Kindermund

…im politischen Zeitgeschehen

Das Sirenchen stieg dröhnend die Treppe herab. Eine große dunkle Sonnenbrille bedeckte ihre tränengefüllten Augen. Den Kindergartenrucksack schwenkte sie divengleich in einer Hand und monierte geräuschvoll, dass ich die Butterbrotdose dort noch nicht hineingeräumt hätte. Ich versuchte zu erklären, dass mir das nicht möglich gewesen sei, da die Dame den Rucksack ständig mit sich führe und er mir in der Küche zwecks Beladung nicht zur Verfügung gestanden hätte. Es wurde theatralisch überhört. Die Brille wurde abgenommen und dann drehte sich die Diva weiter heulend vor dem Spiegel im Flur und besah sich dabei genau. Dann war plötzlich Ruhe. Ich nutzte den Moment, um darauf hinzuweisen, dass die Leggins besser über die Socken gezogen werden solle, da es erstens ziemlich merkwürdig aussah und zweitens zu kalt sei. Die Sirene tat wieder was sie am besten kann und jaulte, diesmal allerdings leise, los. Ich sagte, sie sei wirklich ein armes Kind.
Darauf sang der Sohn: „Dita is ein Frischling! Dita is ein Frischling!
Das Sirenchen heulte lauter auf und kreischte: ICH BIN KEIN FRISCHLINGER!!!!!
Der Sohn wiederholte den Gesang und ich sah ihn fragend an.                                                                  Daraufhin sagte er: „Ja, die Frischlinge sind doch auch ganz arme Kinder! Also nicht nur Kinder… Frischlinge sind doch arme Leute!“

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