Ich habe meine Gelassenheit in vielen Dingen bei der Geburt von K4 irgendwo versehentlich abgegeben. Vielleicht hat die Perimenopause auch gesagt: So ab jetzt! Und hat mir das Zepter im Sprint aus der Hand gerissen. Ich weiß es nicht. Ich spüre nur eins: Ich bin viel öfter, als je zu vor, immer mal wieder besorgt und ängstlich bei K4. Dabei blicke ich mit dreimalige Erfahrung auf verschiedene Herausforderungen (Beispiel 1) , (Beispiel 2) zurück und sollte doch jetzt eigentlich noch gelassener sein als vorher. Aber spätestens seit K4s Kieferbruch bin ich in dieser blöden Sorgenschleife hängen geblieben. Eine Folge davon ist, dass ich es nicht gern sehe, wenn K4 Inliner fahren lernen möchte. In meinem Kopf kreiselt das Wort: Sturzgefahr als neonrotes Warnschild. Klettert K4 auf hohen Klettergerüsten, was ich durchaus gestatte, vermeide ich zu genau hinzusehen und blende alle unschöneren Ängste best möglich dazu aus. Ich winke ihr fröhlich und lobe sie ob ihrer Geschicklichkeit, innerlich hoffe ich, sie möge bald und heil wieder auf festem Boden stehen.
Nun brachte K4 einige Eigenheiten mit, die vielleicht durch die Pandemieerfahrungen, vielleicht durch meine innerliche Unsicherheit verstärkt wurden oder die drei Faktoren spielen miteinander Pingpong. K4 sprach in der KiTa zunächst über ein halbes Jahr nicht. Generell sprach sie nicht mit „Fremden“ (was in ihrem Fall alle waren, die nicht zur Kernfamilie gehörten.) Und auch jetzt ist sie immer noch sehr zurückhaltend in unbekannten sozialen Situationen.
Wir haben alle gelernt, dass K4 Zeit braucht, Dinge in ihrem Tempo zu lernen und selbst wenn sie Dinge schon kann, braucht sie für sich die Gewissheit, dass sie es kann.
Und so musste sie sich auch erst sicher sein, dass die Schule eine gute Sache sein könnte und sie sich das zutraut. Die Rückstellung letztes Jahr war so wichtig und richtig. K4 ist jetzt bereit für die Schule. Natürlich habe ich sie auch bestärkt und gedanklich vorbereitet…in mir drin aber ist das leise Gefühl: „Aber die ist doch noch so klein! Die soll jetzt alleine zur Schule gehen? Hoffentlich geht es ihr gut damit!
Klar habe ich auch bei den Geschwistern gemischte Gefühle bezüglich der Schule gehabt, aber nicht so. Und das obwohl ich selbst Grundschullehrerin bin und vor allem viel Erfahrung mit Erstklässler:innen habe. Ich weiß, dass die ganz viel schon können, man ihnen ruhig etwas zutrauen darf und es alles schon wird. Es ist ein Paradox. (Einschulung K1) (Einschulung K2) (Einschulung K3)
Nun nahte also K4s Einschulung. Ich war aufgeregter als sie, vielleicht auch, weil ich an dem Tag selbst nicht nur K4 einschulen würde, sondern danach noch meine eigenen neuen Erstklässler:innen an meiner Schule. Einige Tage im Voraus erzählte ich ihr immer mal wieder, wie der Ablauf des Vormittages laufen würde.
K4 ließ sich am Vorabend ihren neuen Wecker stellen und stand auch selbstständig auf und kleidete sich an. Ich hatte bereits ein bisschen Deko aufgehangen und Frühstück vorbereitet. Wir verabschiedeten die Geschwister in die Schule, frühstückten selbst in Ruhe und warteten auf die Großeltern. Zusammen spazierten wir dann zur Schule. K4 plapperte aufgeregt und fröhlich.
Auf dem Schulhof trafen wir hier und da auf bekannte Gesichter und fanden uns in der Turnhalle ein. Ich zeigte K4 wo sie sich hinsetzen sollte und wo wir Erwachsenen sitzen würden. Dabei fiel mir auf, dass ich vergessen hatte ihr Namensschild zum Umhängen von Kühlschrank abzumachen und ihr umzuhängen. 🙈😬Sie bekam dann ein neues Schild.
Das Programm war gewohnt bunt und liebevoll. Schließlich wurden die Kinder auf die Bühne gerufen, um sich an der Hand ihrer Paten einzufinden und in die Klassen zu gehen. Wir beobachteten, dass K4 neben einem Kind ankam, welches sich weg drehte und ihre Hand nicht nehmen wollte. Ich war nicht allein besorgt, wie K4 dieses Verhalten ihres Paten aufnehmen würde. Mein professionelles Ich sagte: Manchmal gibt es Startschwierigkeiten oder irgendwelche Gründe, warum eine Situation so wirkt oder entsteht und das wird schon. Und manchmal passt es auch einfach nicht, was blöd ist, aber auch kein Beinbruch. Meinen Mama-Ich blutete das Herz. Die Kinder waren dann eine gute halbe Stunde im Klassenraum, danach durften wir Eltern dazu kommen. Ich hatte schon die Zeit im Nacken, weil ich pünktlich los musste, um mit meinen Zweities unsere Darbietung zur Einschulung zu performen und die neuen Ersties zu begrüßen. Ich ging also als Erste in die Klasse, um K4 zu drücken und mitzuteilen, dass ich nun mal zwei Stündchen weg wäre und wir uns später wieder sähen. K4 kam mir mit Tränen in den Augen entgegen und ich interpretierte einen furchtbaren Start hinein. Aber aus Zeitmangel vertröstete ich sie auf später und auf Oma, Opa, Papa und den Schultüteninhalt und entschwand sofort, um die Situation nicht unnötig zu verschlimmern. Auf meinem Weg zu meiner Schule überlegte ich schon, wie ich das Debakel wieder einfangen und positiv umwandeln könnte.
Nach meinem Job fuhr ich wieder zurück. Ursprünglich war angedacht, dass wir zusammen essen gehen, sobald die Geschwister auch aus der Schule zurück wären. Am Abend zuvor, war aber das Ganze umgeworfen worden. Die Kinder wünschten sich unisono Waffeln. Und zwar von Mama. Also gut. Somit gab es einen Berg Waffeln mit heißen Kirschen und Sahne und wir naschten uns durch den Nachmittag. Das war auch schön. Vielleicht sogar entspannter als Essen gehen. Bei der Gelegenheit stellte sich dann auch heraus, dass die Geschichte mit dem Paten gar nicht richtig war. K4 hatte es sehr gut in der Klasse gefallen. Ihr Pate ist auch sehr nett und das Kind, welches sich auf der Bühne weggedreht hatte, war sozusagen Ersatz für den echten Paten gewesen, weil der in dem Moment, warum auch immer, gar nicht da war. Und etwas geweint hatte K4, weil ich weg musste und nicht bleiben konnte.
Das alte Lied also.
Deshalb ist es gar nicht schlecht, dass der Mann K4 morgens zur Schule bringt. Das erleichtert den Abschied. Und der erste „richtige“ Schultag mit OGS lief anscheinend auch so gut, dass K4, als ich sie mit schlechtem Gewissen erst am Nachmittag abholen konnte, ungefragt sofort äußerste, sie möge die Schule.
Wir können also insgesamt von einem positiven Start sprechen. Es klingt nun aber durch, dass ihr die Pausen am besten gefallen und sie bezüglich der Hausaufgaben schon jetzt keine gesteigerte Motivation besitzt (obwohl sie noch keine bearbeiten musste). Ich bin sehr gespannt, ob sich das noch ändert mit der Motivation (meinetwegen bräuchte es überhaupt keine Hausaufgaben) und ein bisschen krass finde ich auch, dass K4 am Montag auch wieder direkt ganz lange in der OGS bleiben muss. Das fühlt sich komisch für mich an, geht aber nicht anders.
