Spielplatz-Philosophie

So mancher ältere Beitrag wird manchmal wieder ganz aktuell, wenn man auf einem anderen Blog einen spannenden Beitrag über ein bestimmtes Thema liest. Und wenn der andere auch noch zur Blogparade ruft, dann kramt man gute Schätzchen mal wieder hervor. Diesmal läuft eine Parade über: Die erzwungene Langeweile-Erfahrene Spielplatzmama sucht Abwechslung bei mama-notes. (Übrigens sehr zu empfehlen der Blog!!!) Ich selbst bin an der erzwungene Langeweile auf dem Spielplatz noch gerade so vorbei gekommen. Ich habe sie jetzt eher in anderen Situationen.https://beatrice-confuss.de/2016/01/30/immer-diese-faulen-muetter/ 😑

 

Am Sonntag waren wir auf Wunsch eines einzelnen Herrn nochmal auf unserem alten großen Spielplatz. Dieser Spielplatz liegt umgeben von riesigen Wiesen und uralten dicken Bäumen in einem wunderbaren Park. Im Sommer sitzt es sich dort herrlich im Schatten. Der Spielplatz ist großzügig und schön angelegt. Es gibt Klettermöglichkeiten für Kleinkinder bis hin zu großen Grundschulkindern. Die Klettermöglichkeiten sind so perfekt gewählt, dass man praktisch keine Hilfestellung geben muss. Ein mutiges Krabbelkind kann z. B. alleine die Rutsche erklimmen. Der Spielplatz ist umzäunt. Also er hat alles was eine Mutter sich wünscht.
Dieser Park und seine Spielplätze (der Große und ein Babyspielplatz in der unmittelbaren Nähe) waren unsere zweiten Wohnzimmer für 3 Jahre. Sobald es das Wetter es zuließ, waren wir dort unterwegs. Er lag 5 Gehminuten von unsere alten Wohnung entfernt.
Auf einem der Spielplätze saß ich jeden Tag. Im Sommer 2 bis 3 Stunden. Ich hatte einen Trupp Mamas, die ich dort immer wieder traf. Wir freundeten uns zum Teil an. Manchmal saßen wir zu 3 bis 5 Müttern beisammen, verfütterten Kekse an unsere Kinder und plauderten. Man brauchte sich garnicht verabreden. Irgendwer war immer da.
Allerdings zogen immer mehr junge Familien in die Gegend und es sprach sich herum, dass der Park traumhaft schön ist und vor allem der große Spielplatz auch toll. Unser letzter Sommer in diesem Park wurde schon anstrengend. Ich war mit 2 Toddlern und einem Säugling unterwegs und da half auch der Zaun nicht mehr. Ich rannte nur noch hin und her. Zudem quoll der Spielplatz bei schönem Wetter plötzlich über. Es wurde unübersichtlich und stressig.
Einerseits bedaure ich, dass wir diesen herrlichen Park und diesen wunderbaren Spielplatz nicht mehr in unmittelbarere Nähe haben. Auch ist es schade, dass ich einige meiner damaligen Weggefährtinnen nicht mehr sehe. Anderseits wurde mir am Sonntag eines bewusst.
Ich kann den Park mit dem Fahrrad in einer halben Stunde immer noch erreichen.
Der Spielplatz wurde mir ohnehin zu voll im Laufe der Zeit und damit zu stressig mit 3 Kindern. (Der Sommer 2015 muss schon Klaustrophobie bei einigen Spielplatzbesuchern ausgelöst haben)
Und meine Mütter-Kombo von vor über einem Jahr, die existiert so ohnehin nicht mehr wirklich. Eine treue und auch meine allerliebste Parkgefährtin ist in die Eifel gezogen. Eine andere Mama, deren Namen ich nicht mal kannte, kam plötzlich nicht mehr. Und überhaupt ziehen alle mit mehr als einem Kind raus aus der Stadt, weil sich kein bezahlbarer Wohnraum in komfortabler Größe in der Stadt finden lässt.
Also was kann man daraus lernen? Nix bliev wie et wor. Auf Hochdeutsch: Nichts bleibt, wie es war. Und man soll gehen wenn´s am schönsten ist. Seien wir ehrlich, so traurig ich einerseits war Abschied zu nehmen, was wäre denn jetzt übrig? Ich würde immer noch durch den Park streunen und kaum einen mehr kennen und genervt sein, weil es plötzlich so voll ist. Da hab ich doch lieber die Erinnerung an die 3 wunderbaren und aufregenden Anfangsjahre als Mama in dem schönen Park. Und wenn es uns packt, dann radeln wir einfach hin, schlecken auf dem Rückweg noch ein Eis bei der alten Lieblingseisdiele und sagen selig so Sachen wie: „Weißt du noch….früher?“ 😀

Was sagt mir das jetzt generell? Es sagt mir, wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, dass ich so manches Mal im Leben an alten Zeiten hing und dachte, wie schön das doch war. Und manchmal glaubte ich darüber unzufrieden sein zu müssen, dass es plötzlich anders war. Tatsache ist aber: es wäre ohnehin nicht immer so geblieben. Und ich habe aber eine super schöne Erinnerung an die Zeit. Das sollte reichen und mich sehr zufrieden machen. Und statt dem Vergangenen unzufriedenen nachzutrauern, sollte man sehen was aktuell vor einem liegt. Die neue Situation annehmen und realisieren: auch diese wird sich irgendwann verändern. Und dann vermisst man wieder einmal das Jetzt von gestern im neuen Heute. Zurückblicken ist gut. Aber im Jetzt sein und dieses annehmen, das schöne Neue sehen, das ist besser! Auch wenn das Neue erstmal unbequem scheint. Es ist nur ungewohnt. Das ist alles.

Mein Fazit für mich: Als Mutter verzichtet man auf Vieles. Aber man bekommt ja auch was ganz tolles Neues. Die Kinder! Sie sind zwar mega anstrengend. Manchmal ist man genervt, weil man nicht mal eben auf die eine oder andere Party hüpfen kann. Ständig verzichtet man ja. Ich war auch schon mal deprimiert. Zum Beispiel an Karneval. Das ist eigentlich am schlimmsten. Karneval nicht losziehen zu können nach Herzenslust.
Dennoch lernt man durch den Verzicht die Gelegenheiten viel mehr zu schätzen und zu genießen. Einmal ausschlafen: Göttlich! Einmal auf einer tollen Party-sein: Ein Fest im doppelten Sinne.
Ich habe nichts verloren, sondern etwas gewonnen durch die Mutterschaft. Irgendwann ist auch diese Zeit eine wunderbare Erinnerung. Und man sollte Kraft und Freude aus den schönen Erinnerungen ziehen und ihnen nicht nachtrauern.

  7Comments

  1. Avatar Doris   •  

    Ach,diesen Artikel finde ich natürlich besonders schön…es erinnert mich auch an schöne alte Zeiten 😉…aber du hast ja so recht…das hier und jetzt genießen und zufrieden im heute leben…und sich über die Dinge freuen,die einem die Kinder mitgeben…klar man verzichtet auf viel,aber man gewinnt soviel neues mit unfassbarem Wert.

    • Avatar Beatrice   •  

      🙂

  2. Avatar Ute   •  

    Liebe Beatrice,
    hab soeben die Erlebnisse ab dem 12.01. bis 17.01.2016 mit viel Schmunzeln gelesen. Ich konnte gar nicht mehr aufhören und hab mich köstlich amüsiert, wie man die Tagesereignisse mit 3 jedes auf ihre Art lebendigen Kindern auch noch mit Zeichnungen versehen zu Papier bringt oder neu modisch ins Netz stellt.
    Ja, eine Mama kann viel verkraften und muss es auch. Meine große Bewunderung.
    Werde jetzt nach und nach alles lesen, was ich auf Deiner Seite finde.
    Ist viel interessanter als in die Glotze zu schauen und die Schauernachrichten zu sehen und zu hören.
    Deine Erlebnisse mit den Kindern sind für mich als Oma, die auch zwei Enkel mit Heranwachsen erleben darf, eine tolle Lektüre.
    Ich hoffe, dass das Schreiben für Dich ein Ausgleich ist und Ich bin mir sicher, dass Dir der Stoff so schnell nicht ausgeht. Nur frage ich mich: Wie macht und schafft die das all mit den drei Rackern?

    • Avatar Beatrice   •  

      Liebe Ute,
      vielen Dank für deine netten Worte! Ich freue mich, dass auch Großeltern Spaß am Lesen hier haben. 🙂
      Das Schreiben und Malen ist ein guter Ausgleich für mich. Und tatsächlich finde ich es abends meistens auch schöner so etwas zu machen, als vor dem Fernseher zu sitzen und mir die Fingernägel abzukauen.
      Ansonsten schafft man das, wenn die Wäsche mal einen Tag länger auf der Leine bleibt. Und der Herr Papa kocht abends sehr gerne. Da bleibt oft für Mittags was übrig. Das schafft mir auch „Freizeit“. Hauptsache ich bin ausgeglichen.:-D
      LG

  3. Pingback: Erzwungene Langeweile - Erfahrene Spielplatzmama sucht Abwechslung

  4. Avatar Anna   •  

    Ich wollte ja schon so lange kommentieren, kam aber irgendwie nicht dazu. Du hast das so treffend und schön formuliert: Das Vergangene wäre niemals so geblieben, alles unterzieht sich einem Wandel. Man soll gehen, wenn es am schönsten ist, dann ist die Wehmut nicht so groß. Ich hatte oft die gleichen Gefühle, dachte über schöne Momente und Freundschaften nach, die nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form exisitieren. Ich kenne beide Perspektiven, sowohl als diejenige, die ging als auch als diejenige die blieb, beides ist irgendwie traurig. Aber es ergeben sich dann wieder neue Ereignisse und Freundschaften und das ist auch gut so. Wir selbst wandeln uns ja auch und dann passen eben manche Lebenssituationen nicht mehr zu uns. Jedes neue macht erstmal Angst, weil man sich daran gewöhnen muss und dann vielleicht aber auch erkennt, dass es doch ganz toll ist und gut so wie es ist :-). Ich empfinde es auch so wie du, die Mutterschaft ist ganz wunderbar. Alles was davor war, war ja auch wichtig, denn es formte mich ja zu der Person, die ich heute bin. Also war alles gut so. Auch ich empfinde vieles nicht als Verzicht. Wir sollten wirklich aus dem Schönen schöpfen und nicht der Vergangenheit hinterhertrauern. Alles Liebe und danke für deine schöne Erzählung und die daraus gewonnenen Erkenntnisse 🙂

    • Avatar Beatrice   •  

      ICH danke dir für deinen schönen Kommentar! Und ich danke dir und auch allen anderen für´s Lesen. Selbst wenn es ein kreatives Ventil der Alltagsbewältigung und irgendwie auch ein Tagebuch für mich ist, so ist es doch auch schön zu wissen, dass andere mitlesen und sich freuen, wiederfinden oder selbst erinnern an ähnliche Situationen. 🙂

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