Der Frühling, der Garten, die Kinder

…es geht voran

Gärtnern mit Hindernissen, auch hier gilt es flexibel zu sein

Teil 1
Ich buddelte mit dem Spaten 4 große Löcher neben unsere Buchenhecke und versenkte diese Freunde darin:

Bambus

Bambus fragesia. Bildet KEINE Ausläufer sondern wächst im Horst und ist gut zu kontrollieren. Was zu sehr ausufert wir einfach weggestochen.

Wer sich nun fragt, warum ich Bambus der Sorte Fragesia neben eine Hecke setze, zumal ich doch auf Bauerngarten stehe und das so garnicht passt, dem sei gesagt: Man lässt mir keine andere Wahl.

Bambus fragesia wird nicht nur sensationelle 2 bis 3 Meter hoch, sondern wächst sehr schnell zu einem super dichten Sichtschutz. Das allein hat den Bambus schon qualifiziert.
Die mindestens 50 Jahre alte Buchenhecke ist nämlich eine Grenzhecke. Sowas gibt es kaum noch. Wir hätten sie sehr gerne ein bisschen gepäppelt und wieder schön gemacht. ABER: Der Nachbar mit dem wir diese Hecke teilen hat es nicht so mit üppigem Grün und er hat es auch nicht so mit den Nachbarn. Was der rundherum mit allen Nachbarn schon so veranstaltet hat, füllt einen eigenen Beitrag.
Jedenfalls ist dieser Nachbar ein Freund von Bullaugen, die er in die Hecke „züchtet“. Zudem mag er es schön kurz geschnitten. Wir allerdings mögen es gern etwas unbeobachteter. Nachdem also Verhandlungen zwecks etwas zurückhaltenderem Schnitt und das Angebot dafür die gemeinsame Grenzhecke zu pflegen scheiterten, pflanzen wir jetzt einfach eine eigene Hecke. Eine die schnell und dicht und vor allem hoch ist. Der Nachbar hat von dem Bewuchs keinen Schatten auf dem Grundstück. Wir aber dafür im Hochsommer, was angenehmer ist, als jeder Sonnenschirm.
Was allerdings auch ein Pluspunkt unter den gegebene Bedingungen ist: Diese Bambushecke, wenn sie denn dann mal soweit ist, ist auch Schallschutz. Das dichte Laub raschelt im Wind und schluckt andere Geräusche. Mir wäre es noch egal, wenn der Nachbar uns belauscht. Ich mag ihn aber nicht mehr hören. Im Sommer sitzt er stets am offenen Fenster und lamentiert mit sehr unflätigem Vokabular und enormer Lautstärke (dreckige Sau, Arschloch, Drecksäcke etc) vor sich hin. Ich mag das nicht und ich möchte auch nicht, dass meine Kinder das hören.

Also da steht der Bambus nun. Ich habe jeden einzelnen Horst umtanzt, besungen, gestreichelt und ihm gut zugeredet. Möge der Bambus sprießen, rascheln und gute Dienste tun.

Dann möchte ich noch einen Tipp loswerden, der mich begeistert hat. Wenn man denn einer Rasenfläche Blumen-oder Gemüsebeete abringen möchte, dann ist das gängige Vorhaben zwei Spatentief Umgraben im Herbst. Kann man machen. DAS wiederum gefällt meinen Freunden den Regenwürmern aber nicht so gut. Sollte man also in dem überaus begrüßenswerten Vergnügen sein, Regenwürmer in seinem Garten zu beheimaten, so sei gesagt: DAS IST SUPER! Da wo diese Gesellen sich tummeln, sind gute Bodenqualitäten zu erwarten! Und zwei Spatentiefes Umgraben ist dann kontraproduktiv. Da macht man nämlich die Wohnstätten kaputt!
Ich las in einem von Schwiegermamas guten Gartenbüchern, man könne auch Folgendes tun: Den Rasensoden abtragen und mit dem Gras nach unten übereinander schichten. Jede Schicht mit etwas Gartenkalk bestreuen und mal in Ruhe liegen lassen. Man muss natürlich aushalten, dass es  in einer Ecke des Gartens unaufgeräumt aussieht. Hab ich letztes Frühjahr gemacht und in den merkwürdigen Hügel einfach ein paar Kapuzinerkressesaamen gesteckt. Die hat den Hügel bereitwillig überwuchert und der Rasensodenhügel konnte sich unbeobachtet verwandeln. In diesem Frühjahr habe ich da einen wunderbaren kleinen Erdhügel mit jede Menge Regenwürmern! Von Gras bzw Rasen ist da keine Spur mehr. Einzig die Quecke kommt hier und da raus. Aber damit hab ich ja Übung. Die zieht man einfach aus der lockeren Erde.
So hat man quasi einen „Spezialkompost“ den man an Ort und Stelle bepflanzen kann oder an anderer Stelle dazu gibt. Es muss nicht immer alles in die Tonne. Und auch nicht immer alles neu gekauft werden.

Teil 2
Gärtnern mit Kindern. Was da oben so einfach klingt…

Ich holte die Kinder vom Kindergarten und wir radelten plaudernd und fröhlich nach Hause. Alle hatten Lust noch ein bisschen im Garten zu sein. Der Sohn schob seine Straßenbahnsammlung über die Holzterasse. Das Knöpfchen ließ ein kleines Spielzeug-Pferchen durch den Garten galoppieren und das Sirenchen half mir frisch in die Erde gebrachte Staudenwurzeln einzuschlämmen.

Ich nehme mir stehts vor Handschuhe bei der Gartenarbeit zu tragen. Ambitioniert fange ich an, schnell sind die Handschuhe nass und ich genervt, weil ich damit so kein gutes Fingerspitzengefühl habe. Am Ende sind meine Hände dann doch schmutzig. Also buddelte ich schon bald wieder mit bloßen Händen in der Erde.

Dreckige Hand

Aus mir wird nie eine Dame.

Schmutzhand

Bald schon vergaß das Knöpfchen sein Pferchen und pantschte mit dem Sirenchen mit Wasser und Sand herum. Ich wühlte in einer Ecke noch ein paar Quecken aus der Erde.

 

Quecke mit Wurzeln

Quecke

Leider musste ich meinen Freunden den Regenwürmern gründlich die Doppeldeckung aufschlagen. Sie flohen in Scharen vom Ausgrabungsort. Nahezu hektisch. Das können Regenwürmer. Sie sind erstaunlich flink.

Gerade in Queckenausgrabe-Meditation angelangt, rief der Sohn nach mir. Er habe einen Splitter. Mit so verdreckten Händen ungünstig. Ich lief rein, wusch meine Hände so gut es ging und holte eine Pinzette. Der Splitter ging zum Glück gut raus und der Sohn ließ die Pinzetten OP das erste Mal in seinem Leben ohne Theater über sich ergehen. Ich grub wieder weiter in der Erde und nahm mir vor noch zwei übrig gebliebene Staudenwurzeln im Vorgarten einzubuddeln. Da schrie das Sirenchen los. Sie hatte sich versehendlich Wasser über Strumpfhose und Schuhe gekippt. Ich sagte, das sei nicht schlimm, dann würden wir gleich sowieso mal rein gehen und uns alle sauber und trocken anziehen. Sie rannte rein, schneller als ich gucken konnte. Das Knöpfchen weinte nun auch, denn auch da war Wasser über Strumpfhose und in die Gummistiefel gelangt. Ich schmiss also alles Zeug hin und half dem Knöpfchen die Stiefel auszuziehen. Dabei bemerkte ich eine veräterische Duftnote. Ich wusch mir wieder die Hände und trug das Knöpfchen nach oben ins Bad. Denn natürlich war mein Windelvorrat im Erdgeschoss aufgebraucht. Auf der Treppe kam mir das Sirenchen im Schlafanzug entgegen. Im Bad fand ich eine fertige Waschmaschine „Ach jaaaaa, die Wäsche….“
Als ich das Knöpfchen entkleidete, stellte sich heraus, dass ich ALLES waschen müsste. Am besten das ganze Kind. Die Windel hatte nicht alles aufhalten können. Meine Hose war auch ziemlich dreckig. Ich verlor einen Dreckklumpen aus dem Hosenbeinumschlag. Und nebenbei bemerkte ich, ich müsste auch mal Pipi. Das mit dem komplett Waschen des Kindes musste entfallen, das Umziehen meiner Wenigkeit und das Pipimachen ebenso, denn im Erdgeschoss kreischte das Sirenchen und dann war es verräterisch still. Auf dem Weg nach unten sah ich aus dem Augenwinkel, dass das Sirenchen ihre nassen Schmutzsachen im Kinderzimmer auf dem Teppich liegen gelassen hatte. 🙁
Das Knöpfchen lief mir hinterher, als ich das Kinderzimmer betrat, um die nassen Sachen zu holen, begann sehr süß zu singen und meinte, sie wolle jetzt spielen. Sie nahm sich eine Kiste und kramte zufrieden. Als ich jedoch nach unten ging, schrie sie los, ich solle bleiben, aber ich musste nachsehen, was die „Großen“ unten veranstalteten. Und Pipi, musste ich auch. Aber: keine Zeit. Das schreiende Knöpfchen kam mir hinterher. Unten saßen die Großen und plünderten ein Osternest. Wo haben die das jetzt genau her? Das war doch da oben….der Stuhl als Leiter! Alles klar.
Ich musste mal. Das Knöpfchen wollte auch Schokolade. Der Garten sah aus…überall Gießkannen und Kännchen, Eimerchen, Schaufeln, die Schuhe, Bälle, leere Kunststoffblumentöpfe…Ich verlor Erdklümpchen… Die Wäsche… Ein Blick auf die Uhr: Abendbrot stand auch bald auf der Agenda:
„Kinder, wollt ihr vielleicht eine DVD gucken????“ Sie wollten natürlich. Welch Glück! Aber sie stritten um welche Folge es gehen sollte. Ich merkte, ich müsse nun mal ganz dringend Pipi und suchte hektisch nach der Fernbedienung. Das Knöpfchen wollte zudem von mir zugedeckt werden. Wir fanden die Fernbedienung nicht, die Kinder einigten sich auf eine bestimmte Folge und ich startete in der Hoffnung die Lautstärke möge stimmen. Am Fernseher selbst kann man das nicht steuern. Aber die Lautstärke war annhembar. Da saßen sie gebannt. Ich hechtete zur Toilette, sammelte im Garten alles zusammen, was besser drinnen aufgehoben ist. Ließ aber alles andere stehen wie Kraut und Rüben und verschwand nochmal schnell mit meinen zwei Staudenwürzelchen in den Vorgarten.

Danach reinigte ich erneut meine Hände….mann, sind die jetzt trocken von der Erde und dem vielen Gewasche. Wo ist die Creme?
Als die Sendung vorbei war, kochte ich auf Wunsch der Bande noch Nudeln mit Pesto zum Abendbrot.

Die nächste Aktion ein paar Tage später sollte als Terrassenbegrenzung  Hochbeete zu bauen sein. Für Kräuter. Der Herr Papa kann sowas zum Glück sehr gut. Allerdings kommt man da mit Kindern auch nicht schnell vorran. Er schaffte gerade mal eine Kiste ohne Boden. Die aufgeregte Kinderschar reichte zwar bereitwillig Bretter und Schrauben an, aber wollte dann auch immer die Kiste als Piratenschiff haben.
Da steht sie denn jetzt auch umgedreht mit provisorischem Mast und Segel. Der entzwei gebrochene vertrocknete dicke Stengel einer Sonnenblume vom Vorjahr dient als Ruder und die Kinder sind glücklich und zufrieden. Die Hochbeete werden bei nächster Gelegenheit weiter gebaut. Bis dahin stechen hier wilde Piraten in See.

  2Comments

  1. Beatrice   •  

    Hey Beatrice!
    Ich weiß gar nicht mehr recht, wie ich auf deinem Blog hier gelandet bin, aber ich hab irre Spaß beim Lesen! Es ist beinah alles wie bei mir zu Hause, nur hab ich zwei kleine Jungs (fast 2 und fast 5) und manchmal auch die Nachbarskinder dabei. Das ist schon mal leicht chaotisch bis nicht mehr überschaubar, was da an Zeug im Garten rumliegt und passiert.
    Wir haben jetzt zwei bis drei Projekte im Garten laufen, die Pergola bauen, ein Hochbeet vollenden, alle Holzmöbel und die Treppe neu lasieren. Natürlich noch etliche Pflanzen umsetzen. Eigentlich nicht zu schaffen bis der Frühling um ist, aber wir lassen es drauf ankommen 🙂

    Ganz liebe Güße
    (ebenfalls) Beatrice

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Hallo und willkommen liebe Namensvetterin! 😀

      Ich freu mich, wenn´s dir gefällt! Ach ja, der Garten. Das macht schon Spaß. Letztes Jahr ging mir alles nicht schnell genug. Aber dieses Jahr hab ich mich schon entspannt. Immer ein bisschen hier und da wird was umgesetzt, neugepflanzt und ergänzt. Ist auch schön die kleinen Veränderungen zu sehen. Wie mit den Kindern. 😀

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.