Meine Geburtstagswoche-eine schwierige Woche, nicht wegen der 45!

Auch wenn es die Chronologie etwas stört, muss ich erstmal meine Geburtstagswoche aufschreiben.

Wir waren gerade aus London zurück (darüber schreibe ich noch. Mit Fotos. Versprochen.) und wussten, es stünden zu Hause erstmal zwei trubelige Tage bevor. Unsere Baustelle hinterm Haus erforderte zwei Tage geballte Aufmerksamkeit. Die Betondecke unseres Anbaus sollte gegossen werden und davor musste die Bewehrung richtig verlegt werden. Montags wurde also mit dem Stahl gekramt, ein bisschen eingekauft und das wilde Mädchen hatte noch Reitstunde. Tag rum.

Dienstags stand ich schon früh auf, um mich mit den Bauarbeitern von der Nachbarbaustelle etwas abzusprechen. Denn Parkflächen sind rar bei uns und wir erwarteten um 8 Uhr einen Pumpwagen nebst Betonmischer. Unsere Handwerker trafen auch pünktlich ein…es hätte nach Plan laufen können.

Doch kurz vor 8 kam der Anruf des Betonwerks: Lieferung aus Gründen auf 14 Uhr verschoben. Unsere Handwerker empfahlen sich bis dahin und entschwanden wieder. Stattdessen warteten wir dann auf die Oma. Der Mann, eines der Kinder und ich brachen zusammen auf zu einem Termin. Der Termin war wichtig und gut und weiterführend, aber speziell für mich auch eine emotionale Sache. So dass ich eigentlich danach gerne irgendwie verschnauft hätte. Die Woche London war auch noch nicht in meinem Kopf geordnet.

Aber die 14 Uhr Marke näherte sich, die Handwerker trafen wieder ein, der Pumpwagen kam, der Betonmischer kam und ich tigerte völlig rastlos zwischen Baufahrzeugen (links von uns Kanalarbeiten, rechts von uns Neubau, hinter unserem Haus Anbau) hin und her. Zum Glück hatte der Mann noch Urlaub. Das machte mich alles insgesamt doch sehr nervös.

Einem unserer ukrainischen Handwerker schenkten wir auch noch unseren alten Herd, somit klaffte erstmal ein Loch in unserer Küchenarbeitsplatte. Was nicht zwingend zur Ordnung beitrug. Der neue Herd käme am Tag darauf.

Am späten Nachmittag wässerten wir den frischen Beton (was man ein paar Tage machen muss) und es kehrte Ruhe ein. Als ich jedoch ziemlich erschöpft auch ins Bett gehen wollte und mich gerade neben der Hummel ausstreckte, entdeckte ich eine völlig durchnässte Matratze. Der Teppich an der Außenwand….ein Desaster. Pitschnass. Hektisch kramten wir die schlafende Hummel und die zweite noch trockene Matratze, sowie diverse textile Dinge aus dem Zimmer nach oben zu den anderen Kindern in die Zimmer und wir entschieden, da kein Wasser nachzulaufen schien, am nächsten Morgen einigermaßen ausgeruht auf Spurensuche zu gehen. 

Am Mittwoch morgen entfernte der Mann eine Verkleidung unter der Heizung. Die Heizung hatte kein Leck. Dann schoben wir das Hochbett von der Wand und rollten den Teppich so weit auf, wie es ging. Dann wässerte der Mann draußen den angrenzenden Beton und wir konnten sehen, dass an einer Stelle kurz oberhalb des Fußbodens Wasser durch die Wand sickerte und sich im Raum verteilte. Ziemlich zügig sogar und ich verbrauchte eine komplette Waschladung Handtücher, um die große Pfütze aufzufangen, damit nicht noch mehr Teppich nass würde. Der Mann stellte dann unser mobiles Klimagerät auf, welches auch heizen und Luft entfeuchten kann. Es arbeitete den ganzen Tag und schaffte 10 Liter Wasser aus dem Raum. Der Mann versuchte draußen die von uns verdächtigte Stelle abzudichten, aber leider lief danach das Wasser immer noch in das Zimmer. Nur langsamer. Das Leck ist scheinbar eine etwas zu tief in die Wand gebohrte Verankerung der Bewehrung. In all dem Chaos war dann plötzlich die Hummel verschwunden. Leicht panisch suchte ich sie überall, bat dann die Kinder um Mithilfe und wir fanden die Hummel schließlich schlafend in einer kleinen Höhle im Kinderzimmer von der baldigen Drittklässlerin. Was ein Schreck. Dieses Kind…

Mittwoch nachmittags schlief ich mit der Hummel völlig erschossen auf der Couch ein. An frühen Abend fuhr ich mit dem wilden Mädchen noch ins Einkaufszentrum, um ein paar Dinge zu erledigen. Eigentlich musste ich auch noch ein Kindergeburtstagsgeschenk besorgen, aber ich war unschlüssig und wollte das geladene Kind lieber nochmal befragen. Ich vertagte das Geschenkkaufen auf Freitag vormittag. 

Donnerstags war dann mein Geburtstag. 

Ich habe keine großen Ansprüche an meinen Geburtstag. Ich bin mit einem schönen Ausflug glücklich. Oder in Ruhe ein Buch lesen und etwas Essen gehen. Der Tag darf auch völlig unspektakulär alltäglich verlaufen. Hauptsache entspannt. Was ich jedoch sehr schätze und was ich immer auch kommuniziere: Ich mag ein schönes Frühstück an diesem Tag. Also eigentlich mag ich das immer. Aber an meinem Geburtstag erwarte ich diesen Tagespunkt, wirklich.

An diesem 4. August stand ich um 6 Uhr auf, weil die Nacht über hatte ich darüber gegrübelt, wie wir unser Wasserleck vor dem angekündigten Gewitterregen schützen könnten und ich neben einer sehr unruhigen Hummel nicht gut schlafen konnte. Ich wusch meine Haare, wässerte den Beton und setzte mich mit einer Tasse Kaffee im Vorgarten auf die Bank. Das war ein schöner Moment und ich wollte der Familie die Chance geben den noch völlige verwüsteten Frühstückstisch herzurichten. Statt aber zum Frühstück gerufen zu werden purzelten der Mann und die Kinder aus dem Haus und die Kinder stritten und disktutierten wieso überhaupt und zu welchem Bäcker sie denn gehen sollten. Sie brüllten rum, waren garstig und unkooperativ. Ein Geburtstagskuscheln oder ähnliches hatte ich auch nicht bekommen. Kein Kuchen. Kein Küsschen. Nix. Und bis die zänkische Meute schließlich mit Brötchen eintraf, saß ich um halb 11 mit knurrendem Magen am Tisch.

Mittlerweile drückte schwüle Hitze auf unser aller Gemüter. Während die motzigen Kinder vor dem Fernseher parkten, bastelte der Mann einen passenden Ausschnitt für das neue Kochfeld (war nicht ganz einfach) und ich hantierte mit Folien und Brettern auf der neuen Betondecke, um es Regen sicher zu machen. Wir schwitzen beide ganz ordentlich.

Als ich halbwegs zufrieden mit meinen Abdeckarbeiten eine Pause machte, klingelte es und eine liebe Freundin stand mit einem Geschenk und einem Zitronentörtchen mit Kerze vor der Tür. Das war ein sehr schöner Moment. Ich habe mich sehr gefreut.

Irgendwann zwischen weiterhin unfassbar schlecht gelaunten Kindern, stopfte ich mir überhaupt nicht dem Umstand angemessen, das Zitronentörtchen krümelnd über der Spüle in den Mund. Ich war  furchtbar hungrig und etwas überfordert mit der Gesamtsituation. Alles Scheiße, dachte ich. So verlebt man doch nun wirklich nicht seinen Geburtstag!

Die Kinder stritten weiter und lärmten und nervten und waren auch durch wiederholtes Erinnern an meinen Jubeltag nicht zu Freundlichkeit zu bewegen. Sie stritten sogar noch, auch mit mir, obwohl ich an meinem Geburtstag mit ihnen auch noch schwimmen gehen „wollte“. (Schwimmen ist ja eher nicht so meins).  Als es darum ging die Badesachen zu packen, kreischten die Mädels sich gegenseitig an, wo denn die Badeanzüge seien. Meine Erklärungsversuche, dass diese unter einem riesen Wäscheberg, den ich im Zuge der „Flut“ im Kinderzimmer in meinem Kleiderschrank aufgehäuft hatte, zu finden seien, überhörten alle Kinder gründlich. Einzig der Umstand, dass die Laune einzig durch einen Szenenwechsel die Chance hatte, sich zu verbessern, ließ mich dann doch einem späten Schwimmausflug zustimmen. Ich sah mich entspannt am Rande des Babybeckens im Schatten sitzen, während der Mann die Großen bewachte. Wir fuhren also am Familienbad des Vertrauens vor, fand eine riesen Warteschlange am Eingang und fuhren direkt weiter zum Freibad der Nachbarstadt. Eigentlich hätte ich in diesem Moment am liebsten Stopp an einer Pizzeria gemacht und einfach nur in Ruhe etwas gegessen. Aber das hätte eine erneute Kinderrebellion bedeutet. Das ertrug ich nicht.

Und wenn ich nicht selbst völlige erschöpft und Hunde müde gewesen wäre, wäre das sicher der Moment gewesen, in dem ich einfach allein los gezogen wäre, um mich bei Freunden auf dem Balkon mit kühlen Getränken verwöhnen zu lassen.

Am Freibad angekommen, war der Himmel schon wolkig und die Schwüle wisch einem angenehmen Wind. Der Mann und ich setzten uns wortkarg nebeneinander auf eine Bank. Die Hummel tapste freudig ins Babybecken. Die Großen entschwanden ins Nichtschwimmer. Der Mann sagte: „Wir sitzen hier so, wie ein trauriges Paar, dass sich nichts mehr zu sagen hat.“  Ich rückte an ihn ran, legte mich schwer an seine Schulter und gemeinsam schwiegen wir. Müde. Kaputt. Völlig erledigt. Wir erspäten sogar etwas entfernt noch Freunde von uns. Aber wir konnten einfach kein Wort mehr sprechen und blieben schwer wie Blei sitzen. Es reichte gerade noch so zur Aufsicht. So müde. Der Mann wollte mir später noch etwas kochen und ich träumte von einem wenigstens entspannten ruhigen Abend.

Zu Hause duschten alle Kinder. Die Hummel konnte ich schon pünktlich zur Ruhe betten. Ich genehmigte mir noch einen späten Kaffee und überließ die Großen nochmal einem Fernsehprogramm. Vor dem Haus auf der Bank fand ich einen Moment Ruhe. Als der Mann mich jedoch zum Essen rief, war die Hummel nochmal erwacht, rief nach mir und die großen Kinder stritten schon wieder und kamen auch noch hundert mal runter gerannt.

Da platzte mir der Kragen. Da habe ich aber geschimpft und mich lauthals über diesen beschissesten Geburtstag aller Zeit in meinem bisherigen Leben beklagt. Kleinlaut verschwanden dann alle nach oben. Der Appetit war mir vergangen. Weder Essen noch Alkohol wollte ich noch. Ich stocherte im Essen und ging dann ebenfalls schlafen. Abhaken. Einfach abhaken und schlafen. 

Die Nacht war dann leider kurz. Gegen drei Uhr morgens weckte mich der Sohn wegen Übelkeit, die uns dann bis in die frühen Morgenstunden beschäftigte. Er übergab sich immer wieder. Der arme Kerl war arg gebeutelt. Ich war echt zu müde, um mich darüber noch zu wundern. Immerhin konnte ich sofort überprüfen, ob meine Abdeckung auf dem Beton dem heftigen Gewitterregen in der Nacht stand hielt. Es hielt. Das Zimmer blieb trocken.

Als es schon hell war, kuschelte ich mich neben den Mann und schlief nochmal bis halb 10. Dann stellte ich fest, dass ich ja noch ein Geburtstagsgeschenk für die Geburtstagseinladung kaufen musste, aber der Geburtstag bereits um 10.30 startete. Kurzer Hand entschied ich, dass das Geschenk nachgereicht werden müsste. Das war auch kein Problem. Nachdem ich das Kind bei den Feierlichkeiten abgeladen hatte, fuhr ich alleine! ins Einkaufszentrum. Ab diesem Moment schienen die Dinge wieder in meinem Sinne zu funktionieren. Ich ließ mein wirklich altersschwaches Akku von meinem alten iPhone tauschen und musste nur eine Stunde warten. In der Zeit schlenderte ich mit Genuss durch den Buchladen, kaufte auch das KinderGeburtstagsgeschenk und setzte mich zu Hause sofort mit einem Buch hin und las. Abends ging ich früh schlafen, die Kinder waren insgesamt auch friedlicher und der Samstag lief bis jetzt auch recht sortiert. 

Das ist auch wichtig, denn am Mittwoch startet die Schule. ich möchte hier halbwegs Ordnung und vor allem einen Überblick über alles haben, damit das Schuljahr nicht völlig ……..ach Mist…..ich hab noch Bettwäsche in der Waschmaschine….

  3Comments

  1. Lena   •  

    Danke für diesen Einblick ins reale Familienleben, ich lese deine Berichte immer so gerne. Manchmal frage ich mich, ob das nur bei uns oft alles so kompliziert und erschöpfend ist und da tröstet mich deine Schilderung sehr. Und alles Gute nachträglich! Meinen Geburtstag letzte Woche haben wir mit packen und streiten verbracht (zwischendurch war es auch mal schön…)

  2. Nadine   •  

    Erstmal die aller-herzlichsten Glückwünsche nachträglich zum Geburtstag!

    Puhja, das klingt nach einer furchtbaren Woche :o/ Ich drück die Daumen, dass es jetzt besser läuft, ihr das Leck gestopft bekommt und dann einen einigermaßen entspannten Schulstart habt :o)

    Alles Liebe,
    Nadine

  3. Cornelia   •  

    Zuerst mal auch nachträgliche Geburtstagsglückwünsche!
    Vieles in dem Text kam mir sooo bekannt vor, vor allem die Verdichtung der Ereignisse.
    Habe aktuell zum 2 .Mal Corona eingefangen , da kam die Lektüre zur Abwechslung gerade richtig.
    Herzliche Grüße Cornelia

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