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...und was es sonst noch gibt Mama Error

Mama, du siehst aus wie ein Horrorclown!

Ausgefallene Wackelzähne an Beautyprodukten. Symbolbild.

Besonders prägend sind wohl die Ambivalenzen zweier Personen in diesem Haus derzeit. 

Ein Kind ist fest im verwirrenden Alltag der Pubertät angekommen und ich selbst durchlebe ähnliches. Nur rückwärts. Perimenopause. Während die eine noch in einen festen Rhythmus finden muss und hier und da arg geschüttelt wird von Lachanfällen, Heulattacken und Wutausbrüchen und Weiblichkeit ganz neu für sich entdeckt und gleichzeitig aber auch noch ein Mädchen ist, das selbst überrumpelt davon wird, wie „alt“ sie optisch schon wirkt,  bemerkt die andere, in dem nun lästigerweise seit 35 Jahren nach wie vor furchtbar stabilen Zyklus, erste Auffälligkeiten. Und auch wie alt sie mittlerweile wirkt! 😀 🙈😱😭 Meine Launen haben sich geändert und tauchen zweimal, statt einmal im Zyklus auf. Der Mann behauptet was anderes… ach, ich weiß es doch auch nicht. Das lästige Übel einmal im Monat wird auch immer lästiger, kann aber nicht gezähmt werden (mehrfach auf verschiedene Weise schon versucht) und ich würde mich freuen, wenn diese mittlerweile entwürdigende Kackscheiße einfach weg bleibt. Nachts liege ich phasenweise wach herum und finde keinen Schlaf und immer gegen Zyklusende bekomme ich Kopfschmerzen. Zum anderen treten auch Hautunreinheiten auf. Etwas, was sich dann auch schon länger anbahnt sind trockene Augen, die jüngst anzeigen, dass sie ab sofort ausgiebige Pflege wünschen. Ich hab’s ja nicht so mit stundenlangem im Bad Rumgesalbe und so. Mir reichte es bisher, dass ich mir eine Zahnpflege mit Zahnseide und Spülung angewöhnen musste. Aber die Augenärztin riet mir, nachdem sie ein sogenanntes Hagelkorn mit einer Nadel aufgestochen hatte 😖,  eine tägliche Pflegeroutine am Lidrand einzuführen, weil die Dings…sach mal schnell, ich komm nicht drauf…(Wortfindungsstörungen gehören auch zu einer Erscheinung) sowieso-Drüsen nicht mehr astrein arbeiten. Das kommt ab 40 und mit einsetzenden Wechseljahren gern einmal. So. Jetzt renn ich mit tendenziell müde aussehenden, leicht geröteten Augen rum. Toll.

Während das pubertierende Kind langsam erblüht, schaue ich dieser Tage in den Spiegel und sehe mich welken. Und so denken Tochter und Mutter über Kosmetik nach. Die Tochter bisher über Nagellackfarben, duftende Haarpflege und über epilierte Beine. Ich hingegen ertappte mich neulich dabei, wie ich mir die Haut rum ums Kinn leicht nach hinten straffte und einen nicht unerheblichen Unterschied ausmachte. (Sowas macht man beim Fernsehen mit Tape und Make-up.)

Und als ich dann, ungünstiger Weise mit PMS, shoppen war und mit einer Jeans in einer Umkleide stand, bekam ich eine totale Krise. Leute, echt. Die Jeans ging nicht zu und weiche Haut quoll über dem Bund hervor, wie über den Schüsselrand tretender Hefeteig. Und dann sah ich mich da so voll im Spiegel und wollte am liebsten im Strahl kotzen. Meine Kiste und Oberschenkel waren schon immer der üppigste Part an mir. Sie waren aber ganz gut in Form. Aber jetzt sie sind einfach nicht mehr in Form. Sie verwandeln sich in eine amorphe Masse, von weicher Haut ummantelt. Mein Bauch sieht an guten Tagen tadellos aus (wenn ich keine enge Hose anziehe), aber die guten Tage sind selten und beim Bücken zeigt sich die Schwerkraft und zerrt eine Art luftleeren, faltigen Ballon nach unten. Oder ich bin aufgebläht und sehe aus, wie im 4. Monate schwanger. Natürlich, ich bin 46 und habe 4 Kinder geboren, in den letzten 13 Jahren deutlich weniger Sport gemacht, als jemals und dann darf das so aussehen und es könnte auch schlimmer sein, ABER: Was zum Teufel sind das für schäbige Adern und Äderchen, die rot und blau-lila durch die weiße Haut an den Beinen schimmern? Und wieso legt sich die Haut über meinen Knien in Fältchen??? Jaja, bodypositivity und so. Am Arsch. Ich finde es nicht schön. Bei anderen stört es mich nicht, aber bei mir!

Während das Teenagegirl jedes Härchen an ihrem perfekten Körper kritisch beäugt, wünschte ich, das wäre mein einziges Problem. Und da meine Augen nun etwas empfindlicher geworden sind, auch gegen Sonnenlicht, trage ich zum ersten Mal in meinem Leben freiwillig und ganz gerne Sonnenbrillen! Und da meine Augen vor allem ab Zyklusmitte empfindlich werden, dachte ich, ich verzichte auf Augenmake-up und verlagere die Farbe auf die Lippen. An Lippenstift störte mich bisher immer, dass er so schnell abgeht und ständig nachgemalt werden muss. Ich habe mir also eine kräftige Farbe gekauft, die anpreist sehr lange zu halten, was ich dann soeben mal ausprobieren wollte. Mir gefällt die Farbe, es ist natürlich total ungewohnt, aber gut. Da kam das Teenagegirl schaute mich an und sagte in vernichtendem Ton: „Mama, wie siehst du denn aus? Was soll das sein?“ Ich erkläre ihr meine Gründe. Sagt sie: „Mama, du siehst aus, wie ein Horrorclown!“                          Danke reicht. Ich geh jetzt weinen. 

Tatsächlich bin ich erleichtert, dass mittlerweile doch einige Gynäkologe:innen über die Wechseljahre aufklären und es auch zunehmend Informationen im Netz dazu gibt. Ich bin auch stets erfreut und erleichtert, wenn ich Erfahrungsberichte lesen kann. 

Darüber hinaus habe ich natürlich auch schon die einschlägigen Werke „Woman on fire“, „Die gereizte Frau“ und „Die Weisheit der Wechseljahre“ gelesen und kann sie nur jedem empfehlen. Vor allem ersteres. Wenn man dann noch ein bisschen Lachen möchte, dann empfehle ich die Serie „Klimawechsel“ von Doris Dörrie. Diese sah ich damals, noch weit entfernt von diesem Zustand an und lachte mich schlapp, sehe mich jetzt aber ebenso verzweifelt nach meiner Lesebrille kramen, um die Speisekarte im Restaurant lesen zu können, wie die Protagonist:innen in der Serie. 

Falls Frauen in diesem Lebensabschnitt mitlesen, erzählt doch mal in den Kommentaren, wie es euch so geht. Lasst uns doch einfach mal offen austauschen und auch über uns selbst lachen. 

3 Antworten auf „Mama, du siehst aus wie ein Horrorclown!“

Danke für diesen Bericht. Ich finde auch, dass es gut tut, sich dazu auszutauschen und die Perimenopause zu verschweigen. Mir ergeht es sehr ähnlich. Zusätzliche habe ich noch zugenommen, obwohl ich nicht viel esse. Die Launen des 14 jährigen sind ebenfalls nicht gut auszuhalten, wenn ich selbst mit meinen zu kämpfen habe. Allerdings nehme ich eine Pille, die dafür sorgt, dass ich keinen Zyklus mehr habe. Dieser war sehr unregelmäßig und massiv. Hatte ich jahrelang darunter nicht gelitten, war es jetzt kaum auszuhalten. Ich gebe aber zu, ich vermisse meinen regelmäßigen Zyklus sehr. Ich bin 45 Jahre alt und habe drei Kinder. Das sind jüngste ist gerade sechs Jahre alt geworden.

Ein toller Text, der mich sehr abholt. Älter werden ist tatsächlich nix für Feiglinge – die Beschwerden, die du schilderst, kommen mir mit 50 sehr bekannt vor. Leider. Besonders anstrengend finde ich die Schlafprobleme und die trockenen Augen. Im Rückblick bin ich mir sicher, dass diverse Beschwerden, die ich in den latzten Jahren hatte und z.T. noch habe, auch durch die Wechseljahre verursacht werden. Skandalös finde ich dabei, dass nicht alle Ärzte bei unklaren Beschwerden auch die Wechseljahre in Betracht ziehen. Ich war mit Augenentzündung fast ein Jahr lang beim Augenarzt bis ich durch Zufall drauf gestoßen bin, dass die Ursache hormonell bedingte Augentrockenheit ist. Da muss sich unbedingt was tun. Gut, dass man in den sozialen Medien zunehmend Informationen findet. „Woman on fire“ war auch erhellend. Und das Thema braucht unbedingt mehr Offenheit, weshalb ich mich auch selbst über Austausch mit anderen freue. Mein Plan ist vorerst, mit gesunder Lebensweise, mehr Sport (was mir schwerfällt) und Augentropfen zurechtzukommen (und die Estriolcreme werde ich auch mal Off-Label probieren). Sollte das nicht funktionieren, würde ich auch bioidentische Hormone probieren, wenn es die Lebensqualität verbessert. Tatsächlich ist die Kombi mit Teenie im Haushalt spannend – man steht quasi im selben Bahnhof; ein Zug kommt an und der andere fährt erst los. Mit Kleinkind stelle ich mir das Ganze sehr herausfordernd vor mit Blick auf Schlafmangel und Stimmungsschwankungen. Da wünsche ich dir gute Nerven.

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