Geschwister-Zusammenführung nach der Geburt

Der erste Kontakt

Es sind wieder viele schwanger derzeit. Und viele erwarten das zweite Kind.
Man macht sich viele Gedanken, wie es wohl wird mit zwei Kindern, vor allem wenn der Abstand nicht besonders groß ist.
Man bereitet die Kinder auf das Geschwisterchen vor. Mit Büchern und Geschichten, Bildern. Der Bauch wächst. Es wird sichtbar, dass etwas Besonderes bevor steht. Man hofft, dass die älteren Geschwister nicht mit Eifersucht reagieren.
Ältere Kinder verstehen sicherlich schon ganz gut, was wird und freuen sich endlich das Geschwisterbaby zu sehen und auch auf dem Arm zu haben. Jüngere Kinder aber verstehen das alles noch nicht so richtig. Es ist sehr abstrakt.

Unser Kinderarzt gab uns damals, als ich mit dem zweiten Kind schwanger war einen Tipp. Da wäre ich persönlich nicht drauf gekommen (Andere vielleicht schon). Ich fand es schlüssig und war dankbar. Und letzt endlich war es super süß mit anzusehen. Allein dafür hat es sich gelohnt.

Wenn das „große“ Geschwisterkind nach der Geburt das erste Mal zur Mama kommt, sollte die Mutter nicht mit dem Säugling im Arm da stehen, sitzen, liegen. Die Mama sollte frei und in dem Begrüßungsmoment NUR für das ältere Kind da sein. Jemand anderes kann das Baby in der Zeit halten. Oder es liegt in einem Bett oder sonst wo. Ganz egal. Das ältere Geschwisterchen sollte das Baby „finden“.

 

Die Praxis sah dann wirklich so aus:

Der Sohn war gerade 18 Monate alt, als das Sirchenchen geboren wurde. Da ich eine Hausgeburt hatte waren wir also zu Hause. Meine Mutter hatte den Sohn in der Zeit bei sich zu Hause betreut und rief an, bevor sie losfuhr. Ich legte das Sirenchen kuschelig in das Babybett, welches auch schon eine ganze Weile aufgebaut im Kinderzimmer neben dem Bett vom Sohn gestanden hatte. Auch als mentale Vorbereitung.
Als Oma und Sohn ankamen begrüßten wir uns. Der Sohn tippelte ersteinmal in gewohnter Manier durch alle Räume und nahm keine Notiz vom Baby. Ich kuschelte ein bisschen mit ihm und fragte, wie es denn bei der Oma gewesen sei. Dann begann er sogleich mit einem Spielzeug-Laster zu spielen. Wir musste uns ein bisschen gedulden, dann begann das Sirenchen leise zu quengeln. Als der Sohn das leise Geräusch hörte, hielt er sofort inne und sah sich um. Es kam direkt aus dem Bett 4 Schritte neben ihm. Voller Überraschung trat er an das Bett und rief voller Begeisterung und Verwunderung aus: „ DAAAA! BEEEBY!!!“ Das wiederholte er mehrfach und war ganz fasziniert. Minuten vergingen so. Der große Bruder staunte und zeigte immer wieder aufgeregt auf die kleine Schwester. Dann fing das Sirenchen an zu weinen. Offenbar hatte sie Hunger. Der Sohn sah mich auffordernd an und sagte: „Mama! BEEEBY weint! Mama!“ und zeigte aufgeregt auf die kleine Schwester und auf mich.

Damit war der erste Schritt getan. Ich nahm das Sirenchen aus dem Bett und sagte, dass sie vielleicht Hunger hätte. Ich legte sie an und der Sohn setzte sich interessiert daneben. Er streichelte ihr vorsichtig über den Kopf. Es war rührend. Von da an war klar, dass ich zuständig war, wenn das Baby weinte. Und wir machten es beim Stillen immer so, dass ich mich irgendwo hinsetzte, wo er sich neben mich kuscheln konnte. Meistens lasen wir nebenbei Bücher. Das klappte gut. Oft setzte ich mich auch im Kinderzimmer auf eine dicke Matratze auf dem Boden. So konnte ich beim Stillen weiter „Mitspielen“ beim Legobauen oder Eisenbahnschieben. Ich war sozusagen immer da, auch wenn ich „besetzt“ war.

 

Als das Knöpfchen zur Welt kam war der Sohn gerade 3 Jahre alt und das Sirenchen 20 Monate. Wir handhabten die erste Begegnung wie die erste. Der Sohn war schon etwas informierter und aufgeklärter und ja nun auch ein „Alter Hase“. Das Sirenchen aber war ein Temperamentsbündel und sehr explosiv, deshalb war ich da besonders gespannt, wie sie reagiert. Ich rechnete fest mit Eifersucht. Aber die Situation lief genauso, wie beim ersten Mal.

Das Knöpfchen lag im Bettchen, als die großen Geschwister mit der Oma ankamen. Wir begrüßten uns und kuschelten. Der Sohn suchte aber von sich auch schon nach der neuen Schwester und fand das Baby schnell. Er winkte das Sirenchen herbei und beide standen sie staunend vor der kleinen Schwester. Es vergingen wieder Minuten. Wirklich andächtig bestaunten sie das Baby.  Auch diesmal weinte das Baby leise los. Und das Sirenchen war ganz aufgeregt, denn obwohl sie viel Temperament hat, ist sie auch sehr mitfühlend. Sie merkte an, das Baby weine und bedeutete mir, ich solle es nehmen. So machte ich das und dann saß ich stillend mit 2 Kindern neben mir gekuschelt. Der Start war in jedem Fall gelungen und auch das Sirenchen zeigte keine Eifersucht und verteilte Küsschen. Babys die weinen gehören zur Mama. 😀

Es war insgesamt sehr rührend!

 

Ansonsten habe ich die großen Geschwister bei allem immer so viel mit einbezogen, wie nur irgendwie möglich.  Es war immer Gruppenkuschelzeit, wenn sie es denn wollten. Und ich habe ihnen immer wieder gesagt, dass ich sie als Babys genauso viel getragen und gestillt habe.

 

Ein anderer Tipp war, dass Besucher nicht zuerst auf das Baby los stürmen, sondern immer zuerst die älteren Kinder begrüßen.
(Dass man als Mutter die meiste Zeit, vor allem am Anfang ständig „übersehen“ wird, damit konnte ich gut leben. :-D)

Irgendwie hat das alles gut geklappt. Ob es Zufall ist, oder an den beherzigten Tipps lag. Keine Ahnung. Bis heute zu fühle ich aber, wie sehr die drei eine Einheit sind. Sie teilen sich auch weiterhin ein Kinderzimmer.

 

Vielleicht habt ihr ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder es es ganz anders gehandhabt. Wie habt ihr den „Ersten Kontakt“ erlebt?

 

  7Comments

  1. Avatar Anke   •  

    Wir haben vorher einen zweitägigen Geschwisterkurs gemacht, da wurde dem Alter entsprechend gezeigt, wie das so für ein Baby im Bauch ist (Decke übern Kopf und mit der Taschenlampe anleuchten, denn ein bißchen Licht sehen die Ungeborenen ja schon durch die Bauchdecke), wie es dann rauskommt (mit einer Puppe) und wie man das Neugeborene dann badet (d durften die Kinder dann eine Puppe baden) usw. In der Pause konnte man sich passende Bücher anschauen und am Ende gab es ein Geschwisterdiplom. Das fnd ich sehr schön. Ob es geholfen hat, weiß ich nicht, aber sie redete noch tagelang darüber. 🙂
    Und dann habe ich noch vor der Geburt zwei Kuscheltier-Katzen genäht und der Großen erzählt, das neue Baby hätte ihr und sich jeweils eine Katze mitgebracht. Viel geholfen hat es aber leider nicht, wir hatten schon sehr mit Eifersucht zu kämpfen. 🙁

  2. Avatar Frühlingskindermama   •  

    So haben wir es im Krankenhaus auch gehandhabt. Ich hatte den Tipp im Geburtsvorbereitungskurs bekommen. Die kleine Schwester hat dem Bruder sogar ein Geschenk (einen Bagger) „mitgebracht“. So konnte er gleich damit spielen und erinnerte sich noch lange später daran, dass das der Schwester-Bagger war. Die Eifersucht kam bei uns eigentlich erst so richtig, als die Kleine mobil wurde. Damit wurde sie zwar interessant für ihn, aber eben auch zur Konkurrenz.
    Eure Altersabstände … Respekt!
    Liebe Grüße!

  3. Avatar Frühlingskindermama   •  

    Da fällt mir gerade auf: man kann bei Dir gar keine Folgekommentare abonnieren. Da weiß man gar nicht, was Du antwortest ..

    • Avatar Beatrice   •  

      Jaaa, da hast du Recht. 😁 Ich hab da noch ein paar Dinge, die mal optimiert werden müssen. Kommt, bald! 🙂

  4. Avatar Lindebluete   •  

    Wir hatten es unbewusst auch so gemacht.

    Und auch heute heißt es immer Baby zu Mama.
    Papa darfauf garkeinen Fall halten. ;D

    • Avatar Beatrice   •  

      😀

  5. Avatar Steffy   •  

    Als der Große seinen Bruder (damals 4,5 Jahre) im Krankenhaus das erste mal sah fand er ihn eher unspannend und wollte wieder zur Oma weiter spielen (er hatte sich ja ne Schwester gewünscht) da war ich ein bisschen enttäuscht erst. Aber dann wurden die beiden ein immer engeres Team, je älter das Brüderchen wurde desto ontensiver die Beziehung. Streiten wie die Kesselflocker aber trotzdem immer füreinander da sein 😉 und als dann das Schwesterchen kam ist der Große (dann schon 8) aufgeblüht. Von Anfang an so innig und liebevoll, ich hab nie verlangt dass er sich so um die kümmern müsste wie er das tut. Und der Kleine liebt seine Geschwister beide sehr. Erstaunlicherweise ist er trotz seines Temperaments gar nicht eifersüchtig gewesen, sondern er wirkt eher so als wär er froh dass er so immer jemand zum Spielen, Betuddeln, Toben und Spaß haben hat.
    Und die Kleine vergöttert ihre Brüder. Soe sind ein großartiges Team. Ich hoffe das bleibt so 😊

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