Ich bin nicht perfekt! Ich bin laut.

Also das Leben mit Kindern ist ein ständiges Auf und Ab der Emotionen. Das muss ich anderen Eltern ja nicht erklären. Und ich selbst bin in diesem Business auch schon lange genug unterwegs um zu wissen, dass alles Phasen sind und dass alles auch wichtig für die Entwicklung ist und dass vor allem ICH die hauptsächlichen Eskapaden der Kinderlaunen abbekomme, weil sie sich bei mir sicher fühlen. Ich nehme  alles nicht persönlich. Und dennoch geht mir oft genug die Hutschnur flöten, wenn gewisse Phasen anhalten. Und zwar nicht nur bei EINEM Kind, sondern bei mindestens zwei Kindern.

Das Knöpfchen rasselt von einem „Theata“ zum anderen. Aktuell lässt sie sich erfreulich friedlich am Kindergarten abholen, dafür trumpft sie später am Tag, meist am späten Nachmittag, mit „erbaulichen“ Ausfällen auf. Sie möchte dann Turnhallen oder Häuser kaputt machen und warf zu letzt zwei Klopapierrollen (neue) ins Klo. Kind, ich weiß, du bist „saua“. Aber DAS geht trotzdem leider gar nicht! Und das schimpfe ich auch laut und deutlich als Gardinenpredigt heraus, während ich dezent angewidert die nassen Klopapierrollen aus der Kloschüssel fische und tropfend in eine Mülltüte befördere. Dann bin ICH nämlich auch saua!

Der Sohn ist weiter sehr diskutier freudig. Und sehr stoisch, wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat. So überhört er jede noch so freundlich erklärte Bitte, wie z.B. morgens unmittelbar nach dem Weckerklingeln noch nicht zu viele Fragen zu stellen und am besten erst mit mir zu sprechen, wenn ich aus dem Bad raus komme. Er weiß das. Wir kennen uns jetzt 7 Jahre lang. Er versteht meine Sprache und kann die Bitte auf Nachfragen auch wiederholen. Aber er hält sich nicht dran. Und somit muss ich mir allmorgendlich anhören, was irgendwelche fiktiven Gestalten in einer Geschichte erlebt haben oder wie ein ICE auf der Schiene richtig steht und soll Fragen über komplizierte weltliche Geschicke beantworten. Ich KANN das morgens vor dem ersten Kaffe nicht. Abgesehen von meinen Wortfindungsstörungen in diesem Stadium, konzentriere ich mich auf die Dinge, an die ich denken muss. Und wenn dann eine Quasselstrippe neben mir steht und das nicht ernst nimmt und auch die 5. Wiederholung einfach ignoriert, dann brülle ich: „SOHN, HAST DU VERSTANDEN, WAS ICH GESAGT HABE?“ Komischer weise geht es dann.

Ich frage mich immer, was die Nachbarn denken. Die hören mich logischerweise immer nur laut.
Die hören nicht die mehrfach normal gesprochenen Dinge. Obwohl ich diese Dinge vorbildlich klar und deutlich und auf Augenhöhe und mit Blickkontakt vorgetragen habe.
Das Nächste was die Nachbarn morgens hören ist den Namen vom Sohn und: „ZIEH DICH AAAAAAAN!“
Erst heute morgen war er sozusagen fast fertig. Es fehlten nur noch die Socken. Gegen mein morgendliches Lebensgefühl nicht reden zu wollen hinweg, erklärte ich, dass ich schon runter ginge, um sein Frühstück zu machen. Was er denn essen wolle. Und er solle flott nach kommen, denn die Zeit….(Boah, so viele gesprochene Worte am Morgen….)

Nach 10 Minuten rief ich nach dem Sohn. Er kam die Treppe herunter gebummelt. Nicht etwa mit Socken an den Füßen! Nein! Die hatte er in der Hand!
„Zieh die Socken an und iss mal schnell dein Frühtsück. Gleich klingelt schon dein Freund.“ (Er geht jetzt immer mit einem Jungen aus der Nachbarschaft zusammen zur Schule.)
Der Sohn kramte aber irgendwas anderes und zog nicht die Socken an. Und aß auch nicht.
Ich wiederholte den Hinweis. Ich wiederholte ihn nochmal und dann wieder LAUUUUUUUT!
Dann ging es. Unbeindruckt und zufrieden versunken zog er die Socken an und begann zu essen. „Da ist aber wenig Müsli drin!“
„Iss erst mal, es ist noch mehr da!“

„Iss!“
und kurz darauf
„Zieh schon mal deine Schuhe an. Es wird Zeit.“

„Ich esse noch.“

Ding Dong

Der Freund stand vor der Tür. Der Sohn sprang auf, die halbe Müslischüssel noch voll.

„Tschüss, Mamiii! Bis später!“ (Mit einer Kusshand verabschiedete er sich. Ach, mein kleiner Mann!)

seufz

Ganz irre macht es mich auch, wenn der Sohn zum Beispiel etwas Bestimmtes möchte und wir eine Absprache darüber treffen. Wir sind beide und auch die Geschwister mit der Absprache zufrieden und dem Wunsch wird statt gegeben. Seit der Sohn  in der Schule ist, verhandelt er aber grundsätzlich nach. Also versucht es. Nehmen wir an, eine Kindersendung ist zu ende und die Absprache lautet, Danach ist Schluss. Das gilt für den Sohn dann plötzlich nicht mehr. Die Mädchen sind nach wie vor einverstanden, dass das dann so gemacht wird. Aber der Sohn kaut mir die Ohren ab. Wir besprechen das dann. Ich begründe meine Entscheidung und verweise auf die gemeinsame Absprache. Ich gebe mir echt Mühe. Mit jedem Nachsetzen werde ich genervter, bis ich schließlich brülle: „NEIIIIIIIN! Der FERNSEHER bleibt jetzt auuus!“ Und wenn er dann nochmal nachsetzt und die Fernbedienung greift, brülle ich seinen Namen und nehme die Fernbedienung an mich.

Um ehrlich zu sein weiß ich es gerade nicht besser. Ich bin keine Mama, die 100mal ruhig und geduldig das Gleiche wiederholt. Ich möchte maximal dreimal das Gleiche wiederholen müssen und dann ist aber auch gut. Er ist ja kein Kleinkind mehr, dass noch nicht alles versteht. Wortloses Handeln hilft auch nicht. Er redet so lange auf mich ein, bis ich was sage.

Ich vermute, dass sich, wie einst nach dem Kindergarten, auch eine Art Anspannung entlädt. Die Schule macht dem Sohn Spaß, er hält sich auch gerne an die dortigen Regeln und dennoch strengt es ihn auch an. Vielleicht würde er dort auch gerne die ein oder andere Sache anders machen und diskutieren, aber tut es nicht. Weil, das ist ja die Schule. Und zu Hause kompensiert er das dann.
Das könnte so sein. Oder aber er lernt gerade wieder etwas darüber, wie Mama funktioniert.

Und so befinde ich mich in einer Phase, in der mir immer so Phrasen meiner Mama in den Kopf kommen. Meine Mama war nicht laut. Aber sie sagte ganz angestrengt so Sachen wie: „Ach, macht doch was ihr wollt!“ oder: „Meine Nerven!“ und verließ dann den Raum. Meine Schwester und ich waren wohl auch nicht immer ganz einfach, blieben aber in dem Raum. Meine Kinder kommen mir ja IMMER hinterher.

 

Neulich war ich nicht laut. Ich habe mich stattdessen versteckt. Abends, als das Theater im Bad wieder so wild wurde. Ich habe meine Mama zitiert und bin schnell gegangen. Und bevor die Drei mir hinterher kamen, hab ich mich im Kleiderschrank versteckt. Echt jetzt.

Die Drei suchten mich dann im ganzen Haus. (Der Mann war unten. Es bestand also nicht die Gefahr, dass sie sich alleine zurück gelassen fühlten.) Ich hörte, wie das Knöpfchen sagte: „Vielleicht ist sie in die Welt hinaus gegangen?“ Der Sohn meinte dann: „Ich habe nicht gehört, wie sie die Treppe runter gegangen ist. Das knarzt sonst immer. Mama ist noch hier oben.“ Leise kichernd harrte ich aus. Dann rief das Sirenchen: „Maaamaaaa, komm wieder! Wir haben dich doch liiiiiiieb!“❤

Dann bin ich natürlich aus meinem Versteck gesprungen und habe die Kinder ins Bett gebracht. Ich muss jetzt noch lachen. Auch laut! 😀

 

  14Comments

  1. Nina   •  

    Herrlich! Oh man hier ist es morgens auch HARDCORE!!! Drei Plappermäuler die gleichzeitig auf einen einreden und mindestens zwei Heul und Kreischattacken der Kinder…Heute morgen war bei uns Schicht im Schacht als ich meiner Tochter sagte, dass sie schon mal ihre Socken anziehen solle… „MAMAAAA IMMER sagst du das Gleiche!!! Ich will das nicht mehr hören!!!“ BOAHHHH!!! Es wurde geschrien und getobt bis auch ich geplatzt bin…richtig geplatzt! Daher kam wohl heute morgen auch der schräge Blick des Nachbarn…Das ist morgens mit drei Kids als würden drei ICEs gleichzeitig durch den Kopf rauschen!!!

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Den Spruch: „Mama, du sagst immer das Gleiche!“ hab ich auch schon gehört. Komisch nur, dass sie nicht begreifen, WARUM man immer das Gleiche sagt. Ich habe schon überlegt ne Platte aufzunehmen, die ich jeden Morgen abspule, damit ich es nicht selbst immer wiederholen muss. 😀

  2. Anke   •  

    Hahaha, das kenne ich auch! Morgens die Trödelei ist furchtbar, dauernd kommt meine Große zu spät zur Schule. Früher aufstehen hiilft aber auch nicht, dann wird halt länger getrödelt. Es ist zum Haare ausraufen! Im Moment machen wir es so, dass immer ein Spielzeug aus dem Zimmer genommen wird, wenn sie zu spät kommt. Aber ads kann ja keine Dauerlösung sein, sondern ist aus Verzweiflung geboren.
    Unter uns wohnt meine Schwägerin (Schwester meines Mannes) und die sagt auch öfters zu meinen Kindern, dass sie sie schreien hört. Dass sie uns schreien hört, sagt sie nicht, aber wenn sie die Kinder hören kann, kann sie uns ja auch hören…
    Und falls es Dich tröstet: meine Kinder bleiben auch nciht im Zimmer, wenn ich die Nase voll habe und raus stürme, sondern rennen mir schreiend hinterher. Wenn mein Mann da ist, schließe ich mich dann manchmal im Schlafzimmer ein, um wieder zur Ruhe zu kommen. Ich freue mich so darauf, wenn diese Phase vorbei ist! Ich hoffe, die richtige Pubertät wird nicht noch schlimmer als die Milchzahnpubertät. 😉
    Liebe Grüße und ganz viel Geduld 😉

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Hach, ich wünsche dir ebenso viel Geduld! 😀 Früher Aufstehen bringt hier auch nix. Ist genau, wie du es beschreibst. Dann wird eben länger getrödelt. 😀 Schön, dass es woanders auch so ist. Das tröstet. 🙂

  3. Mailin   •  

    Oh ja, same here! Und dann sagt das große Kind (6) irgendwann Abends nach einem dieser doofen Schrei-Tage zu mir: „Mami, ich will echt keine Kinder. Die machen so viel Arbeit und man muss ständig brüllen!“ Dann schäme ich mich ziemlich und gelobe Besserung – aber manche Tage sind einfach Mist und Mütter sind auch nur Menschen. Es gibt so viele (oft unerwartete!) schöne Momente mit den Kids und überhaupt sind sie ja sowieso das Beste was überhaupt passieren konnte: in Summe macht die SchreiereiMotzereiSchimpferei dann nur einen kleinen, zu vernachlässigenden Teil vom grundsätzlich großen Glück aus!

  4. Anna   •  

    Ich verfolge deinen Blog schon einige Zeit und freue mich immer über neue Beiträge. Deine Beschreibungen sind so herrlich ehrlich! Und das mit dem Kleiderschrank werde ich mir merken. Leider eignet meiner sich nicht so gut zum Verstecken …

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Oh, vielen Dank! ❤️
      Und unterm Bett kann man sich auch gut verstecken. Oder sonst überall, wo die Kinder einen nicht sofort vermuten. 😀

  5. Katrin   •  

    Mich beruhigt Dein Post ehrlich gesagt sehr.
    mein 7-jähriger Sohn kaut mir morgens echt das Ohr ab mit irgendwelchem zeug. Ich ertrage das kaum und habe deswegen ein furchtbar schlechtes Gewissen, weil ich ihm das auch manchmal deutlichst mitteile. ich bitte mehrmals höflich, mir morgens ein paar Minuten in Ruhe zu geben, da es sonst zu Streit kommen wird und ich das auch nicht möchte. dann kommt „Ja, Mama… (2 Sekunden) … blablupp, Propeller, Schienen, riesiger Krater, Schranke“. es ist zum aus der Haut fahren, dieses Ignoriert werden und auf der anderen Seite alles zu Brei diskutieren…

    ich bin ja froh, ein schlaues Kind zu haben, aber manchmal will ich nicht immer das Ventil sein 😉

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Und mich beruhigt, dass es anderen auch so geht. Es ist echt schwierig, weil man hat se ja unheimlich lieb. Aber hier und da mal in Ruhe wach werden und den tag sortiert und friedlich starten, wäre schon schön! 😀

  6. Jessica   •  

    Herrlich 🙈E
    Tut gut zu lesen dass es anderen auch so geht….und die Sache mit dem Schrank hatten wir auch schon so ähnlich😊

  7. Jessica   •  

    Die Ruhe am Frühstckstisch mit nur mir, dem Frühstück und der Zeitung ist es mir wert um Viertel nach fünf den Wecker zu hören. Wenn ich dann fertig bin mit allem wecke ich die Kinder und der Tag kann kommen … klingt zwar schräg … aber so kommen wir deutlich besser klar. Am Wochenende und im Urlaub wird gemeinsam gefrühstückt. Aber in der Woche gehört der Morgen mir …

    Was nicht heißt das im Laufe des restlichen Tages die Lautstärke noch mächtig ansteigt! 😂

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Ich beneide es, wenn man morgens so früh aufstehen kann. Alles vor 7 Uhr ist für mich schwer und dann bauche ich 30 Minuten Vorlauf zum Wachwerden, sonst zwingt mich mein Kreislauf in die Knie. Mal davon abgesehen….meine Mittlere hat einen Radar. Die wenigen Male, die ich früher wach war und einfach leise aufgestanden bin, kam sie mir hinterher. 😀

  8. Katinka   •  

    Haha, es tut wirklich gut das zu lesen und sich nicht als einzige brüllende „Rabenmutter“ zu fühlen..! Meine Hutschnur könnte auch etwas reißfester sein! Im Kleiderschrank verstecken sollte ich mir merken. Bei uns ist oft die Hängematte der letzte Rückzugsort. Aber meine kommen mir auch immer hinterher , wenn ich mal ne Pause zum Luft holen brauche. Einmal bin ich tatsächlich einfach spazieren gegangen, der Papa war natürlich da!

    Aber ich muss sagen, die Ferien haben uns total geholfen zusammen zu finden. Ich werd zwar immer noch oft genervt laut, aber es ist schneller erledigt, wir werden nicht mehr so wütend und ich verstehe meinen großen besser.

    Ich bin auch ein Morgenmuffel, aber früher aufstehen schaffe ich einfach nicht 😅

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Ferien sind auf jeden Fall was Feines und sehr Wichtiges! Irgendwie kommt man sich nochmal anders wieder näher. 🙂

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