Über unseren Kater und ein besonderes Buch (Rezension)

Ich wollte schon länger mal erzählen, dass ich hier mit unserem Kater etwas Besonderes beobachten kann. Die Katzen waren vor den Kindern da und vor allem für den Kater war es nicht leicht, plötzlich seine exclusive Position mit Kindern zu teilen. Vor allem die Geburt des überaus lauten zweiten Kindes, dem Sirenchen, setzten ihm zu. Dennoch hat er heute zu ihr die engste Beziehung.

Unser Sirenchen ist zwar ein energiegeladenes Kind, aber gleichzeitig sehr feinfühlig. Sie kommuniziert weniger über Worte, als viel mehr durch körperliche Signale. Wahrscheinlich versteht der Kater genau das auch besser, als die ganzen Worte.

Die lauten Temperamentsausbrüche vom Sirenchen sind für die Katzen von der Lautstärke her schwer zu ertragen. Zum Glück sind die Ausbrüche seltener geworden, aber hin und wieder kochen sie in bekannter Weise nochmal hoch. Das Sirenchen ist dann in ihrem emotionalen Sturm gefangen und nur schwer dort hinaus zu holen. Unser Kater hat das ganz klar erkannt.
Vor allem morgens ist das Sirenchen mit Vorsicht zu genießen. Sobald die Kinderzimmertür aufgeht, gesellt sich aber der schlaue Kater zu ihr. Und wenn sich beim Sirenchen morgens ein „nervous breaktdown“ ankündigt, geht unser Kater erst recht zielstrebig auf sie zu und schmiegt sich schnurrend an sie. Sie beruhigt sich dann ungewohnt schnell und ist wieder ansprechbar. Es kommt gar nicht zur Eskalation.

Ich finde das bemerkenswert.
Und ich bin dem Kater sehr dankbar, denn mich lässt das Sirenchen in der Situation nicht an sich heran.
Ach, der gute, schlaue Kater.

Solche Geschichten mag ich. Und es ist nicht die einzige in dieser Art, die ich erzählen könnte. Ich werde auch nicht müde meinen Kindern Respekt, Mitgefühl und Achtung vor Tieren beizubringen. Tiere fühlen und begreifen mehr, als wir glauben. Ich finde es deshalb auch erschreckend, wie achtlos viele Menschen mit Tieren umgehen.

Das Buch

Wem das ebenso geht und obendrein auch gerne wahre Geschichten erzählt bekommt, für den habe ich einen Buchtipp. Für Erwachsene Tierfreunde, welche die es werden wollen und Kinder ab 6 Jahren.

Ich durfte das Buch „Unsere unbekannte Familie- Wahre Geschichten von Tieren und Menschen“ von Jürgen Teipel rezensieren. Es ist im Suhrkamp-Verlag erschienen.

In dem Buch hat Jürgen Teipel Erzählungen aus der ganzen Welt gesammelt und diese sind so aufgeschrieben, wie die Menschen ihre Geschichte erzählt haben. Das macht das Buch sehr lebendig. Es ist, als hört man die Erzähler selbst sprechen.
Ich mochte das Buch auf Anhieb. Ich selbst liebte schon als Kind die Geschichten von meinen Omas und Opas, lebendige echte Geschichten aus ihrem Erfahrungsschatz, von Angesicht zu Angesicht vorgetragen. Und so sind diese Geschichten in Jürgen Teipels Sammlung auch.

Es geht immer um besondere Momente zwischen Menschen und Tieren. Manche sind schön und lustig, manche auch traurig und immer anrührend.  Wildtiere, als auch Haus- und Nutztiere sind die Protagonisten. Vieles scheint verblüffend und doch, wenn man mit Tieren zusammen lebt, wundert es nicht.
Es zeigt, dass man sich Zeit für jedes Lebewesen nehmen sollte und dann so manches Mal überraschende Dinge erleben kann. Kommunikation findet nicht nur über unsere Sprache statt. Man muss das nur erkennen und zulassen.

Bevor man eine Geschichte aus dem Buch Kindern vorliest, sollte man sie einmal quer lesen und die emotional etwas schwierigeren Geschichten weg lassen oder die entsprechende Passage passend erzählen. Denn manchmal geht es auch um den Tod.
Dabei finde ich das nicht schlimm. Denn es gehört zur Natur. Und die Geschichten bieten dadurch auch viele Gesprächsanreize. Mein 7jähriger Sohn ist sehr interessiert und hört gerne zu und hat oft Fragen zu den Geschichten.
Ein schönes Buch für große und kleine Tierfreunde, das vielleicht den Blick auf die eigenen Haustiere noch einmal verändert.

  6Comments

  1. Anke   •  

    Oh, da hätte ich auch eine schöne Geschichte für dieses Buch! 🙂 Als ich 12 war, hat unsere Katze Junge bekommen (ja, wir waren so blöd, dass wir unbedingt einmal kleine Kätzchen haben wollten. Wir haben sie aber alle untergebracht und sie wurden alle kastriert, ebenso wie unsere Katze danach). Die kleinen Katzenbabys machen ganz charakteristische Fieplaute.
    Eines Tages war unsere Katze Juli im Garten unterwegs und die Babys wurden unruhig. Vermutlich waren sie hungrig. Also ging ich raus und versuchte, unsere Katze herbei zu locken. Sie war aber auch nach mehrmaligem Rufen unauffindbar, daher probierte ich es so, dass ich das Fiepen der Babys nachahmte. Kaum hatte ich damit angefangen, da stürmte unsere Katze aus einem Gebüsch, schoß mit einem Miauen an mir vorbei und lief zu ihren Kleinen. 🙂 Ich fand das schon damals so süß, besonders das Miauen im vorbeihuschen, als wolle sie „Danke“ sagen. Vielleicht interpretiere ich da aber auch zuviel rein. 😉

    • Beatrice   •  

      Ich glaube nicht, dass du zu viel hinein interpretierst. Das erste Gefühl stimmt meist.

  2. Kathrin R.   •  

    Ich glaube viele Tiere spüren einfach sehr fein. Unsere Katze hat die Woche als ich mit hohen Fieber im Bett lag, den ganzen Tag nach mir gerufen und ist nicht mehr von meiner Seite gegangen, wenn ich mal aufgestanden bin….Lg Kathrin

    • Beatrice   •  

      Sowas konnte man auch bei der Katze meiner Großeltern beobachten. Als mein Opa sehr krank war, lag die Katze immer bei ihm.

  3. Melanie   •  

    Also erst mal großes Kompliment an dich,für diesen tollen Blog. Ich bin eine zweifach jungen Mama, aber ich erkenne mich und einige Situationen aus unserem Alltag trotzdem hier wieder. und ja, hin und wieder schöpfe ich auch Mut, mit einen, puh Schwein gehabt, es gibt auch andere bei denen es so ist. 😉 Danke dafür 🙂
    unser Kater war auch schon vor den Kindern da. Allerdings hat er sich schnell an die rabauken gewöhnt und lässt so ziemlich alles mit sich machen. Er hat sich sogar schon mal eine nette Frisur von den Kindern schneiden lassen . (der arme sah aus wie Lochfraß) Neuerdings meint er aber er müsste unseren großen
    Sohn beschützen und hat schon ein Besuchs Kind angeknurrt, weil unser Sohn so geschrien hat. (die Kinder hatten sich gekitzelt)
    Vielleicht wird der Kater aber auch langsam dement.
    Liebe Grüße Melle

    • Beatrice   •  

      Vielen Dank. 🙂
      Mich erleichtert es ebenso zu hören, dass es anderen genau so oder zumindest sehr ähnlich geht.
      Eine beschützter Katze hab ich auch noch nicht erlebt. Wie toll! Sowas kennt man ja eher von Hunden.

      LG

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