Ein Ausflug ins Rheinische Industriebahnmuseum

Am letzten Samstag haben wir nachmittags einen Ausflug in ein parallel Universum gemacht. Das war sehr kurzweilig und auch ein bisschen abenteuerlich.

Und zwar gibt es einen, ich möchte sagen, Geheimtipp für alle Eisenbahnfans. Vor allem für alle Familien, die einen frisch dazu gewonnenen Eisenbahnfan in ihrer Mitte haben und sonst mit Schienenfahrzeugen nix am Hut haben. Der Herr Papa sah sich nämlich nach diversen Bahnhofsbesuchen mit dem Sohn gezwungen mal etwas Abwechslung in die zugige Sache zu bringen und fand das Rheinische Industriebahnmuseum in Köln-Longerich. Die beiden Männer waren bereits zweimal dort und nun waren wir als komplette Familie einmal im RIM unterwegs um u.a. an einer historischen Eisenbahnfahrt teilzunehmen.

Das Gelände des RIM riecht schon im Vorfeld nach Abenteuer. Die Öffnungszeiten liegen bei Vollmond und ungeraden Tagen (also wirklich nur einmal im Monat) und man parkt unter einer alten Eisenbahnbrücke in Longerich. Dort unter der Brücke führt durch einen unscheinbaren Aufgang eine alte lange Treppe auf das Gelände.

Das Erste was mir auffiel: Es stehen überall alte Loks rum und kreuz und quer, teilweise überwuchert liegen verrostete Schienen.
Uns begrüßte sodann eine knatternde alte Bergwerksbahn mit zwei Personenanhängern. Wir nahmen auf den Bänken Platz. Ich vergaß komplett zu fotografieren, weil ich, genau wie die Kinder erstmal staunte. Ein Teenager legte noch engagiert alte Schwellen als „Bahnsteig“ neben die kleinen Wägelchen, die man allerdings problemlos auch so besteigen konnte. Der Teenager startete sodann nach einem Bimmeln die Fahrt über  eine Schmalspurschiene (ich denke zu diesem Zweck quer über alte Schienen gelegte). An einer Ansammlung alter Bahngebäuden und Werkshallen stiegen wir aus.

Dort gelangte man in einen Raum, in dem eine alte Dampflok stand, alte Gepäckanhänger mit alten Koffern (Wie liebe ich alte Koffer! Die hätte ich am liebsten alle mitgenommen!). Es gab sogar eine kleine Spiel-Dampflok für Kinder. In einer großen Halle findet man dann allerlei Schätzchen. Eisenbahnkenner flippen wahrscheinlich komplett aus. Kleine Eisenbahnfans allerdings auch. In dieser Halle ist auch nichts gesichert. Es ist mir ein Rätsel, wie das in diesem sonst so hysterisch gesicherten Land möglich ist. Mich persönlich stört es nicht. Man muss schon selbst auf seine Kinder aufpassen und auch nur so kann man vermitteln, dass nicht alles ungefährlich ist.

lokschuppen

 

viel-zu-sehen-blog-beatrice-confuss

 

In dieser Halle steht im Übrigen auch ein alter Bahnwaggon in dem wiederum eine elektrische Schmalspurbahn aufgebaut ist. Dort kann man 3 Loks, eine sogar mit Dampf bewundern. Wenn der „Lokführer“ zugegen ist, dann fahren diese Bahnen sogar.

Was insgesamt auffällt, ist das ein, ich nenne es mal, engagiertes Chaos überall herrscht. Ordnungsliebende Leute werden verzweifeln. Zumal man auch noch andere fahrbare Altertümlichen zwischen den Loks und Waggons findet.

rheingold-wagon

Nachdem wir uns alles angesehen hatten, fanden wir uns am Startgleis für die historische Bahnfahrt ein. An diesem Tag fuhr eine alte Feldbahn. Es gab einen zweite Klasse Wagen, von dem ich behaupte, da bin ich als Kind noch mit gefahren. Der metallische Geruch stieg mir wohl bekannt in die Nase. Wir nahmen im zweite Klasse Wagen in dicken Polstern Platz. Sofort hatte ich die Vision, wie meine Großtante mit Perlenkette und Brosche, die Handtasche auf dem elegant berocktem Schoß, dort einst gesessen hatte.
Auch in diesem Wagen roch man den metallischen Geruch, den man in heutigen Zügen nicht mehr kennt.
Da es warm war, hatten wir alle Röcke und kurze Hosen an. Da musste ich wieder an früher denken. Als Kind noch, saß man manchmal in alten dicken Polstermöbeln bei Omas im gegen die Sonne abgedunkelten Salon. Damit die Polster nicht verschießen. Und mit den kurzen Sommersachen und der Wärme fühlte sich das dicke Polster auf der Haut so unpassend an. Fand ich nun auch. Ich muss gestehen ich wäre lieber in der luftigen „Holzklasse“ gefahren. 😀

Der Zug wurde von einer alten Diesellok gezogen. Die Fahrt führte von Longerich über die Güterzugschienen zum Bahnhof nach Frechen. Dort wurde die Lok abgekuppelt und hinten wieder an die Waggons gekuppelt. Der Sohn war ganz aus dem Häuschen und musste das alles genau sehen. Einer der Eisenbahner kommentierte markante Punkte der Strecke. Ich war amüsiert über das ein oder andere Eisenbahner-Vokabular. „Sicht-Schnitt-Breite des Güterverkehrs“ (wenn ich das richtig verstanden habe) bedeutet, die Bäume und Sträucher sind am Streckenrand für Güterwaggons passen gestutzt, aber nicht für Personenverkehr. Hält man Kopf aus dem Fenster, könnte das weh tun. So waschechte Eisenbahner flippen ja auch förmlich bei jedem kleinen Stellwerkshäuschen aus. Das ein oder andere stand sogar unter Denkmalschutz.
Unseres Zuges wegen wurde an zwei großen Verkehrsknotenpunkten glatt der Autoverkehr lahm gelegt. Einmal Verursacher sein, statt selbst im Stau zu stehen….:-D
Auf der Rückfahrt dann wurden die Mädchen etwas hampelig. Was man verstehen kann. Und ich selbst erinnerte mich daran, wie ich als Kind auf längeren Zugfahrten Handstand und Radschlag im Gang gemacht habe. Meine Oma und meine Großtante sahen durch die Abteiltüre nur noch meine Beine und hörten Leute „Huch“ rufen. 😀
Ganz so „schlimm“ waren die Mädchen aber nicht. Allerdings eilten sie flink wie Wiesel zum Ausgang, als der Zug zurück auf dem Museumsgelände war. Da half auch kein Stopp- und Wartet-Gerufe mehr.
Der Sohn war aber im Eisenbahn-Himmel.

Auf dem Rückweg besahen wir uns noch eine alte Bergwerksbahn, die vor zwei Jahren noch fuhr.

bergwerkbahn

rostiges Schätzchen

So sah es innen drin auch schon vor 2 Jahren aus. Da fuhr es noch!

So sah es innen drin auch schon vor 2 Jahren aus. Da fuhr es noch!

 

lore

 

Übrigens gibt es auf dem Gelände auch alte Feuerwehrautos!

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