Rund um die Einschulung vom zweiten eigenwilligen Kind

Nun haben wir zwei Schulkinder.

Noch letzten Sommer war ich nicht sicher, ob das Sirenchen diesen Sommer bereit sein würde für die Schule.

Aber in dem letzten Jahr hat sich unheimlich viel getan in ihrer Entwicklung. Sie ist soweit. Und obwohl ich es wissen hätte können, staune ich immer wieder.

Das Sirenchen ist nun vor allem nochmal ein Stück selbstständiger, als sie es ohnehin schon immer war. Sie überrumpelt mich wieder mit ihrem Tempo.

Schwierig fand ich, dass sie mehrfach betonte, sie bliebe lieber im Kindergarten bei ihren Freundinnen, die alle noch nicht eingeschult werden.

 

Die Schultüte und der Kuchen

Die Schultüte hatte sie schon nach eigenen Vorstellungen und komplett alleine gebastelt. Ich „durfte“ freundlicherweise Handreichungen machen und hier und da assistieren. Zum Beispiel durfte ich die Sterne an die Tüte drücken, während der Kleber trocknete. 

Da sie diesen Part (eine Schultüte hätte ich sehr gerne für sie gebastelt) also schon selbst erledigt hatte, hätte ich sie gerne mit einem Kuchen zur Einschulung überrascht. Gemeinsam backen wollte ich schon mit ihr, weil sie das liebt (ich ja nicht so 😉), aber ich wollte heimlich abends den Kuchen dekorieren.

Daraus wurde aber auch nichts. Das Sirenchen riss sämtliche Backvorgänge an sich und ich musste sie sehr bestimmt daran hindern noch einen Brandunfall zu erleben. Unser Backofen ist hoch gebaut und sie hätte den Kuchen niemals in den heißen Ofen bekommen ohne meine Hilfe. Aber erklär das mal einem so eigensinnigen Kind.

Später wollte sie dann auch den Zuckerguss alleine anrühren, verteilen und verzieren. Was sie auch tat. Und zwar auf anrührende Weise total engagiert und zufrieden. Das sind die Momente, in denen ich sie beobachte und innerlich zerfließe vor Mamaliebe. Voller Stolz präsentierte sie ihr Werk. Und ich war ganz stolz auf dieses selbstständige wilde Mädchen.

 

Das Kind muss man erkennen

Oft denke ich, ich würde gerne FÜR sie etwas machen, aber sie lehnt ab.

Ich muss immer wieder davon Abstand nehmen Dinge zu tun von denen ich glaube, sie würden diesem Kind gefallen.

Dem Sirenchen gebe ich nämlich am Meisten und für sie genau das Richtige, indem ich ihr viel Raum gebe. Und zwar Raum über meine gefühlte Grenze hinaus. Ich würde gerne mehr Fürsorge walten lassen und sie ein bisschen verwöhnen. Aber das braucht sie einfach nicht.

 

Der Abend vor der Einschulung

Gestern Abend war das Sirenchen dann ganz entspannt und wollte tatsächlichfrüh schlafen gehen.

Im Bad gab es dann ein rührendes Gespräch und wir hatten uns alle furchtbar lieb. Fast ein bisschen zu schnulzig. Obwohl, kann das leben wirklich zu schnulzig sein?

Das Sirenchen hatte sich frisch geduscht und die Haare gewaschen und als sie aus der Wanne stieg sagte ich: „Was für ein tolles Kind du bist! Ich bin ganz stolz auf dich!“

„Aber auf mich bist du auch stolz!“

„Und auf mich auch!“ riefen die Geschwister.

„Aber jaaa! Ihr seid alle drei super tolle Kinder! Ihr seid richtig besonders!“

„Hast du dir uns so vorgestellt?“

Da musste ich mal nachdenken und kam zu dem Schluss: „Ja!“

„Ja? Hast du dir auch vorgestellt, dass ich so Locken habe? Und die Mädchen glatte Haare?“

Ich lachte. „Ich habe mir gesunde und besondere Kinder gewünscht. Und das habe ich bekommen! Alles andere ist mir egal. Aber trotzdem finde ich die ein oder andere Eigenschaft an euch besonders toll und freue mich darüber! Bleibt so wie ihr seid!“

„Vielleicht hast Du dir das ja alles so feste gewünscht, als wir in deinem Bauch waren und dann sind wir so gewachsen.“ sagte der Sohn nachdenklich.

„Ich glaube nicht. Ich war einfach gespannt, wer da seinen Weg zu mir findet und wusste ich nehme alle Eigenheiten, die da kommen.“

Und dann gab´s Gruppenkuscheln.

Das Sirenchen schlief tatsächlich um 20 Uhr, während die Geschwister noch herum kasperten.

 

Der Einschulungstag

Am nächsten Morgen wollte das Sirenchen ihr „Aschenbrödelkleid“ tragen. Ein Dirndl, welches wir noch aus Kindertagen von einer Freundin bekommen hatten.

Mit Oma und Opa zusammen machten wir uns auf den Weg zur Schule. Auf dem Schulhof wimmelte es von Eltern, Großeltern und aufgeregten Kindern und das Sirenchen wurde ganz stumm und ihre kleine Hand umklammerte meine fest.

In der Turnhalle sollten sich alle Schulanfänger zu ihren Klassenzeichen setzen. Das Sirenen sah mich kurz panisch an und drückte meine Hand noch fester. Ich zeigte ihr wo wir ganz in der Nähe sitzen würden. Da fasst sie sich ein Herz und nahm zwischen den anderen Schulanfängern Platz. Nach und nach konnte man sehen, wie sie in der Kinderschar andere Kinder aus dem Bekanntenkreis erkannte und sichtlich auftaute. Sie hat es ja nicht ganz einfach, weil sie alleine in eine Klasse geht und nur ein Kind vom Turnen kennt.

Während die frischen Zweitklässler, darunter der Sohn, etwas zur Begrüßung sangen, wurde mir ganz anrührig. Mein Erstgeborener sang nun für die kleine Schwester und in zwei Jahren, dann ist er Viertklässler, wird er für das Knöpfchen etwas aufführen zur Einschulung. Verrückt und schön und….hach…seufz…

Das Sirenchen verfolgte das Programm konzentriert und mit staunenden Augen und sprang dann auch beherzt auf, als sie aufgerufen wurde um mit den anderen in ihren Klassenraum zu gehen. Ich muss gestehen, ich habe die ganze Veranstaltung fast ausschließlich das Sirenchen beobachtet.

Mein Mädchen…..

Als wir nach einer guten halben Stunde die Kinder in ihren Klassenräumen wieder abholen konnten, verlor das Sirenchen allerdings keine weitere Zeit. Ich dachte sie zeigt uns mal wo sie sitzt und so. Aber ihre ersten Worte zu mir waren: „Ich will jetzt nach Hause!“ und schwups entschwand sie im Gewimmel, packte ihre Schultasche und marschierte zielstrebig aus dem Klassenraum.

Uiuiuiui…

Das ein oder andere Foto auf dem Schulhof ließ sie noch über sich ergehen und dann stiefelte sie ohne auf uns andere zu warten schon zum Schultor hinaus. Allerdings plaudernd mit ihrer Patin. (Die Schule unserer Kinder arbeitet Jahrgansübergreifend. Das bedeutet, die erste und zweite Klasse werden gemeinsam unterrichtet und die Zweitklässler übernehmen die Patenschaft für die Erstklässler und helfen ihnen etwas in den Schulalltag hinein zu finden.)

Also, das Sirenchen und ihre neue Freundin stürmten plaudernd und lachend voran und überquerten versiert die zu kreuzenden Straßen. 

Ich dachte: „Moment mal, das wollte ich doch noch ausgiebig in den nächsten Wochen mit ihr üben. Wieso kann die das auch schon wieder?“ Ich eilte hinterher, währende die Großeltern und der Mann mit dem Knöpfchen etwas gemütlicher hinterher kamen.

Zu Hause wurde dann erstmal die Schultüte entleert und Kuchen gegessen. Danach fielen sämtliche Familienmitglieder in ein komatöses Mittagstief. Wir waren glücklich, zufrieden aber einfach emotional geplättet. Das ist bei uns immer so. Das Sirenchen sank auf der Couch nieder und unser Kater kuschelte sich sofort schnurrend zu ihr. Die beiden haben irgendwie so einen Draht. 

Am etwas fortgeschritteneren Nachmittag erwachten alle wieder aus ihrem tranceähnlichen Zustand. Es wurde ein wenig geräumt und gekramt. Das Sirenchen machte auf meinen Schoß gekuschelt ihre erste kleine Hausaufgabe. Und zwar freiwillig. Auf dem Dachboden wurde an der Elektrik gebastelt und am Ende ging der Mann mit den Kindern noch einkaufen.

Am verblüffendsten fand ich, dass das Sirenchen morgen mit dem Sohn zusammen und ohne mich zu ihrem ersten regulären Schultag laufen möchte. (Ich bin dazu noch nicht bereit. Das kann sie doch nicht machen! buäääääh!)

Dieser Gedanke entstand daraus, weil der Unterricht morgen für alle erst zur zweiten Stunde beginnt und ich dann mit der KiTa-Bringzeit vom Knöpfchen in die Bredouille gerate. Ich überlegte laut, wie ich es sinnvollerweise von der Reihenfolge gestalte. 

Ich bin gespannt, wie es morgen läuft. Ob ich sie doch bringen „darf“ oder sie tatsächlich alleine mit dem Sohn los zieht. 

Auf jeden Fall hole ich sie aber nach der Schule ab! Selbst wenn das Kind bereit ist sofort alleine zu gehen. ICH bin es nicht! 

 

Die Ferienstimmung und das Sirenchen braucht Aufgaben

Die Schulferien sind gestartet. Die KiTa-Ferien noch nicht. Das Sirenchen verlebt gerade ihre letzten Kindergartentage und merkte schon mehrfach an, dass sie lieber weiter in den Kindergarten ginge, als in die Schule. Gleichzeitig möchte sie aber sofort am ersten Tag alleine mit dem Roller zur Schule fahren. 

Aha.

Der Sohn fährt gerade tatsächlich runter und kommt langsam in den Ferien an. Er versinkt stundenlang in seinen bevorzugten Tätigkeiten und ist ganz ausgeglichen. Wirklich emsigst und ausdauernd baut er mit Lego und hört dazu Kinderradio. Stundenlang.

Das Knöpfchen könnte eigentlich auch schon Ferien vertragen. Für sie sind wir Eltern aktuell ganz oft ganz gemein. So aus dem Nichts. Die Müdigkeit… Da die Kinder aktuell abends später schlafen als sonst (weil es warm und sonnig ist), bin ich ganz froh, dass noch KiTa ist, denn dort macht das Knöpfchen wenigstens einen Mittagsschlaf. Zu Hause klappt das leider nicht mehr. Dann wären wir wahrscheinlich noch gemeiner.

Das Sirenchen ist gerade besonders fordernd und zänkisch, aber es liegt ganz klar auf der Hand, was sie neben diesem ganzen Mamaliebe-Ding und Aufmerksamkeit braucht. Selbstständigkeit. Continue reading…

Das Vorschulkind ist komplett durch den Wind

Das Sirenchen ist ganz durch den Wind. Uiuiuiui.

Alle ohnehin ausgeprägten Eigenheiten verschärfen sich in den letzten Wochen nochmal zunehmend.

Beim Turnen bricht sie bitterlich in Tränen aus, wenn ich mich nicht explizit mit Küsschen von ihr verabschiede (dabei sitze ich die ganze Stunde in Sichtweite) und gekuschelt wird auch ausgiebig und gerne.

Gleichzeitig ist sie ständig mit mir auf Kriegsfuß. 

Als ich sie vor zwei Wochen fragte, was sie sich zum Geburtstag wünscht, antwortete sie motzig: „Sag ich dir nicht!“

Das beschreibt ziemlich gut den derzeitigen Zustand. Continue reading…

Der Hai im Lehrschwimmbecken

Nach holprigen ersten Schwimmbadbesuchen im kompletten Familienverbund noch im letzten Jahr, bekommen wir in der Sache langsam Routine.

Die beiden Großen machten in in der Kur ihr Seepferdchen im Therapiebecken der Kurklinik. Nun habe ich zwei Schwimmanfänger, die ihre Fähigkeiten im Wasser endlich gut einschätzen können und ein Kind mit Schwimmflügeln, die solide Dienste leisten. Aufpassen muss man natürlich trotzdem noch.

Unsere Schwimmausflüge starten grundsätzlich so:

Am liebsten gehen wir schwimmen, wenn es so warm ist, dass man möglichst wenig anhaben muss. Die Mädchen und ich tragen dann einfach nur ein Kleid und Schlappen. Fertig. Das verhindert ungelenkes Gekrame mit zu vielen Klamotten.

Wir eiern immer auf der Suche nach einer großen Familienkabine durch die Gänge und immer sind sie alle besetzt. Der Murphy. 😀 (Wenn wir AUS dem Wasser kommen, ist es übrigens auch so. .-D) . Da wir die Schwimmsachen ja schon drunter tragen, können wir ja aber auch direkt zu den Schließfächern gehen. Fällt uns dann ein. Dort treten wir uns grundsätzlich auf die Füße und der Sohn kontrolliert die Zahlen und Schlüssel und erklärt wie es mit der Schließanlage funktioniert. Continue reading…

Mein Sirenchen-mein baldiges Schulkind

Die Einladung zum ersten Elternabend für das Sirenchen kam letzte Woche an. Nun wird die nahende Einschulung greifbar.

Noch im letzten Herbst war ich unsicher, ob das Sirenchen diesen Sommer bereit für die Schule sein würde. Sie wird punktgenau zum Schulstart 6 Jahre alt. Ich finde ja, es schadet nicht, wenn die Kinder schon einen Ticken älter sind.

Allerdings hat sich in dem letzten Jahr so viel getan beim Sirenchen.

Sie ist ausgeglichener geworden. Obwohl sie im November letzten Jahres nochmal in alte Muster zurück verfiel.

Das Sirenchen hatte frisch ihr erstes Kindergartenjahr OHNE ihren großen Bruder begonnen und war zudem zu den Vorschulkindern aufgestiegen. Zwei Dinge, die neu und ein bisschen aufregend waren. Das kann verunsichern.

Schön zu sehen war allerdings, wie sie in diese neue Rolle mit der Zeit hinein wuchs. Sie musste sich ohne ihren großen Bruder in der Gruppe orientieren und konnte ihre unglaubliche Selbstständigkeit ausleben. Sie half/hilft den jüngeren Kindern im Kindergartenalltag (was sie sehr gerne macht) und wird von den jüngeren Kindern auch bewundert. Das große Vorschulmädchen. Wow. Mittlerweile macht sie sich das durchaus auch zu nutze und spielt die Karte der Stärkeren auch gerne mal aus. Sie bestimmt dann einfach darüber was gespielt oder getan werden soll. Nicht immer zur Freude der kleineren Kinder.

Das Sirenchen kann zunehmend besser ihre Emotionen verbal ausdrücken. Es schützt aber nicht vor kleineren Aussetzern. Ihre Kleidung, vornehmlich Socken, treiben sie manchmal zur Verzweiflung, weil irgendwas nicht so am Körper sitzt, wie sie es gerne hätte.

(Wenn man sie lässt, trägt sie übrigens ausschließlich rosa, pink und kitschige Tierbildaufdrucke mit großen Kulleraugen. 🙂 Das ist ihr Geschmack, den wir so nicht geprägt haben. Ich bin nur froh, dass sie bei Jacken und Schuhen noch die Bequemlichkeit in den Vordergrund stellt.)

Was sie insgesamt ruhiger macht, sind ihre erweiterten Kompetenzen. Sie kann Dinge selbst besser einschätzen und somit entscheiden und darf das dann auch. Was ihrem Bedürfnis ALLES selbst zu tun, sehr entgegen kommt.

Sie kann jetzt besser Gefahren einschätzen, versteht besser, wenn es zeitliche Gründe hat und ich deshalb für alle eine Entscheidung treffe oder sie in gewissen Situationen nicht an sich alleine ohne die Folgen für andere denken kann. Continue reading…