabei wohlwohlend die Musikauswahl und deren abgespielte Lautstärke. Zum Glück sind es die Kinder gewöhnt und kurz bevor die Nachbarn sich beschweren könnten, ist der Spuck auch schon wieder vorbei. Aber gut hat es (uns Großen) getan- das merken auch die Kinder.

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