Die Sache mit der Zahnbürste

Es sind nun richtige Ferien für alle Familienmitglieder. Der rührselige und schöne KiTa Abschied vom Sirenchen liegt hinter uns. Seit 3 Tagen können wir einfach aufstehen wann wir wollen. Wunderbar. 

Neben wunderschönen Spielsituationen der Kinder, welche mein Herz erweichen, geht es dennoch auch immer wieder turbulent und laut bei uns zu. Die Streitereien unter den Geschwistern flammen immer wieder mal auf. Ebenso wie „Anfälle“ einzelner Protagonisten. Der jüngste Vorfall allumfassenden Lärmens (ich lärme ja „gern“ mit) liegt einen Tag zurück.

Wir hatten Besuch von einem fast erwachsenen Cousin. Das war sehr schön, denn der Cousin machte das ganz prima mit den kleinen Verwandten und somit verlief der gestrige Nachmittag erstmal sehr entspannt.

Die Kinder durften etwas später zu Bett gehen. Also genau zu dem Zeitpunkt, an dem sie „auffällig“ wurden. 😉

Im Bad gab es dann das übliche Gehampel. 

„Zieh dich schon mal um!“

„Macht mal weiter!“

„Hört auf zu zanken!“

„Hast DU jetzt schon die Zähne geputzt?“

„Wasch dir bitte das Gesicht und die Hände!“

„Beeil dich auf der Toilette.“

„Zähne putzen.“

…..

In Dauerschleife und in der Wiederholung auch lauter.

Der Cousin kam dazu und konnte Zeuge werden, wie das Knöpfchen einen Nervous Breakdown erlitt, weil ich die Zahnbürsten austauschte. Das war schon seit ein paar Tagen angekündigt, neue Zahnbürsten waren besorgt und nun war die Zeit, die wirklich ollen Zahnbürsten auszutauschen. 

Das Knöpfchen konnte es in ihrem müden Zustand nicht mehr verstehen. Der Zeitpunkt war nicht geschickt von mir gewählt, aber in so einem wirren abendlichen Gehampel (und ich geb’s zu, so gerne ich Wärme mag, die ungewohnte Hitze kocht mein Hirn zu Brei) gehen mir solche Dinge dann durch. Der Cousin zog die beiden großen Geschwister dann umsichtig aus der Situation heraus, was sehr angenehm war und das Knöpfchen randalierte. Sie schrie und kreischte und weinte und wollte sich durch nichts trösten lassen. Ja, die ohnmächtige Wut schlug bei ihr zu. Obgleich ich das komplett überblickte und verstand (und auch schon kenne), fiel es mir nicht leicht, die Ruhe zu bewahren. Ich verließ kurz das Bad, schon alleine um der Lautstärke des schrillen Kinderstimmchens zu entgehen. 

Es wurde leise. Ich sah im Bad nach. Das Knöpfchen saß auf dem Hocker und plapperte: „So schlecht sind die Zahnbürsten doch gar nicht. Die kann man gut benutzen.“ Sie hielt zwei Zahnbürsten in der Hand und ich glaubte kurz, sie spräche von den neuen Zahnbürsten.

Leider nein. Sie hatte die alten aus dem Müll heraus geklaubt und schickte sich an, sich damit die Zähne zu putzen.

Ich erklärte schnell, dass das nicht ginge, erntete ein erneut kreischendes Kleinkind und nahm die Bürsten, steckte sie in die Mülltüte zurück und brachte diese sofort nach draußen in die große Mülltonne. 

Gefolgt von einem laut kreischenden Knöpfchen: „Meine Zaaaahnbürstiiiiiiiiii! Meine Zahnbürstiiiiiiiii! Meine Zaaaaahnbürstiiiiiiiiii! Uaaaaaaaaah!“ 

Ich nahm sie auf den Arm, was sie halbwegs zuließ, aber sie jaulte und weinte immer weiter. „Meine Zahnbürstiiiiiiii!“ und dicke Krokodilstränen rannen ihr über das Gesicht. 

Ich weiß nicht wie es euch geht. Warum auch immer ich in einer solchen Situation stecke und bei aller Erfahrung……es schlaucht mich emotional. Weil ich es verbockt hatte. Weil ich ungeduldig war. Weil das Kind mir leid tut. Weil das Kind sich unnötig aufspult. Weil die Schlafenszeit damit noch weiter nach hinten rückte. Weil man einfach nichts machen kann, außer abzuwarten usw. Und dann dieser Lärm. Und die Hitze…

Ich verließ wieder das Bad, da ich mittlerweile vom Knöpfchen geknufft wurde und zu hören bekam: „Ich will gar nicht mehr hier wohnen!“

Es dauerte keine 5 Sekunden, da kam das Knöpfchen wie ausgewechselt hinter mir her, bat um eine frische Unterhose und dass ich ihr beim Zähneputzen helfen solle.

Als sie im Bett lag, klopfte sie versöhnlich neben sich auf die Matratze und lud mich zu sich zum Kuscheln ein. Sie schlang ihre kleinen Ärmchen um mich und drückte mir einen Schmatzer auf die Backe. „Ich hab dich lieb, meine liebe Mama!“ flüsterte sie mir ins Ohr. Ich gab ihr auch einen dicken Kuss und sagte: „Ich habe dich auch lieb! Und wir zwei können gut streiten, oder? Aber wir können uns noch besser wieder vertragen!“ Und sie nickte und drückte mich, wollte noch eine Geschichte vorgelesen haben und entließ mich fröhlich in den restlichen Abend.

 

Puh.

Es ist sehr schön, wie wir wieder zurück zur Harmonie finden. Und es rührt mich und macht mich froh.

Wirklich ein emotionales Übungsfeld für alle. Jeden Tag aufs neue.

  1 Comment

  1. Lina   •  

    Schön, dass ihr euch wieder gut vertragen könnt. Das ist sehr wichtig.
    Abends läuft es bei uns genauso ab. Ich fühle mit dir. Bin dann auch froh, dass wir noch vor dem schlafen uns wieder vertragen können. Das gibt mir so eine innere Ruhe.

    Liebe Grüße
    Lina

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