Geschwister oder lieber Einzelkind?

Da ich selbst mit zwei Geschwistern aufgewachsen bin und das sehr schön fand, war für mich klar, dass auch ich gerne mehrere Kinder bekommen wollte.

Zwar kenne ich auch einige Geschichten über ganz fürchterliche Geschwisterbeziehungen, in denen Streit und Unmut den Alltag bestimmten, aber das schreckte mich nicht ab.

Der Mann und ich waren uns einig, Geschwister sind (meistens) was Tolles.

Und so malte ich mir immer aus, dass meine zukünftigen Kinder drei Jahre Altersabstand hätten. Vielleicht sogar etwas mehr. Das schien mir günstig für alle Beteiligten. So aus Beobachtungen heraus.

Nun kamen meine drei Kinder Knall auf Fall, zack zack und rubbeldibub aus mir heraus gepurzelt. (Hätte ich auch nicht gedacht.)
Obwohl es vor allem die ersten Jahre für mich als Mama sehr herausfordernd war, empfand ich die Geschwister miteinander von Anfang an als eine gegenseitige Bereicherung. Der Sohn weiß einfach nicht, dass er mal mit Mama und Papa alleine war. Und die beiden Schwestern waren es ja logischerweise nie.
Sie wachsen als festes Gespann auf.

Das bedeutet nicht, dass sie sich nie streiten! Oh nein! Das können sie gut und richtig böse. Uiuiuiui. Da wird es laut, da wird an den Haaren gezogen und geknufft und furchtbar laut geschrien und geweint.
Anstrengend ist das mit anzusehen und anzuhören. Als Mama stehe ich immer daneben und weiß nicht so genau, wann ich nun eingreifen soll oder wann lieber nicht. Solange sich niemand wirklich verletzt….Irgendwie ist es ja auch wichtig, dass die Drei ihre Konflikte alleine lösen. Und das können sie tatsächlich auch. Sehr gut sogar. Wenn ich über meine persönliche Schmerzgrenze hinaus abwarte, schaffen sie es sich wieder zu vertragen und bald darauf wieder friedlich miteinander zu spielen. Ich versuche manchmal zu vermitteln, wenn mir selbst das Getöse auf die Nerven geht. Aber meine Vermittlungsversuche verpuffen ohne Ergebnis. Am Ende bin ich dann die „blöde Mama“. Das können die Drei nämlich auch gut, sich miteinander verbünden.

Die Streitereien sind in meinen Augen so etwas wie Abnabelungen voneinander. Die sehr enge Bindung, vor allem zwischen dem Sohn und dem Sirenchen, erfährt gerade eine Lockerung. Das Sirenchen  emanzipiert sich gerade. Sie hat es als Mittlere auch nicht immer leicht, entdeckt aber gerade ganz bewusst ihre eigene Persönlichkeit und Position. Das tut ihr sehr gut.

Die drei Geschwister sind sich  auf eine rührende Weise so unglaublich nah und geben sich Halt. Im Dunkeln sind sie ein bisschen ängstlich und gehen ihre Wege zu Lichtschaltern gemeinsam. Wenn sich einer den Kopf stößt, läuft einer los und holt ein Kühlpack. In der Kur begrüßten sie sich immer durch Umarmungen, wenn sie sich mit ihren Spielgruppen auf dem Spielplatz begegneten. Und beim Schwimmenlernen feuerten sie sich gegenseitig an.
Oft stehe ich daneben und staune, wie die Drei sich gegenseitig schätzen und immer helfen, selbst wenn sie kurz vorher noch gestritten haben.

Die Drei versinken miteinander in fantasievolle Rollenspiele. Da werden Regieanweisung gegenseitig verteilt und Doppelrollen übernommen. Alles was sie finden wird zur Requisite.
Ein Bauklotz ist das Handy. Ein paar Kissen werden zur Treppe. Ein Tuch dient als Geschenkapier für ein „Geburtstagsgeschenk.“ Und das Hochbett ist ein Karnevalswagen. Und das Fahrradschloss ist Telefon und Mikrophon in einem.
Sie haben Lust zu malen, dann kramen sie sich alles heraus, was sie brauchen und breiten alles auf dem Fußboden aus. Ach, denke ich dann, warum setzen sie sich nicht an den Tisch? Aber dann lasse ich sie, weil ich sie nicht in ihrem Schaffen unterbrechen möchte.

So entsteht auch Stück für Stück das Chaos im Haus. Die Drei haben einfach keine Zeit zum Aufräumen. Manchmal denke ich, sie seien noch bei der einen Sache, dann sind sie schon in die nächste abgetaucht.
Das hinterlässt Spuren. Farbe, auslaufende Spielküchengefäße, die mit Wasser gefüllt irgendwo stehen geblieben sind, angenagte Butterbrote, oder das Zubehör der Spielküche (welches ich zuvor mühevoll wieder sortiert hatte) wurde erneut in allen Räumen des Hauses verteilt, Murmeln so weit das Auge reicht…. Oft genug sitzen die Kinder auch zwischen Spannbettlaken und Matratze im „Zelt“. Den Spannbettlaken tut das nicht gerade gut. Wir besitzen kein einziges mehr ohne Löcher.

Und abends liegen die Geschwister gemütlich zusammen in ihrem Matratzenlager unter dem Hochbett und erzählen sich lustige Geschichten. Manchmal muss ich nochmal schimpfen gehen und das kleine Licht ausschalten, weil es sonst viel zu spät wird. Aber der Mann sagt auch immer: „Lass sie doch. Sie haben Spaß zusammen.“ Und das stimmt.

Sie haben immer einen Spielgefährten. Immer einen Verbündeten. Immer jemandem zum Lachen und Quatschmachen, zum Sorgen austauschen und konspirativen Pläne schmieden. Zusammen sind sie stark.

Ein Geschenk. Ich bin sehr dankbar für dieses Glück. Denn selbstverständlich ist das alles nicht.

 

Wer ist alles mit Geschwistern aufgewachsen? Wie war oder ist eure Beziehung zueinander? Hat sich das Verhältnis im Laufe der Zeit verändert?

 

 

 

  2Comments

  1. Ela   •  

    Ich bin selber Einzelkind und dachte lange Zeit, dass mein Wirbelwindchen (knapp 3) auch eines bleiben wird. 😏 Zum einen lag es daran, dass ich bei ihrer Geburtn bereits Mitte Dreißig überschritten hatte und, dass ich irgendwo auch Bammel hatte vor „Geschwisterbeziehungen“ 😅 Ich kannte mich damit ja nicht aus und meine Mutter, als meine weise Ratgeberin, ja auch nicht. Letztlich war es mein Mann, der die „Idee“ hatte, dass ein Geschwisterchen für unseren kleinen Wirbelwind eine gute Idee wäre 🤗 Und hier ist er nun, unser Sohnemann. 2 Jahre und 8 Monate Altersabstand – für unsere Familie genau richtig. Ein kleinerer Abstand wäre mir zu anstrengend gewesen, da wir sehr oft umgezogen sind in den vergangenen zwei Jahren, ein bedeutend größeren hätte ich aus gesundheitlichen Gründen (Risiko für Trisomie 21 usw) nicht in Erwägung gezogen… Und da sitz ich jetzt, ständig im Mama-Modus – könnte auch die ein oder andere nette Anekdote hinzufügen – dauer müde und trotzdem glücklich. „Einer brüllt immer“ – Wirbelwindchen trotzt, Junior zahnt (erster Zahn schon mit 2,5 Monaten durch🙄)… es wird nicht langweilig 😎 Auch wenn mir bewusst ist, dass die nächsten Jahre extrem anstrengend sein werden – ich bereue es keine Sekunde, mich für ein weiteres Kind entschieden zu haben. Bewusst nur ein Kind zu haben (ich rede nicht davon, dass eine zweite Schwangerschaft manchmal aus körperlichen Gründen einfach nicht sein soll), hätte sich für mich auf lange Sicht dann doch irgendwie unnatürlich angefühlt. Aber ich denke, da empfindet jeder anders. Mein Wirbelwindchen liebt den Kleinen heiß und innig und er wiederum ist total fasziniert von der Lebhaftigkeit seiner großen Schwester. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich die Beziehung der beiden entwickeln wird. 🤩 So… Und nachdem jetzt mal beide GLEICHZEITIG schlafen (ja, es gibt sie doch, diese Momente), mach ich mir nun einen schönen Kaffee ☕💖 LG, Ela

    • Beatrice   •  

      Oh, das klingt doch toll! Ja, die ruhigen Momente muss man genießen und Luft holen. 😀 Ich glaube, der Altersabstand ist sogar ideal. Das ist entspannter, als die ganz knappen Abstände und immer noch anstrengend genug. 😉

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