Resilienz (psyschiche Widerstandskraft) fördern bei Kindern

Als Mama machte ich mir nicht zum ersten Mal Gedanken zum Thema Resilienz. Auch als Grundschullehrerin (u.a. im Brennpunkt und in inklusiven Klassen) beschäftigte mich dieses Thema. Ich bekam so manche Einblicke und erlebte Situationen, die mir unter die Haut gingen und ich konnte sehen, wie manche Kinder erstaunlich gut mit schwierigen Situationen umgingen und andere schnell verzweifelten.

Ein Teil der Resilienz resultiert aus dem Gemüt des Kindes heraus. Die einen sind von Grund auf optimischter und aufgeschlossen, die anderen eher verhalten. Der soziale Hintergrund und das Umfeld spielen entscheidend hinein.

Bei unserem Wochenende in der Jugendherberge in Nottuln ging es in einem Workshop genau um dieses Thema.

Und auf diesem Hintergrund schreibe ich nun einen Beitrag darüber und verlinke zu Beispielsituationen aus unserem Familienalltag.

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Mutter und Kind haben was gelernt

Das Knöpfchen ist Meisterin im Erfinden von Geschichten und kann dabei extrem glaubhaft sein. Echt. Unterschreibt die komplette Familie sofort. Von Oma, Opa, Tante, Onkel etc pp.

Man muss allerdings dazu sagen, dass sich ihre Erfindungen im Laufe des Erzählens selbst enttarnen durch immer wildere Ideen. Als wartet sie nur darauf, dass man ausruft: „Du veräppelst mich doch!“ und dann lacht das Knöpfchen und freut sich.

Nun eröffnete mir das Knöpfchen heute morgen, sie wolle das Spielzeugpferd vom Sirenchen mit zum Spielzeugtag in die KiTa bringen.

Zufälligerweise hatte das Sirenchen eben jenes Pferd am Abend davor noch neu frisiert und tolle Zöpfe geflochten und mir das Ergebnis stolz präsentiert. Außerdem zanken sich die Mädchen derzeit öfter um diverse Spielzeuge und keiner gönnt dem anderen die Butter auf dem Brot.

Ich ging auf Grund dieser Erfahrungen davon aus, dass mit recht großer Wahrscheinlichkeit keine Erlaubnis seitens des Sirenchens vorlag und äußerte dies. Das Knöpfchen wurde sofort wütend und meinte ihre Schwester hätte es ausdrücklich erlaubt.

Nun waren die Mädchen zwar kurz alleine im Kinderzimmer gewesen, während ich schon in der Küche hantierte. Und möglicherweise hatten sie sich über das Pferd unterhalten.

Da das Sirenchen bereits in der Schule war, konnte ich keine Rücksprache halten und bat das Knöpfchen, sich lieber ein andere Spielzeug auszusuchen und das Pferd zum nächsten Spielzeugtag mitzunehmen, wenn ich auch Rücksprache mit dem Sirenchen gehalten hätte. Continue reading…

Zeit ist der größte Luxus- vom Anhalten und Runterkommen

Unsere letzten Wochen sind so ruhelos, wie der allgemeine Zeitgeist.

Wenn zu viele Dinge in kurzer Folge aufeinander kommen wie Veränderungen im Alltag, Verabredungen, Feste, Unternehmungen, Kurse, Termine, dann laufen in diesem Haushalt alle heiß und überdrehen oder sind überdurchschnittlich erschöpft.

Schon als die Kinder noch sehr klein waren, erkannte ich das und habe sämtliche Termine immer in wohl dosierter Folge mit genügend Pausen dazwischen gelegt. Und mehrere Termine am Tag vermeide ich wann immer es geht. Ich sage auch schon mal was ab, wenn ich merke, das gibt außer Gemotze eh nix. Ich möchte nicht mit meinen Kindern pausenlos durchs Leben hetzen. Beeilen muss man sich trotzdem oft genug. 

Und ich möchte auch, dass meine Kinder IN einer Situation sein können ohne gedanklich schon bei der nächsten Sache zu sein. 

Und so üben wir uns alle darin, das immer wieder zu erkennen und Dinge zu tun, die uns wieder zur inneren Ruhe bringen.

Die Mädchen machen das tatsächlich am aller Besten.  Continue reading…

Eine Situation auf dem Spielplatz und eine Verantwortungsfrage

Wir waren vor einiger Zeit auf einem Spielplatz mit Karussell. Ich finde Karussells auf Spielplätzen immer etwas schwierig, weil sie eine große Anziehungskraft auf große und kleine Kinder haben und nicht ganz ungefährlich sind. Große Kinder drehen gerne sehr schnell, was für kleinere Kinder ungünstig ist, weil sie sich noch nicht richtig festhalten können oder während der Fahrt aus-oder ein steigen und mit den Großen mithalten wollen. 

Eigentlich auch ein prima Lernfeld für viele Dinge auf einmal, aber das tut hier nichts zur Sache. Fakt ist, ein Karussell muss man beaufsichtigen, wenn die Alterstruktur sehr heterogen ist. Und das tat ich immer, solange ich Mama von unerfahrenen Kleinkindern war.

Unsere Kinder spielten nun jüngst bestimmt eine ganze Stunde lang friedlich immer auch mit anderen Kindern. Mal am Karussell, mal auf einem Klettergerüst. Alles prima. Der Mann und ich setzten uns gemeinsam auf eine Bank und beobachteten sie und die anderen Kinder. 

Schließlich saß das Sirenchen wieder im Karussell mit zwei etwas jüngeren Kindern zwischen 3,5 und 5 Jahren alt und der Sohn drehte sie an. Die beiden anderen Kinder waren neu dazu gekommen.

Ich beobachtete kurz und unterhielt mich dann mit dem Mann über das Knöpfchen, welches auf dem Klettergerüst unterwegs war.  Continue reading…

Vom lieben Gott und interessanten Erziehungstipps auf der Straße

Vor einigen Tagen war ich mit den Mädchen zu Fuß unterwegs zum Supermarkt. (Der Mann war mit dem Sohn zum Baumarkt gefahren). 

Wir brauchten nicht viel und wir schlenderten mal einen anderen Weg als sonst, um uns die Beine zu vertreten. Anschließend sollte es noch bei der Eisdiele eine Kugel Eis geben. Die Kinder hatten nämlich den ganzen Tag geduldig ausgehalten, wie wir Eltern unsere aktuelle Kinderzimmerbaustelle, das letzte Drittel unseres Hauses, weiter bearbeiteten, anstatt ins Schwimmbad zu fahren.

Es musste mal ein kleiner Tapetenwechsel her.

Das Sirenchen war von ausgesuchtem Unmut gebeutelt und „verpestete“ die Luft mit Gemecker und „Befehlen“ ins Leere und gleichzeitigen Versuchen sich mit der Situation abzufinden. Ich wusste, dass sie mit dem Tag unzufrieden war, auch wenn wir gerade auch für SIE etwas Neues schaffen. Sie wollte die ganze Zeit helfen, was bei manchen Arbeiten sogar ging, aber nicht in dem Ausmaß, wie sie es sich gewünscht hätte. Zudem wäre gerade SIE besonders gerne mit uns schwimmen gegangen. Das betonte sie auch mehrfach. Aber es geht halt nicht immer alles auf einmal. Sie war hochgradig unzufrieden. Und so ein unzufriedenes Gefühl, weil alles nicht so läuft, wie man es sich dachte, kenne ich. Da kann man nicht so richtig raus. 

Und so fühlte ich förmlich, wie das Sirenchen mit sich rang. Ich fühlte es, weil ich dieses Gefühl, ihr Gefühl mit diesem Hin- und Hergerissensein von Enttäuschung, Zorn, gleichzeitigem Verstehen und dem eigenen Bedürfnis selbst so oft hatte als Kind. Man könnte sich in der Luft zerreißen.

Nun trafen wir auf eine ältere Dame mit Rollator. Ich fand sie ganz zauberhaft in ihrem Blümchenkleid. Wir waren schneller als sie und als wir sie überholten, kam es irgendwie zu einem Gespräch. Ich finde das ja immer nett. Ich unterhalte mich gerne mit anderen Menschen und gerade die ältere Generation fühlt sich oft alleine und freut sich auch unterwegs mal jemanden zum Plaudern zu treffen. Da wir das gleiche Ziel hatten, verlangsamte ich meinen Gang einfach.

Die Dame sprach auch die Kinder an und freute sich.

Allerdings wurde das Sirenchen schnell ungeduldig. Ihr war irgendwie zu warm in der Sonne, wenn wir doch nur schwimmen gegangen wären…,dann drängelte sie, sie wolle schnell zum Supermarkt, weil danach gäbe es ja auch das Eis. Und sie zog und zerrte an meiner Hand, blickte finster und machte sich nichts daraus, dass die Dame sie auf ihr Verhalten ansprach. Continue reading…