4.Advent-Rückblick auf eine ereignisreiche Woche

Und vergeblich sucht man nach Perfektion. So wie auf dem Beitragsbild ist das hier. Vier bunte Tassen von vier zumeist glücklichen Kindern, mit Adventszauber und unaufgeräumtem Esstisch nebst Krümeln. Immerhin konnten wir uns darauf einigen, dieses Jahr keinen Weihnachtsbaum aufzustellen. Die Bescherung findet auf der Kinderetage statt. Dort steht nämlich ein Miniweihnachtsbäumchen und das ist gar niedlich und reicht uns dann auch. Der Rest des Hauses ist ja geschmückt.

Wie aber war die Woche?

Am Montag musste ich ein motziges Kleinkind mit zum Pflegepferd des wilden Mädchens nehmen. Das war nicht ganz einfach. Das wilde Mädchen war auch in unrunder Stimmung und so versuchte ich die Zeit im Stall die Balance der wankelmütigen Launen zu halten. Dazwischen in stoischer Gelassenheit das Pferd. Es ist erheiternd und rührend zugleich, wie es gelassen aber doch sehr genau fühlend und wiederspiegelnd die Situationen erkennt. Besonders anrührend ist dabei, dass das Pferd das wilde Mädchen sehr zu mögen scheint  und scheinbar schon genau erkannt hat, welch sanftes Gemüt unter der oft stürmischen Oberfläche ruht. Das Pferd ist sozusagen mein regulierender Co-Vermittler. 

Dienstags war dann Elternsprechtag mit dem Fokus auf die weiterführende Schule vom wilden Mädchen. Da gab es allerdings keine Überraschung. Meine Einschätzung und die der Lehrerin deckten sich. Nachmittags hatte ich dann einen Boostertermin für mich im Impfzentrum.

Die Kunst an diesem Tag bestand darin, die Kinder zu koordinieren, da aus Gründen niemand Babysitten konnte. Die Zweitklässlerin kam auf meine morgendliche Erinnerung hin pünktlich aus der Schule (was nicht selbstverständlich ist :-D), was bedeutete, ich konnte sie mit der Hummel vor dem Fernseher parken und bitten den Sohn und das wilde Mädchen herein zu lassen, wenn sie aus der Schule kämen. Ich konnte dann alleine zum Elternsprechtag gehen. 

Nachmittags blieben die 4 Kinder dann wieder alleine zu Hause und durften fern sehen, während ich zum Boostern radelte. Im Impfzentrum ging es auch sehr flott und gut organisiert zu. Ich war glatt überfordert mit der Schnelligkeit. Die Anzeigentafeln ratterten förmlich durch und ich hatte mühe meine dreistellige Zahl im Auge zu behalten und mich gleichzeitig zu orientieren, wo es zu den Impfkabinen ginge. Als meine Nummer angezeigt wurde, hätte ich fast Bingo gerufen und musste über mich selbst lachen. 

Abends fiel ich ziemlich müde mit den Kindern ins Bett, freute mich aber, dass der Tag so gut geklappt hatte. Auch freute ich mich über die friedliche und solidarische Stimmung im Impfzentrum.

Am Mittwoch fühlte ich mich ziemlich matschig. Mir tat außer der Einstichstelle allerdings nichts weh, aber fit war ich nicht. Somit war ich dankbar, dass von Seiten der Lehrerin der Elternsprechtag der Zweitklässlerin an diesem Tag telefonisch stattfinden musste und ich dieses Gespräch von der Couch aus führen konnte.

Lustigerweise erwachte ich am Spätnachmittag wieder zum Leben und hatte die Reaktion auf die Impfung „verdaut“. 

Donnerstags war ich wieder komplett einsatzbereit. Der Tag verlief recht ruhig. Die Kinder hatten am späten Nachmittag noch online Judotraining.

Am Freitag versuchte ich vormittags einen größeren Einkauf zu machen. Ich war dann von einer unerfreulichen Begegnung etwas abgelenkt und kaufte nur die Hälfte von allem, was mir vorgeschwebt war. Mit mir und der Hummel betraten zwei grimmig dreinblickende Damen mittleren Alters den Supermarkt. Mir fiel dann auf, dass sie keine Masken trugen. Ich sprach sie freundlich an und sagte: „Entschuldigung, Sie haben ihre Masken vergessen.“ War mir selbst auch schon mal passiert. Die eine Dame antwortete prompt und ziemlich aggressiv, ich solle mich mal nicht um andere Leute kümmern, ich sei ja außerdem geschützt, ich trüge eine Maske . Dass mein Kind und andere Kinder nicht geschützt waren, interessierte sie nicht. Sie war ohnehin sehr angriffslustig und so ging ich ihr einfach aus dem Weg. Wer lost ist, ist lost. Da ändere ich bei einer kurzen Begegnung nichts dran. Schade nur, wenn man jemanden freundlich anspricht, dass man sofort aggressiv angegangen wird. Das ist der Punkt, der mich an der Sache wirklich stört.

Nachmittag überließ ich die Kinder nochmal alle 4 sich selbst zu Hause. Sie machen das wirklich toll. Auch für die Hummel ist das kein Problem. Die Geschwister sind ein sicheres Rudel. Ich musste nochmal ins Einkaufszentrum. Mir waren noch 2 bis 3 Weihnachtsgeschenklein eingefallen und ein paar Erledigungen. Vor allem brauchte ich neue Schnuller. 

Die geliebten Mollis-Schnuller von der Hummel sind alle kaputt gebissen und es gibt nirgends mehr Nachschub. Firma pleite oder so. Keine Ahnung. Jedenfalls brauchte ich Ersatz und kaufte eine Auswahl anderer Schnuller. Die Hummel verstand das Problem. Schon länger reden wir immer wieder darüber, dass es die Mollis nicht mehr gibt und sie die kaputten nicht länger nutzen kann. Die Hummel probierte also die verschiedenen Schnuller aus, aber es wollte ihr keiner „schmecken“.  Das Einschlafen am Abend dauerte dann etwas länger als sonst, aber es ging. In der Nacht wurde sie dann wach und wollte einen Schnuller. Ich merkte richtig, wie sie im Konflikt war. Ich hatte ja neue besorgt, die lagen auch bereit, aber die waren einfach anders. Die wollte sie nicht. Sie sagte dann auch: „Mama nix dafür. Neue Nullies. Alte putt!“ Und dennoch ärgerte sie sich und jammerte eine ganze Weile über diese Misere bevor sie wieder einschlief.

Am Samstag war dann ein historischer Tag im Zusammenhang mit der Pandemie. Ich habe die großen Kinder gegen Covid impfen lassen. Diverse Überlegungen haben mich zu dieser Entscheidung gebracht. Für uns ist es eine gute Entscheidung. Genauso, wie die 4 Kinder zu Hause zu gebären, erst ab dem 1. Lebensjahr impfen zu lassen, maximal 3fach-Impfungen zu nehmen und die Kinder erst mit 3 Jahren in die Kita zu geben. All das sind persönliche Entscheidungen. Jede Familie hat andere Bedingungen und die müssen bedacht werden.

Die Covid-Impfung für Kinder bedeutet für uns: 

Der Familienalltag mit 6 Personen kann etwas planbarer, als derzeit laufen. Wenn sich nun doch einer ansteckt, müssen nicht automatisch alle Kinder in Quarantäne. Das Ansteckungrisiko wird verringert. Treffen mit Großeltern sind deutlich ungenierter. Und wenn, so scheint es zu sein/zu werden (ich weiß von einigen, dass sie schon geimpft sind oder  sie Impftermine in kürze haben), möglichst viele Kinder in den Klassen meiner Kinder auch geimpft sind, läuft vielleicht der Schulalltag auch stabiler. 

Übrigens gibt es zusätzlich eine gute Einschätzung zu Kinderimpfungen von Herbert Renz-Polster. Hier zu lesen: kinder-verstehen

Die impfende Kinderärztin sagte übrigens, die Kinder sollten am Wochenende ruhig viel fern sehen und sich ausruhen. 😀 Ich würde sagen der Freifahrtsschein für binge-watching.

Die Hummel vermisst ihre Schnuller am Tag überraschender Weise gar nicht. Aber am Abend fragte sie wieder danach. Besah sich die neuen Schnuller, erzählte mir nochmal, was ich ihr schon mehrfach erklärt habe, dass es die alten Mollis nicht mehr gibt, ihre alten kaputt wären und ich extra verschiede neue besorgt hätte.  Sie schlief dann recht schnell ohne Schnuller ein. In der Nacht suchte sie wieder nach einem Schnuller. Ich reichte einen der neuen an. Sie seufzte und motzte ein viertel Stündchen, um dann ohne Schnuller wieder einzuschlafen. Wenn man von den kurzen verzweifelten Momenten in der Nacht absieht, dann muss ich sagen, klappt es sehr unkompliziert mit dem Entwöhnen. Wenn auch gezwungener Maßen. 

Heut sind wir sehr gemütlich. Den Kinder geht es allerdings recht gut. Sie merken nur alle den Impfarm und sind teilweise etwas schlapp. Mit der Betonung auf etwas.

Nun harren wir der Dinge die da kommen. Vielleicht schaffen wir es in der kommenden Woche alle gesund zu bleiben und können dann Weihnachten gesund und munter verleben. Wir sind auf alles eingestellt.

3. Advent

Die letzte Woche verlief recht ruhig und entspannt.

Der Mann hatte Urlaub und das bedeutet für mich auch immer ein bisschen Urlaub. Er sorgte für die Mahlzeiten und kaufte ein.

Den Nikolaus zelebrierten wir den ganzen Tag. Morgens gab es eine Kleinigkeit vor der Schule. Ich hatte allerdings die Gaben auf dem Tisch im Esszimmer platziert, weil sie nicht in die Stiefel passten. Aber das gab Punktabzüge. Die Kinder wollen das Zeug IN den Stiefeln. Also nächstes Jahr dann wieder korrekt verabreichen! Verstanden.

Nach der Schule wartete ein großer Teller mit Lebkuchen und Plätzchen auf die Kinder. 

Und später kamen Oma und Opa noch auf einen kleinen Nikolauskaffee vorbei und brachten auch noch ein paar Sachen vom Dickelmaus mit.

Die Zweitklässlern klagte wohl am nächsten Tag über leichte Übelkeit, weshalb ich sie zur Beobachtung zu Hause behielt. Ich denke, es lag möglicherweise (wahrscheinlich) an etwas zu viel Süßigkeitenkonsum. Es ging ihr auch schnell wieder besser  und so spielte sie wunderbar mit der Hummel. Die beiden sind sowieso ein sensationelles Spielteam. Das Highlight dieser Woche war das Spiel: „Rentier mit Schlitten, Geschenken und Dickelmaus.“  Zwei Einkaufstaschen wurden aneinander geknotet. Die hintere Tasche wurde mit „Geschenken“ (Kissen und Spielzeug) beladen und in der vorderen Tasche saß der „Dickelmaus“ (die Hummel) und das Rentier war die Zweitklässlerin. So sausten sie munter um die Kücheninsel. Continue reading…

2. Advent 2021

Die letzte Woche war für mich schwierig. Meine Lunte ist kurz.

Die Kinder bemerken meine unausgewogene Stimmung und scheinen deshalb meine Nähe besonders zu suchen, was wiederum kontraproduktiv für mein derzeitiges Bedürfnis nach etwas Abstand von allem ist. 

Nachdem ich am Dienstag Abend vor der Judohalle kurz in Tränen ausgebrochen war, weil mir alles zu viel war, habe ich mir zu Hause ein kleines Gläschen Rum eingegossen, ganz laut Musik aufgedreht und sehr expressiv getanzt. Die Kinder waren etwas verstört. Der Hummel war es auch zu laut. Was mich kurz nochmal verzweifelt ließ, denn wann soll ich denn dann mal Musik aufdrehen??? Kopfhörer mag ich übrigens nicht. Ich habe noch keinen Kopfhörer gefunden, der mir nicht unangenehm an oder in den Ohren drückt. Mal davon abgesehen spüre ich den Bass gerne mit dem ganzen Körper. Wenn dieses Kack-Scheiß-Coronasache nicht wäre, könnt ich ja wenigstens mal ordentlich ne Nacht in einen Club entschwinden.  Continue reading…

Advent, Advent,…ich weiß gerade auch nicht

Zuversichtlich und resigniert zugleich purzeln wir in den zweiten Pandemiewinter.

Ich gestehe, gestern habe ich wild ein paar Hemden nebst Kleiderbügeln hin und her geschleudert, um sie dann fluchend in eine Ecke zu pfeffern. Nicht ohne mich hinterher darüber zu ärgern, dass ich den Mist wieder ordnen muss. Scheiß Haushalt. Er kommt mir an den Ohren raus!

Meine Laune schwankt zwischen: „Ach, wir haben es doch eigentlich gemütlich und ich habe Lust auf heimelige und ruhige Bastel,-Film-, und Spieletage mit den Kindern.“ und „Verdammte Scheiße, ich brauch ne PAUSE von ALLEM!“

Ich mein, wer denkt das nicht gerade?

(Die Realität sieht übrigens so aus, dass die Kinder vornehmlich von der Idee Filmegucken begeistert sind und alles andere nur murrend tun wollen. Meine Bastelleidenschaft haben sie leider alle nicht geerbt. Tja. Kannst te dir nicht aussuchen.) Continue reading…

Ziviler Ungehorsam versus Ich bringe die Brut durch

Während Marc Raschke vor wenigen Tagen mehrfach auf Instagram anmerkte, Eltern sollten mal mit ihren „Protestchen“ aufhören und endlich laut und deutlich mit „zivilem Ungehorsam“ aufbegehren, versuchen tausende von Eltern, so gut sie es kräftemäßig noch können, ihren Alltag zu bestreiten und die Kinder halbwegs gesund (physisch UND psychisch) durch diesen zweiten Pandemiewinter zu buxieren.

Es wäre sehr hilfreich, würden sich Leute wie Marc Raschke einfach mal laut für die Familien stark machen, anstatt auch noch drauf rum zu trampeln und illusorisch hohe Hürden als machbar aufzuzeigen.

Es erinnert mich an mein Studium. Einige Mitstreiterinnen und ich hatten nicht genug im Atelier der Kunstakademie gearbeitet und wurden zur Seite zitiert. Wir erklärten, dass wir aus finanziellen Gründen zum einen neben dem Studium jobben mussten und damit das Studium nicht zu sehr über die Regelstudienzeit hinaus ginge, mussten wir die Pflichtkurse der anderen Fächer halt auch besuchen. Wir hatten deshalb merklich zu wenig Zeit und Ressourcen für kreatives Arbeiten, was uns natürlich selbst frustrierte. Man schlug uns eine Bewerbung zu einem Stipendium vor. Aber erstens sind Plätze für ein Stipendium rar und hätten maximal einer von uns geholfen. Zum anderen war die Abgabefrist schon bald und auch dafür hätte eine ordentliche Mappe mit guten Arbeiten eingereicht werden müssen. Wir wollten es alle gerne, aber die Hürde war zu hoch. Egal wie sehr wir uns auch angestrengt hätten. (Die Person, welche das Stipendium vorschlug, war einst selbst in den Genuss gekommen, stammte aber nach eigenen Angaben aus durchaus solventen Verhältnissen.)

Anstatt mich aber länger über privilegierte Menschen aufzuregen, versuche ich hier alle bei Laune zu halten. Inklusive meiner Wenigkeit.  Continue reading…