Emotionale Verdichtung

Es ist 21.25 Uhr. Ich sitze neben dem unruhig schlafenden Baby. Oben höre ich, wie das wilde Mädchen für das Fuschulkind noch ganz engagiert und auf genaue Anweisung einige Felder in einem Freundebuch ausfüllt. Denn das Fuschulkind kann noch nicht schreiben und lesen. Muss sie ja auch nicht können. Wird sie in kürze lernen. Warscheinlich. Wie genau das aussehen wird, weiß noch niemand. Einschulung 2020- Corona-Edition. Oder auch: Wie wir lernen uns ständig neuen Bedingungen anzupassen. Letzteres ist ein Stichwort, welches speziell beim wilden Mädchen zu beachten ist. Sie hatte schon immer große Schwierigkeiten mit Unregelmäßigkeiten und sogenannten Übergängen. Wenn sich eine Sachlage ändert, so braucht sie Zeit um in der neuen Situation anzukommen und ist dann erstmal un-aus-stehlich. bzw kämpft mit heftigen Emotionen und leitet diese ungefiltert vornehmlich an mir ab. Das ist ein großes Kompliment, aber auch eine noch größere Aufgabe.

Und so begleiten mich ihre Ausbrüche seit März wieder regelmäßig und bekannt heftig und ich schramme ganz hart an meiner absoluten Geduldsgrenze entlang.

Abends wäre eigentlich eine gute Zeit, um mit dem wilden Mädchen entspannt ein bisschen zu plaudern und den Tag nochmal revue passieren zu lassen, aber das Baby lässt mich meistens nicht. Continue reading…

Von Sommerferien, Bildungslücken und einer neuen Leidenschaft

Die letzte der beiden Schulwochen verflog und auch die erste Ferienwoche ist fast rum.

Eine alt bekannte Unruhe ist eingezogen, wobei ich seit dem Start der Pandemie das Gefühl habe, die Unruhe wohnt jetzt dauerhaft bei uns. Das Leben ist ja aktuell gespickt mit ständigen Übergängen, weil immer wieder Neuerungen von außen kommen.

Die Schulkinder konnten in den letzten beiden Schulwochen aber wieder an ihren Freundschaften anknüpfen und waren tatsächlich auch wieder öfter verabredet. Mal bei uns, mal auswärts. Ein paar Kindergeburtstage standen und stehen auch an. Das tut allen Beteiligten sehr gut.

Das Fuschulkind hat allerdings noch keine Ferien und darf ihre letzten Tage in der KiTa genießen, was hier auch in den ersten drei Ferienwochen noch für eine gewisse Struktur im Tagesablauf sorgt. Ein bisschen „Angst“ habe ich vor dem KiTa-Abschied. Das wird emotional. 

Die oben genannte Unruhe entsteht meist durch die Streitereien der Geschwister oder die angeblich endlosen Langeweilen, die sich im Laufe der nächsten Tage legen werden. So ist es bisher immer gewesen. Bis dahin durften die Kinder bei dem derzeit wechselhaften Wetter etwas mehr fernsehen als üblich. Einfach auch, weil ich manchmal keine Lust habe mir ständig neue Beschäftigungen auszudenken, oder als Spielgefährtin herzuhalten oder mir die Diskussionen und das Gemaule zu geben. Diskutiert wird neuerdings nämlich sehr gerne und nachhaltig mit mir. Uff.  Continue reading…

Da sitze ich- am Samstag

Da sitze ich und fühle mich wie die einzelne Seerosenblüte ohne Seerosenblätter zwischen den Wasserlinsen. Im natürlichen Element, aber doch nicht so ganz richtig platziert.

Ich sitze an einen Bettpfosten des schon länger ungenutzten Hochbettes gelehnt, weil jeder andere Platz nicht geht. Das Baby schläft weiterhin ohne meine Anwesenheit nicht. Das Ladekabel vom leeren Laptop reicht nicht in jede Ecke. Und der Schrank, gegen den ich mich sonst lehnen könnte, ist mit Legoduplo verbarrikadiert. Die Geschwister waren eben noch am Werk, bevor sie sich in ihre eigene Zimmer trollten. Ich werde mich hüten die Steine zur Seite zu schieben. Das Kind könnte wieder aufwachen.

Lieber würde ich jetzt noch etwas nähen. Aber im aktuellen Arbeitsschritt bräuchte ich die Nähmaschine. Geht also nicht.

Und so schnappe ich mir den Rechner und schreibe mal diesen Samstag auf. Denn schlafen kann und will ich noch nicht. Es ist erst 21 Uhr.

Über Samstage habe ich schon öfter geschrieben. Die haben grundsätzlich Potential bei uns.Über Samstage habe ich schon öfter geschrieben. Die haben grundsätzlich Potential bei uns. Denn Samstags bin ich immer Strohwitwe. Seit wir zwei Autos haben, verloren Samstage ein wenig ihren Schrecken, weil ich dann mit den Kindern einfach mal zu meinen Eltern gefahren bin. Aber das geht dank Corona ja derzeit auch nicht so richtig. (Ich komme später darauf zurück.) Continue reading…

Fast normal

Eine Woche Schule liegt hinter uns. 

Ich muss sagen: Es war/ist gut, dass nochmal zwei Wochen Schule stattfinden kann. Den Kindern und mir hat ein gewisser Rhythmus von außen zunehmend gefehlt. Der Sohn sprang die ersten zwei Tage morgens schon vor dem Wecker klingeln um mich herum, in Sorge, ich könne ihn aus Versehen nicht zur Schule schicken. Wenn der wüsste…:-D

Das wilde Mädchen freute sich auf das Wiedersehen mit ihren Freundinnen und vor allem die Regelmäßigkeit und Verlässlichkeit der Zeiten ist für sie sehr wichtig.

Sie äußerte in den letzten Wochen an denen sie immer mal 3 Stündchen die Woche Schule hatte, das wäre ihr alles zu durcheinander mit dem Sch… Corona. Ich kann es nach fühlen. 

Sie ist auch das Kind, welches am meisten Aktion im Sinne sportlicher Betätigung braucht und fordert. Schwimmen, Reiten, Spielplätze unsicher machen, klettern….Das meiste davon war ja gar nicht oder nur sehr eingeschränkt möglich. Sie lebt auf, seit vieles wieder möglich ist. 

Das Fuschulkind ist auch überglücklich über ihre letzten KiTa-Wochen. Continue reading…

Shopping zu Coronazeiten

Vor zwei Tagen ließ es sich nicht länger vermeiden. Ich musste unser Einkaufszentrum aufsuchen. Ich war in den letzten Monaten tatsächlich nur zweimal in einer Drogerie und in einem Hofladen einkaufen. Das hat mir gereicht. Alles andere besorgt der Mann oder bestellte ich online.

Allerdings brauchten wir Geschenke für anstehende Kindergeburtstage und das wilde Mädchen brauchte tatsächlich akut neue Sommerkleidung. Einen spärlichen Rest vom letzten Jahr kann sie noch tragen, aber da zwickt und zwackt es auch schon und die Regenjacke nervt sie auch, weil die Arme ihr über der Strickjacke zu eng sind etc pp. Sie ist krass gewachsen in den letzten Wochen.

Fürs Fuschulkind hab ich auf diesem Weg noch ein paar Leggings besorgt. Die sind nämlich auch alle kaputt und die die nicht kaputt sind, sind dicke Herbst-/Wintermodelle.

Und somit fuhr ich mit Baby und wildem Mädchen ins EKZ.

Das Baby schlief freundlicherweise die ganze Zeit und das wilde Mädchen und ich liefen bemaskt…bemundschützt….oder soll ich sagen… verschleiert durch die Shoppinghölle.  Continue reading…