Der Kindergeburtstag vom Vorschulkind

Ach, so ein Kindergeburtstag ist doch ein Kindergeburtstag. 

Denkst te.

Ich blicke nun auf ein paar Kindergeburtstagserfahrungen zurück und muss sagen, dass es nichts gibt, was es nicht gibt. Vor allem kann man nichts kalkulieren.

Die eine Runde frisst einem buchstäblich die Haare vom Kopf, die andere rührt fast nichts an. In der einen Runde wird Nudelsalat gemocht, in der anderen mag der eine die Erbsen und wieder ein anderer den Mais nicht. 

Ein und die selben Spiele kommen ebenfalls jedes Mal unterschiedlich gut an.

Ob man aufwendig oder puristisch vorbereitet macht auch keinen Unterschied.

Es scheint da aber auch Moden zu geben.

Während ich mich an unsere Begeisterung für Topfschlagen in meiner Kindheit erinnere, möchte das heute irgendwie niemand mehr spielen. 

Stattdessen wünschte sich das Geburtstagskind dringend „die Reise nach Jerusalem“ (warum heißt das Spiel eigentlich so? Das muss ich mal recherchieren) und auch die Schwester jubilierte vor Freude. Wie sich zunächst heraus stellte, waren auch die Gäste Feuer und Flamme. Aber beginnen wir von vorne.

Ich bestellte beim Bäcker einen Schwung Berliner als Darreichung zum „Kafffekränzchen“. Die Woche ist nämlich nachmittags immer voll mit den Sporttterminen der Kinder und mit dem Baby kann ich nie 100% sicher sein, dass mir morgens die Zeit zum Backen gegeben ist. Abends kann ich weiterhin nichts machen, denn ich gehe ja mit den Kindern schon zu Bett. (Wobei ich in Erwägung ziehen sollte, dann einfach nachts solche Dinge zu erledigen. Mein Schlafrythmus verschiebt sich gerade und ich bin nachts um 3 Uhr wach. Wie auch gerade, dann kann ich auch einfach nen Text schreiben, bis das Baby merkt, dass ich weg bin. Aber ich schweife ab.) 

Sechs Gäste waren geladen. Ein Gast fiel wegen Krankheit leider aus. Die übrigen 5 fanden sich ziemlich zeitgleich ein, stopften mir quasi Geschenke und Jacken in die Hände und liefen fröhlich juchzend um unsere Kücheninsel,  als hätten sie sich genau dazu verabredet. Unser Hummelchen hatte bis dahin in der Trage geschlummert, (leider hatte sie einen Wenig-Schlaf-Tag), wachte jedoch vom Tumult auf.

Ich sortierte Jacken und Geschenke erstmal zur Seite und ließ sie gewähren. Als bald wollten sie essen und verdrückten hauptsächlich Gummibärchen, die neben Berlinern und  mit Schokolade beträufelten Apfelschnitzen auf dem Tisch standen. Ein paar Berliner wurden auch gegessen. Aber es blieben einige übrig. 

Die Tischkonversation sah wie folgt aus:

-Hast du etwa nur so wenige Kinder eingeladen? (Der Tonfall ließ vermuten, das Kind schöbe noch ein: „Also ICH lade ja immer viel mehr Kinder ein! Oder: Also ICH habe ja mehr Freunde als DU!“

Das Geburtstagskind war etwas irritiert. Ich antwortete schnell für sie, dass meine Kinder immer nur so viele Kinder einladen dürften, wie sie alt wären und ein Gast leider krank sei.

Dann wieder das fragende Kind: -Was machst du eigentlich für ne Party? Ne Ballerina Party oder was?

-Na, ne Häschenparty! rief das Geburtstagskind entrüstet.

Nun blickte das fragende Kind irritiert. Was ich verstehen kann, denn es gab keine Motto Party, sondern eine bunte Mischung von allem, was dem Geburtstagskind so gefiel. Und weil auf der Einladung Häschen waren, nannte sie es Häschen-Party.

Ich also: Das ist halt eine bunt gemischte Party!

Damit waren weitere kritische Fragen abgeschmettert. Aber ich fragte mich, ob ich denn jetzt wirklich immer ein festes Motto organisieren muss. Ich muss sagen, dass ich mich auch immer im Spannungsfeld sehe: Geburtstagskind glücklich machen, was bedeutet, Gäste auch zufrieden stellen, damit hinterher keiner sagt Deine Party war doof. Selbst wenn das Geburtstagskind zufrieden war, wäre das irgendwie ein blödes Gefühl.

Dann riss, ganz untypisch, das wilde Mädchen die Konversation an sich und drehte richtig auf. Sie machte den Clown. Das hatte ich bei ihr noch nie erlebt. Eine irritierende Situation.

Ich fragte, um dem Ganzen wieder etwas Spur zu verpassen, ob denn das Geburtstagskind nicht mal die Geschenke auspacken wolle. Sie wollte allerdings nicht 😳, sie wollte zuerst ein Häschen-Spiel spielen und hoppelte als Hase um die Kücheninsel. Zwei Kinder stiegen ein, aber das Spiel verlief dann im Sande, weil das wilde Mädchen das Kommando an sich riss und die Geburtstagsgäste verwirrte. Ein Teil der Kinder entschwand dann mit sämtlichen, für ein späteres Spiel vorbereiteten, Luftballons in die Kinderzimmer.

Es endete dann doch darin, dass die Geschenke ausgepackt wurden. Aber nur im Beisein von zwei Gästen.

Ich geleitete schließlich die restlichen Kinder auch nach oben, dort hatten der Sohn und das wilde Mädchen im Zimmer des Geburtstagskindes schon „die Reise nach Jerusalem“ vorbereitet.

Ich fiel jedoch nicht rückwärts, sondern mit dem Baby vor dem Bauch fast vorwärts um, als ich den Raum betrat und vermerkte auf meiner imaginären Liste, dass ich die Aufräumarbeiten unbedingt beim nächsten Mal kontrollieren muss, anstatt mich darauf zu verlassen. Die tanzwütigen Gäste hatten nicht wirklich viel Platz, um um die Stühle zu laufen.

Im Zimmer des Geburtstagskindes standen in der Mitte kleine Stühle, soweit war alles tiptop, aber drum herum in erdrückender Enge waren Spielzeugkisten und ein Wäschekorb platziert. Das, was eigentlich aus dem Zimmer heraus geschoben hätte werden sollen am Vortag, war einfach nur zur Seite geschoben worden.  Ach, den Kindern schien es egal zu sein. Als momfail abgehakt. Ich klaubte derweil die mit Helium gefüllten Ballons zusammen und brachte sie wieder nach unten.

Als ich wieder oben ankam, war das Spiel jedoch noch nicht gestartet, da das wilde Mädchen auch hier das Oberkommando haben wollte und sich böse mit dem Sohn stritt, dem ich die Musikgewalt erteilt hatte. Es gab eine Diskussion darum und nebenbei verlor eine Gästin noch einen Wackelzahn. Während ich mir ihr kurz nach unten entschwand, um ein Glas Wasser zu reichen und den Zahn in sichere Aufbewahrung zu bringen, kam der Sohn laut weinende nach unten. Das wilde Mädchen hatte ihm eins verpasst und die Kontrolle an sich gerissen. Mir ging die gute Grille flöten, denn das wilde Mädchen ist seit Tagen wieder völlig neben der Spur und so gab ich unmissverständliche Order, dass sie sich nun erstmal disqualifiziert hätte und brachte sie zum Mann, der sich, ( in dem Fall nun praktischerweise zusammen mit den Katzen in einen ruhigen Raum zurück gezogen hatte), zwecks Klärung des seltsamen Verhaltens. Ich gab das wilde Mädchen in seine Obhut und entschwand wieder zu den Spielwütigen.

Das Kind, welches schon die kritische Fragerunde beim Essen aufgemacht hatte, ertrug nicht, dass es bei „der Reise nach Jerusalem“ mitten im Spiel ausschied. Der sterbende Schwan machte einen leisen, aber theatralisch dramatischen Abgang nach unten. Schwer beleidigt wurden auch die Versuche der Freundinnen sie wieder dazu zu holen abgewehrt.

Eines der jüngeren Kinder ahmte es nach, als es ausschied.

Ich fragte, ob wir lieber etwas anderes spielen sollten. Aber nein, der Rest der Truppe wollte unbedingt DIESES Spiel wieder spielen und sowieso ja noch eine weitere Runde und überhaupt. Ok.

Die „tragisch“ ausgeschiedenen Kinder fanden sich dann doch wieder mit ein. Aber als die nächste Runde wieder nicht nach ihren Vorstellungen verlief, verließen sie wieder  beleidigt die Räumlichkeiten. Am Ende brach das Geburtstagskind dann auch noch lauthals  in Tränen aus, weil sie auch nicht gewonnen hatte.

Der Sohn und ich hatten uns alle Mühe gegeben alles absolut korrekt und fair zu beobachten. Aber bitte sehr. Das nächste Mal nehme ich keine Stühle mehr weg. Dann sitzen immer alle und keiner heult. Ich nenne das Spiel dann einfach: Stuhltanz mit Pause oder so. 

Wir wandten uns dann einem anderen Spiel zu.

Auch gewünscht und durchaus eine lustige Sache.

Das Luftballonspiel. An die Luftballons wird an einer Schnur Esspapier geknotet und dann müssen die Kinder mit den Händen auf dem Rücken das Esspapier von der Schnur knabbern. Wer zu erst fertig ist, hat gewonnen. Wer die Hände benutzt, muss unterbrechen und eine kleine „Straf“-Runde laufen. Sonst haben wir das immer im Garten gespielt. Die Ballons an der Wäscheleine befestigt. Aber es war einfach zu schlechtes Wetter. Diesmal flogen die Ballons mit Helium gefüllt selbst im Raum.

Dieses Spiel lief reibungslos und gleich zweimal. Und alle glaubten, sie hätten gewonnen. Um weitere Tränen zu vermeiden, ließ ich sie in dem Glauben.

Während der Sohn dann auf mein Geheiß im Wohnzimmer noch einen Tunnel aus Decken und Stühlen für eine „Schatzsuche“ vorbereitete, rannten die Kinder wieder um die Kücheninsel. Die Fensterbank wurde dabei halb abgeräumt. Das hat es bisher auch noch nicht gegeben. Immer noch das Baby in der Trage, brachte ich das Chaos in Ordnung und war froh, dass dann die „Schatzsuche“ stattfinden konnte.

Das Wohnzimmer war nun fast ganz dunkel und die Kinder mussten einzeln mit dem Sohn zur Begleitung in das Wohnzimmer und durch den Deckentunnel kriechen, um am Ende einen kleinen Schatz aus einem Körbchen zu nehmen. In diesem Fall war der Schatz für jedes Kind ein pinker „Diamant“.

Das Geburtstagskind wollte zuerst, bekam aber dann einen weiteren lauten Heulanfall. Es sei ihr zu dunkel zu gruselig und ich sei Schuld. In Sorge, die anderen könnten mit in das Drama einsteigen, kam es aber anders. Die anderen fanden es voll gut und wollten noch eine zweite Runde. Im völlig Dunkeln. Naja, ganz dunkel war es nicht, das Aquarium spendete etwas Licht. Ich hatte es allerdings der Fische wegen mit einem Handtuch abgehängt, weil die Fische sich sonst erschrecken, wenn alle naselang ein paar Kinder davor herum springen. Die zweite Runde Schatzsuche im Dunkeln verzögerte sich aber zunächst. Der Mann tauchte mit dem wilden Mädchen wieder auf. Das wilde Mädchen hatten sich beruhigt und wollte wieder mit machen. Jedoch mischte sie sich wieder äußerst dominant in das gerade gut laufende Geschehen ein und wollte das Kommando an sich reißen, was wir dann erst wieder diskutieren mussten.

In der zweiten Runde legte ich eine Süßigkeit ins Körbchen, welche die Hälfte der Kinder nicht mochte und die ich dann eintauschen ließ, gegen einen Schokoriegel. Bitte sehr.

Ein Blick auf die Uhr sagte mir dann, dass es Zeit für die Bastelrunde sei. Das war auch für die Kinderschar genau passend. Wirklich ruhig und ausdauernd bastelten und klebten sie vor sich hin. Das hätte ein deutlich längeres Zeitfenster bekommen dürfen. Aber das weiß man auch nie, Manchmal sind Kinder ja nach 10 Minuten fertig und haben keinen Bock mehr auf Basteln, oder aber es läuft super und mit Begeisterung. 

Ich hatte fertig geschnittenen Pferdeumrisse auf etwas robusterem Papier und jede Menge Glitzerzeug, Kleber und Stifte parat. Die Kinder waren wunderbar und ganz zauberhaft beschäftigt.

Wir mussten sie schließlich bitten zum Ende zu kommen und noch auf den Basteltisch stellte der Mann, unser Abendbrotbeauftragter, Kroketten und Bratwürstchen.

Im Gegensatz zur Herrenrunde vom Sohn neulich, gingen diesmal die Bratwürstchen (übrigens Bio Bratwürstchen aus guter Haltung) alle restlos weg und von den Kroketten blieben viele übrig. Es wurden sogar Bratwürstchen nachgefordert. Aber die waren tatsächlich alle aufgefuttert.

Und dann stoben auf die letzten 5 Minuten nochmal alle in unterschiedliche Räume. Die einen bauten im Wohnzimmer eine Höhle mit dem Tunnelzubehör. Andere verdingten sich im Kinderzimmer. Und schon klingelte es und die Eltern hatten Mühe die Kinder wieder einzusammeln.

Wir waren alle ziemlich müde danach. Die Kinder fielen vor dem TV in sich zusammen und aßen noch die restlichen Kroketten. Und ich musste unser Hummelchen dringend zu Bett bringen, weil sie völlig fertig und nölig war.

(Was mit dem wilden Mädchen los ist derzeit, konnten wir auch noch heraus filtern. Aber das ist eine andere Geschichte.)

  1 Comment

  1. Avatar Jana   •  

    Ich habe mir direkt mal eine „Ideen für Kindergeburtstag“-Liste angelegt. Danke für den Beitrag. Das Pferd sieht wirklich toll aus?

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