Ein Märchenwaldbesuch, warum unser Bett nun belagert wird und…

was der Knüppel-aus-dem-Sack damit zu tun hat.

Wir waren am letzten Feiertag im Märchenwald. Das Wetter stimmte, ein Waldspaziergang mit kindgerechter Unterhaltung schien perfekt.

Der von uns besuchte Märchenwald liegt in Altenberg in der Nähe von Köln.
Ich selbst kenne diesen Märchenwald noch aus Kindertagen. Besonders erinnere ich mich an die dort im Lokal dargebotenen Wasserspiele. Meine Oma fand das nämlich ganz toll damals und wollte sie unbedingt sehen. Ansonsten erinnerte ich mich nicht mehr wirklich an Etwas.

Der Märchenwald liegt tatsächlich in einem Wald, aber sehr bergig gelegen. Die Wege sind gut zu bewandern, aber recht steil. Also nichts für Leute, die auf eine Gehhilfe angewiesen sind. Mit dem Kinderwagen geht es aber ganz gut. Man hat dann direkt ein kleines Workout für die Waden.
Die Märchen werden als einzelne Szenen in kleinen Häuschen dargeboten. Per Knopfdruck lässt sich das jeweilige Märchen gut verständlich abspielen und anhören.
Die kleinen Häuschen werden seit einiger Zeit renoviert und teilweise sind die alten Figuren durch neue ersetzt worden. Das ist ein kleiner Kritikpunkt. Die neuen Figuren sind alle Lebensgroß und optisch lebensecht. Die Kinder fragten jedesmal, wenn eine von den neuen Figuren zu sehen war, warum der oder die sich nicht bewegt und nichts sagt. Das heißt, sie konnten die Figuren nicht mehr von der realen Welt unterscheiden.
Die alten Figuren sind auch alle fast lebensgroß, aber in ihren Charakteren stark überzogen. Man erkennt deutlich, dass sie nicht echt sind. Das ist aber egal! Das Rumpelstilzchen zum Beispiel kam in Gestalt einer alten Holzfigur immer aus einem Fenster, wie ein Kuckuck aus einer Kuckucksuhr und sang dabei sein Liedchen. Das 2 Jährige Knöpfchen stand begeistert unter dem Fenster und applaudierte.

Insgesamt gefiel es den Kindern erstmal sehr gut. Der neu angelegte Spielplatz auf der Hälfte der Strecke ist auch toll. Große und kleine Kinder konnten sich dort selbstständig verdingen und austoben.

Weniger schöne oder provisorisch hergerichtete Ecken haben wir jetzt einfach mal übersehen, da klar ist, dass der Märchenwald nach und nach modernisiert wird.

Allerdings kamen wir dann noch zu einer Station, die uns leider eine neue Angst beim Sohn bescherte und damit den Märchenwald für ihn unbeliebt und die folgenden Nächte schwierig macht.

Das Märchen Tischlein-Deck-dich, Goldesel und Knüppel-aus-dem-Sack war auch in 4 Stationen dargeboten. Allerdings verlor man da wegen einem kleinen Besucherandrang den Faden beim Zuhören. Die letzte Station des Märchens war der Knüppel-aus dem Sack. Das Häuschen war nun auch noch eines, in das man einen kleinen Gang hinein gehen musste, um durch eine große Scheibe die nachgestellte Szene zu sehen. Die Kinder rannten sofort hinein. Ich ging mal hinterher und sofort dachte ich: „Mmmmh, das könnte man gruselig finden.“
Was sah man? Man sah eine von den neuen realistischen Figuren auf allen Vieren mit schmerzverzerrtem Gesicht. Man sah einen Sack aus dem ein Knüppel heraus ragte und sich ungelenk auf und ab bewegte, als schlüge er auf den Mann ein. Man hörte leises Poltern von der Automatik, die den Knüppel in Bewegung brachte und hörte dazu den Mann schreien.
Die Lichtstimmung im Raum war auch eher duster.
Unsere Kinder reagierten unterschiedlich. Das Knöpfchen (gerade 2 Jahre) lugte kurz hinein, kam wieder raus und sagte mit ernster Miene: „Angst!“ wandte sich ab und spielte mit Steinen.
Das Sirenchen (bald 4 Jahre) kam heraus mit großen aber krallen Kulleraugen und krakelte: „Haha, der Stock haut feste auf den Mann drauf!“ und war dann mit dem Thema durch.
Der Sohn (5 Jahre) kam und wand sich förmlich vor Unbehagen. Er wollte schnell weg von dem Haus und weiter gehen. Die nachfolgenden Geschichten sah er sich garnicht mehr richtig an. Er wollte die Geschichte von dem Knüppel genau wissen. Nun gehörte diese Geschichte auch nie zu meinen Favoriten und ich konnte mich auch nicht mehr richtig an den ganzen Hergang erinnern. Ich versprach zu Hause nochmal genau alles vorzulesen zu der Knüppel aus dem Sack Geschichte.

Gesagt, getan.

Aber irgendwie half das alles nicht. Der Sohn gruselte sich nachhaltig und konnte nicht schlafen. Er fand erst spät und in unserem Bett zur Ruhe. Ich lese nun täglich dieses Märchen vor,  der Sohn wünscht es. So begreift er und verliert hoffentlich den Schrecken vor der dargestellten Szene. Bald.  Aber es ist Abends derzeit etwas auswendiger ihn zum Schlafen zu bringen. Der Nachtschreck ereilte ihn auch mal wieder seit langem und in einer neuen Form. Er kam laut heulend in die Küche und umkreiste weiter laut heulend und klagend die Kücheninsel. Er war nicht ansprechbar. Erst nachdem er den Weg noch zur Toilette gefunden hatte, dort auch noch ein Weilchen geheult hatte, ließ er sich ansprechen und kuschelte sich danach in unser Bett.

Da denkt man, man macht was Kindgerechtes und bei einem von 3 Kindern geht´s nach hinten los.

Die Darstellung vom Knüppel aus dem Sack würde ich auch anders machen.
Es würde vollkommen reichen, wenn der Knüppel an Angelschnur in der Luft schwebte. Der Sack auf dem Boden läge, der Knüppel-im-Sack-Besitzer feixend daneben säße und sich der verprügelte Wirt in einer weniger realistisch aussehenden Figur präsentieren würde. Und vielleicht nicht auf allen Vieren. Das mutete nämlich auch eher….sagen wir….merkwürdig an.

Aber es ist wie es ist. Der Sohn steckt nun das Sirenchen auch an und kennt den halben Tag lang kein anderes Thema als den gruseligen Knüppel im Sack. Das Sirenchen möchte nun auch im elterlichen Bett nächtigen. Und was noch viel verrückter ist: Der Sohn möchte nie, nie wieder in den Märchenwald fahren!

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