(K)eine schlechte Mutter

Ich las es schon oft und sage es mir selbst und anderen auch immer wieder: Kinder brauchen keine perfekten Bilderbuchmamas. Und schon gar keine, die gerne ihren Idealen nachrennen und am Ende deshalb nur gestresst sind.

Aber was nützt das Wissen, wenn man es manchmal nicht fühlt. Ich verrenne mich manchmal in der Idee, ich könne es doch mal perfekt machen. Oder wenigstens annähernd so, wie ich mir ein geordnetes Familienleben vorstelle.

Es war wieder einer dieser Samstage, die ich eigentlich seit einer ganzen Weile schon eher blöd finde. Samstage sind im Gegensatz zu früher irgendwie anstrengend. Hier und Hier gibt es Beispiele warum. In Kurzfassung: Ich habe gewisse Vorstellungen von dem Tag und nur seltenst funktioniert etwas davon.

Und so ging ich schon mit einer  Laune und wenig Ambitionen in den letzten Samstag hinein.

Ich stellte dann außerdem noch fest: Wir hatten zwar am Freitag einen großen Einkauf gemacht, aber trotzdem fehlte die Hälfte. Ach, was sag ich, fast alles für ein Wochenende nach Herzenslust fehlte. Das liegt nicht zu letzt daran, dass ich einige Vorräte aufgrund von Lebensmittelmottenbefall vernichtet hatte und gleichzeitig MIT den Kindern nicht konzentriert einkaufen kann. (Nein, auch nicht mit Einkaufszettel).

Und so blickte ich auf einen Rest Cornflakes, zwei Bananen, 3 sehr reife Kiwis, eine Tüte Milch, eine Tüte Saft und einen großen Becher Joghurt.

Davon wurden alle satt und ja nicht mal schlecht. War ja durchaus ausgewogen und kein schlechtes Frühstück. Damit waren die frischen Vitamine allerdings aufgebraucht und keiner wollte einkaufen gehen.

Als „gute“ Mutter hätte ich natürlich einen Einkauf machen müssen. Vor allem neues Brot, Obst und Gemüse. Letzteres für ein tolles Mittagessen. Ja, das hätte eine „gute“ Mutter natürlich auch schon Freitags im Blick gehabt.

Diese hier nun schreibende Mutter hatte aber keine Lust. Möp. So richtig nicht. So überhaupt nicht.  Mein Elan eine „gute“ Mutter zu sein ist in den letzten 6 Wochen Ferien und non stopp Kinderbetreuung und Bespaßung aufgebraucht. Ich täte gern mal wieder wenigstens zeitweise etwas ohne Kinder.

Die Kinder diskutierten dann noch, ob sie sich allein zum Bäcker trauen wollten, um wenigstens noch ein Brot zu kaufen. Aber daraus wurde nichts, weil der Sohn im letzten Moment einen Rückzieher machte und das Sirenchen ganz alleine nicht gehen wollte. Das Knöpfchen wollte hingegen gerne, aber dann hätte ICH wieder mit gehen müssen. Sie ist mir zu jung und etwas zu sprunghaft, um allein mit einem Geschwisterkind los zu ziehen.

Und weil der Samstag ein grauen Samstag war und ohnehin und überhaupt und sowieso keiner das Haus verlassen wollte, setzte ich die Kinder in die Badewanne und ich duschte ausgiebig. Ein Mama-Kinder-Wellness-Morgen. Das war ganz schön bis zu dem Augenblick, als die große Überschwemmung veranstaltet wurde.

Danach hatten alle Hunger und ich hatte die Wahl zwischen Reis oder Spaghetti. Beides ohne alles, weil nix mehr da war. Zu den Spaghetti konnte ich immerhin Knoblauch und Öl anbieten. 😀 Das mochten aber nur der Sohn und ich. Die Mädchen aßen ihre Spaghetti trocken.

Nach dem Mittagessen durften die Kinder aus Ermangelung an Ideen meinerseits fern sehen! Ja. Einfach so. Mitten am Tag. Das Kinderfernsehen der Öffentlich Rechtlichen. Ich kümmerte mich derweil halbherzig um die Wäsche, zappte mich durch die Instastorys einiger Bloggerkolleginnen und machte einen Kontrollgang im Kinderzimmer, befand es müsse dringend aufgeräumt werden ( gleich nach der Fernsehorgie) und setzte mich dann zu den Kindern. Die „Guck-Zeit“ war eigentlich schon überschritten, aber es hatte ein tatsächlich heiterer Film begonnen, den ich kurzer Hand mit ansah und mich köstlich amüsierte. Die Kinderfilme auf besagtem Kanal sind echt super!

Das mit dem Kinderzimmeraufräumen vertagte ich dann auch noch. Keine Lust das Anzuleiten und mit zu machen.

Die Kinder mussten, um einen erneuten Hunger zu stillen, noch die restlichen trockenen Spaghetti essen und ich dachte: Das ist der Untergang des Abendlandes und schob eine leicht depressive Verstimmung.

Da wir kein Brot, kein Müsli und nix mehr da hatten, beschloss ich zum Abendbrot unorthodox einen Kuchen zu servieren. Zu diesem Anlass kramte ich eine Backmischung aus dem Schrank und fand sogar noch Butter und Eier, um den Kuchen auch wirklich backen zu können. Ich kann einen gewissen Eigennutz nicht abstreiten.

Während ich den Kuchen anrührte kasteite ich mich selbst. Was bin ich nur für eine Mutter?! Kuchen zum Abendbrot! Eigentlich wollte ich die engagierte Mama sein, die einen aufgeräumten Haushalt hat, mit den Kindern bastelt und spielt und gesunde Malzeiten reicht. Viel weiter entfernt von diesem Ideal konnte ich an diesem Tag nicht sein. (Ist ohnehin nicht meine Stärke, das mit dem Haushalt.) Aufgeräumt war ja auch nix. Im Gegenteil. Ich sprach: „Ach, heute ist alles Murks! Ich bin heute eine schlechte Mutter! Das tut mir leid!“ 

Der Sohn aber antwortete prompt: „Du bist NIE eine schlechte Mutter!“

Ich muss nicht extra erwähnen, dass mir das das Herz erwärmte. Schönere Dinge kann ein Kind kaum sagen.

Und dann fiel mir auf, dass die Kinder an diesem Tag nur einmal kurz gestritten hatten und sonst friedlich waren. Der ganze Tag war also insgesamt entspannt. Wahrscheinlich weil ich zwar mit mir unzufrieden war, aber die Kinder nicht mit meinen Idealen behelligte. Und dann entspannte ich mich auch und servierte bald darauf Zitronenkuchen zum Abendbrot.

Und weil es so entspannt war, machten die Mädchen ganz unerwartet noch ein seeehr verspätetes Mittagsschläfchen (das Knöpfchen in ihrem Bett und das Sirenchen auf der Couch), dann aßen noch alle ein paar Würstchen, die der Mann nach der Arbeit mit gebracht hatte und gingen problemlos zu einer uns angenehmen Zeit schlafen.

 

  7Comments

  1. Nicole G   •  

    Ich kenne das nur zu gut. Gerade die Situation mit dem Essen. Ich vergesse auch immer die Hälfte beim Einkaufen und muss dann improvisieren. Mache Dich nicht verrückt. Wie Du schon schreibst, man muss nicht perfekt sein. Liebe Grüße, Nicole.

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Oh ich freu mich, dass ich nicht die einzige konfuse Einkäuferin bin. 😀 Wie beruhigend! 🙂

  2. Conny   •  

    Ich finde auch: Alles richtig gemacht! So muss es auch mal sein! Warum kommt das uns nur so selten in den Sinn? Und dein Sohn hat genau das richtige gesagt….Es ist eine Riesenaufgabe, diese Nonstop Kinderbetreuung, -versorgung, – bespaßung etc. in den Ferien! Schön geschrieben!
    LG Conny

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Vielen Dank! 🙂 Ja, das stimmt, man ist immer viel zu verbissen und kann dabei ohne Sorge mal Fünf gerade sein lassen. 🙂

  3. In Your Face   •  

    Mich beschleicht ab und an das Gefühl, dass genau diese Tage für Kinder die schönsten Tage sind …

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Das beschleicht dich richtig. 😀

  4. Kathrin   •  

    Ich habe seit langem mal wieder Tränen gelacht beim Lesen 😂 Jeden Satz kann ich zu fast 100% nachempfinden, da es bei mir solche Tage oft gibt (inkl. Selbstvorwürfen) und ich einfach nur froh bin, dass ich nicht der einzige Chaot bin auf dieser Welt 😃
    Danke für diese tollen Gedanken!

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