Advent, Advent,…ich weiß gerade auch nicht

Zuversichtlich und resigniert zugleich purzeln wir in den zweiten Pandemiewinter.

Ich gestehe, gestern habe ich wild ein paar Hemden nebst Kleiderbügeln hin und her geschleudert, um sie dann fluchend in eine Ecke zu pfeffern. Nicht ohne mich hinterher darüber zu ärgern, dass ich den Mist wieder ordnen muss. Scheiß Haushalt. Er kommt mir an den Ohren raus!

Meine Laune schwankt zwischen: „Ach, wir haben es doch eigentlich gemütlich und ich habe Lust auf heimelige und ruhige Bastel,-Film-, und Spieletage mit den Kindern.“ und „Verdammte Scheiße, ich brauch ne PAUSE von ALLEM!“

Ich mein, wer denkt das nicht gerade?

(Die Realität sieht übrigens so aus, dass die Kinder vornehmlich von der Idee Filmegucken begeistert sind und alles andere nur murrend tun wollen. Meine Bastelleidenschaft haben sie leider alle nicht geerbt. Tja. Kannst te dir nicht aussuchen.)

Ich habe dieses Jahr sehr zeitig begonnen das Haus weihnachtlich zu schmücken. Weil es gemütlich ist, weil ich das schön finde, weil die Kinder sich so darüber freuen. Es peppt dieses dunkle Nass draußen einfach ein bisschen auf und die Kinder schwelgen in Vorfreude hinsichtlich Weihnachten und Silvester. Immerhin haben wir uns gedanklich alle darauf eingestellt, dass Weihnachten wahrscheinlich nochmal wie letztes Jahr im ganz kleinen Kreis stattfindet. Für uns persönlich geht das ganz gut, denn wir sind ja aber auch zu Sechst.  

Für die letzten Wochen bis zu den Weihnachtsferien heißt es jetzt für uns: Irgendwie und möglichst gut durch kommen. Am allerliebsten gesund. Gestern hatte ich jedoch 2 Schulkinder zu Hause, zwecks Beobachtung bezüglich Erkältungssymptomen. Allerdings waren die Kinder hier zu Hause sehr betreuungsintensiv, weil sie sich fürchterlich langweilten und dann gegen Abend nur so vor Energie strotzten. Negativ getestet und voller Elan scheuchte ich sie heute morgen erleichtert wieder zur Schule.

Die Sportkurse laufen weiter, wenn man davon absieht, dass das Schwimmen wegen einem Defekt des Hallenbades vorerst ausfallen muss. Ich schwanke deswegen zwischen Erleichterung und Bedauern. Auch, was das gelegentliche Ausfallen der anderen Sportkurse betrifft, bin ich hin und her gerissen. Die Bewegung fehlt den Kindern, gleichzeitig ist es in dieser dunklen nassen Jahreszeit mit steigenden Infektionszahlen irgendwie auch ganz angenehm, möglichst wenig unterwegs zu sein. Dieses Winterklamotten An- und Ausgeziehe. Das Diskutieren über Mützen, das Suchen von Handschuhen, das im Dunkeln nochmal los müssen, Kinder bringen, die anderen derweil beschäftigen …Wie viel leichter ist das im Frühling und Sommer.

Hinzu kommt mein persönliches Kleinkind-ist-aus-dem-Gröbsten-raus-jetzt-bin-ich-aber-mal-wieder-dran-Gefühl. Das kommt derzeit richtig mies um die Ecke. Denn das fuckingscheiß C schmälert den mütterlichen Spielraum nach Selbstzurückfindung bzw Freizeit ja auf ….gleich Null, würde ich sagen. 

Gefangen in der Mutterrolle. Damit will ich nicht sagen, dass die Mutterrolle etwas Schlechtes ist. Ich mag sie sogar sehr. Aber doch nicht ausschließlich! Jedenfalls nicht auf Dauer. An dem Punkt war ich übrigens schon mal. Da war die Zweitklässlerin nur wenig älter als unsere Hummel jetzt. Zu lesen HIER.

Der Knackpunkt an dem ganzen Schlamassel ist nicht zuletzt auch unsere Sozialisation. Wir haben ein bestimmtes Bild von uns, als Mütter und deklarieren „in Ruhe duschen“ oder „ohne Kinder einkaufen gehen“ schon als Freizeit. Aber das ist es eben nicht.

Patricia Cammarata hat da  einen sehr guten Text aktuell auf ihrem Blog! Wie ich verschwand und eine Kuh wurde

Alu hat dazu geantwortet: Wie ich zu einem Esel wurde

Dieses Freizeitding ist für Mütter wirklich besonders kompliziert.

Mir würde ein Wochenende in einer anderen Stadt gut tun. Klar, könnte ich das irgendwie organisieren, aber ganz ehrlich, das Pandemiegeschehen macht es komplizierter, als es für Mamas ohnehin schon sein kann und ich hätte auch kein gutes Gefühl, mitten in der 4. Welle mal einfach so los zu ziehen. Ist vielleicht mein persönliches zusätzliches Manko, dass ich da so „verspannt“ bin. 

Ich versuche meine anderen Rollen also hier zu Hause auszugraben. Mal schauen ob es funktionert. 

  2Comments

  1. Simone   •  

    Ich kann die Gemütslage gerade sehr gut nachvollziehen. Dabei bin ich froh, dass meine Kinder schon Teenies sind und nicht mehr bespaßt werden müssen. Trotzdem haben sie auch ihre Probleme mit Schule und Studium, die man als Mama ja auch irgendwie mitträgt. Und mir tut es unheimlich leid um alles, was sie jetzt verpassen. Die Jugend sollte eine unbeschwerte, erfahrungsreiche Zeit sein, also quasi das Gegenteil von dem, was gerade passiert. Und auch ich selbst hab langsam die Nase voll, würde gern mal wieder ins Theater oder Museum gehen oder meine Freundin übers Wochenende besuchen. Das ist nun alles schon mind. zwei Jahre her und fehlt mir einerseits sehr. Andererseits hab ich auch keine Lust drauf, wenn man bei allen Unternehmungen ein latent ungutes Gefühl hat. Es ist anstrengend. Ich wünsche mir dieses Jahr zu Weihnachten, dass alle gesund bleiben und endlich wieder mal sowas wie Normalität einzieht.

  2. Anne   •  

    Liebe Bea,
    ich kann deine Stimmung sehr gut nachvollziehen – hier sieht es leider zu oft genauso aus 😉 Da wünsch ich dir viel Kraft und die Fähigkeit, auch aus kleinen Ruhepausen neue Energie schöpfen zu können.
    Ich habe für mich gemerkt, dass mir die Lektüre von Blogs, in denen Care-Arbeit wenig gewertschätzt wird, nicht so gut tut. Gerade der Vergleich mit „dummen Tieren“ tut meinem Selbstbild nicht gut und in der Folge bin ich dann auch noch unzufriedener mit allem.
    Ich versuche gerade jetzt eher nach Input zu suchen, der Mütter (insbesondere auch Vollzeit-Mütter ohne zusätzliche Erwerbstätigkeit) wertschätzt. Das ist unser Job jetzt, gerade in der Pandemie auch mit vielen Überstunden.
    Du machst das toll und es ist schön, dass du dich so gut für deine Familie einsetzt!

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