Mama braucht eine Pause! Nur kurz aber dringend!

Um eins vorweg zu schicken:

Ich bin gesellig und mag es, wenn um mich herum Leben ist. Ich habe noch nie alleine gewohnt. Das wäre mir zu still. Ein Radio kann das nicht ausgleichen. Ich mag auch Zivilisationsgeräusche und das Stadtleben oder wenigstens eine Stadt ganz in meiner Nähe.

Ich mag auch wenn meine Kinder durchs Haus tollen.

Aber ganz manchmal, möchte ich Ruhe haben und einfach nichts mehr sprechen müssen! Das will dann was heißen.

Gestern war so ein Tag. Wochenlang wird das Knöpfchen schon von Wutausbrüchen gebeutelt. Mal mehr, mal weniger schlimm. So langsam haben wir beide raus, wie wir mit der Trotzphase klar kommen. Ich bewege mich dennoch die ganze Zeit auf einem Tretminenfeld.
Auch seit Wochen läuft ständig ein Hörspiel nebenbei. Ich werde also dauerbeschallt. Es ist zu allem Überfluss immer das gleiche und der Sohn kann es schon auswendig rezitieren.
Das Knöpfchen macht auch nur noch an Vollmond und ungeraden Tagen Mittagsschläfchen. Das bedeutet für mich keine wirkliche Pause über den Tag.
Dann waren die Mädels ein bisschen malad und fieberten. Geheule im Chor. Gestern waren sie definitiv wieder fit und erwachten zu neuem Leben. Als hätten sie wochenlang im Ruhemodus gelegen. Sie rannten mit ausgepackten Tampons (unbenutzt versteht sich) als Armbänder und Ohrringe durchs Haus. „Mama, guck mal, wir haben Perioden!“ schallte es fröhlich dazu. 🙁 😀
Vormittags musste ich dringend einen Drogerieeinkauf machen. Der Sohn und das Knöpfchen wollten mit. Ich mag es gern schweigend vor mich hin zu fahren. Ich musste aber die ganze Zeit zuhören und Fragen beantworten. In der Drogerie bangte ich um Regale und Kunden und musste die Einkaufswagen-schiebenden Kinder ständig maßregeln.
Zu Hause entschied ich einen Ausflug zu einem nahegelegene Erlebnisbauernhof zu machen. Da gibt es Trampoline, eine Strohtenne, einen Spielplatz, Tiere und Essen (und keine Hörspiele :-D). Dass es dort voll sein würde war mir egal. Da der Herr Papa ab Nachmittags auf einem Junggesselnabschied war, musste ich den Tag irgendwie rum kriegen,
Ich spendierte vor Ort die von den Kindern gewünschten Waffeln MIT KIRSCHEN. Dringend gewollt! Ich aß die Kirschen dann alle alleine. Die Kinder mochten sie nicht. (Die waren aber auch süß…brrrrr)
In der Strohtenne war es nicht ganz so voll, was angenehm war. Die Mädchen tobten sich im Stroh und auf einem Trampolin aus. Der Sohn saß etwas müde neben mir und beobachtete. Wir radelten irgendwann nach 4 Heim.
Dabei kamen wir an einem Feld vorbei. Die Sonne beschien uns warm und man hörte nichts, außer das leise Rollgeräusch der Fahrräder.
Die Stille an so einem Feld ist anders, als in einem Haus. Ich mag die Stille in Feldern sehr gerne. Und ich atmete innerlich kurz auf. Ich wünschte, ich könnte anhalten und für ein paar Minuten diese Feld-Stille genießen.
Aber natürlich quasselten die Kinder dazwischen und hatten Durst und wieder Hunger. Auch mein Hinweis, sie sollten mal lauschen….nö. Gequassel.
Ich bat sie bis zu Hause doch einfach mal nix zu sagen. Gelang nicht.
Zu Hause erwachte der Sohn zu neuem Leben und fing an, die Mädels zu triezen.
Gern hätte ich dann stumm das Abendbrot gerichtet. Aber auch da wurde ich belagert, voll gequasselt und nicht in Ruhe gelassen.
Schließlich brachte ich die Kinder ins Bett. Im Bad gab´s den üblichen Wahnsinn. Im Kinderzimmer gab´s dann ein Standpauke. Das Kinderzimmer war verwüstet (wann war das nur passiert??? Morgens hatte es noch gut ausgesehen.) Wir räumten noch zusammen auf und dann sagte ich voller Ernst und Überzeugung, dass ich heute keine Lust mehr hätte und eine Pause bräuchte. Ich wolle einfach mal nichts mehr reden und hören. Das sei mir sehr wichtig. Und das sei auch für meine Laune sehr wichtig. Mamas brauchen auch mal eine Pause.
Das Lustige war, dass mich alle Kinder mit großen Augen ansahen und nickten. Es war sofort Ruhe im Kinderzimmer. Einzig der Sohn kam nach 10 Minuten nochmal runter geschlichen. Er hatte leichte Ohrenschmerzen. Ich fragte misstrauisch, was mit den Mädchen sei. Aber er meinte, sie schliefen schon. (Ich halte ab jetzt jeden Abend eine Rede über mütterliches Ruhebedürfnis :-D)
Der Sohn durfte dann ein Weilchen neben mir auf der Couch sitzen, bis das Ohr nicht mehr puckerte und dann hatte ich tatsächlich RUHE!!!
Der Mann war noch unterwegs und die Kinder schliefen.
Wahnsinn. Wenn ich dazu noch in der Sonne am Feld hätte sitzen können, wäre es perfekt gewesen. Das habe ich mir dann einfach vorgestellt.

Jedoch ist es schon irrsinnig. Man kann einfach sehr selten eine Pause machen, wenn man sie wirklich braucht. Und hat dann unter Umständen auch noch ein schlechtes Gewissen.

Wie schafft ihr es euch außerordentliche Ruhepausen zu organisieren? Oder könnt ihr mit fest eingeplanten Me-myself-and-I-Zeiten euren Tank so aufgefüllt halten, dass es garnicht zum „Notstand“ kommt?

  4Comments

  1. Avatar Steffy   •  

    Jaa das kenne ich und für normal muss man, ob man möchte oder nicht über viele Wochen in so einem übermüdeten / angenervten Zustand durchhalten bis man mal so einen Ausruh-Moment bekommt, den Du beschreibst.
    Und jetzt hatte ich ein Wochenende da kam Ostern und Weihnachten auf den selben Tag! Die eine Oma und der Opa nahmen die beiden Jungs und die andre Oma und der Opa holten schon Freitag die Maus ab. 2 Tag nur der Herr Papa und ich allein sturmfrei zuhause 😊😊😊 war das schööön… davon zehre ich jetzt bestimmt ein Jahr 😀
    Aber sowas seltenes ist so wie Du beschrieben hast. Man rechnet gar nicht damit dass die Kinder dann plötzlich so einlenken würden und plötzlich ist es dann so und man geniesst es und tankt auf.
    Lieben Gruß

    • Avatar Beatrice   •  

      Ja, so ein Kinderfreies Wochenende hat auch was. Die letzten beiden Male (mit großem Abstand dazwischen) fand ich auch wunderbar, allerdings habe ich die Kinder vermisst. 😀 Ein bisschen Plemplem bin ich ja.
      Mir fehlt wirklich in den letzten Wochen zwischendurch mal die absolute Ruhe. Also wirklich Stille. Ich kann dabei sogar was leises arbeiten. Aber Hauptsache ich höre nichts. Heute Abend klappt es wieder wie gestern. Die Mädchen ratzen schon und der Sohn sitzt auf der Couch mit einem puckernden Ohr. Aber immerhin spricht er nicht und wird auch gleich schlafen. 😀

      • Avatar Steffy   •  

        Immerhin spricht er nicht 😀😀😀… ich kann Dir so nachfühlen! Dann erhol Dich mal und geniess die Stille 😊

        • Avatar Beatrice   •  

          Danke 🙂

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