Dialog am Morgen

Der übliche Ablauf am Morgen in Kurzfassung: Ich stehe mit den Schulkindern auf, bringe sie auf den Weg und mache mir dann ein heißes Getränk und lese so circa 15 Minuten „Zeitung“. (Ich scrolle duch meine Timeline). 

Um 8 Uhr gehe ich dann nach oben und wecke das Langschläfer-Knöpfchen, um es für die KiTa fertig zu machen.

Gestern morgen geriet irgendwie etwas durcheinander.

Ich saß gerade mit meinem Heißgetränk und kam langsam zu mir. 

Da stand um 7:57 plötzlich das Knöpfchen neben mir.

„Du solltest zu mir hoch kommen! Wieso bist du nicht hoch zu mir gekommen?“ heul

„Oh, ich dachte, wir machen es wie immer. Ich trinke mein Getränk und komme um 8 Uhr zu dir, um dich zu wecken.“

„Neiiiiin! Du solltest früher kommen!“ heul

„Das wusste ich ja nicht. Ach komm mal zu mir, mein Kind. Sollen wir jetzt zusammen hoch gehen?“

„Neiiiiheiiiin. Du bist blöd!“

„Ok, du bist sauer, weil es anders gelaufen ist, als du dachtest. Ich kann nichts dafür, weil ich es wie immer machen wollte und nicht ahnte, dass du es gerne anders hättest. Du hast ja eben noch geschlafen. Komm, wir gehen hoch und ich helfe dir beim Anziehen.“

„Neiiiin!“ heul

„Ok, möchtest du zuerst Frühstücken?“

„Jaaaaa!“

„Butterbrot oder Müsli?“

„Ich mag keine Butter.“

„Ja, ich weiß. Ich sag nur immer Butterbrot. Brot mit Marmelade oder Müsli?“

„Marmeladenbrot.“

„Ok.“

„Ich mag das Brot nicht! Bäh! Ich will was anderes!“

„Dann musst du Müsli essen.“

„Nein! Ich will kein Müsli.    (Sonst isst sie immer Müsli.) Ich will ein anderes Brooot! Ich will Toastbrot!“

„Ist alle.“

„Dann Brötchen.“

„Die sind auch alle.“

„Neeee! Die sind noch da! Papa hat welche gekauft!“

„Ja, aber da habt ihr die letzten gestern Abend gegessen.“

„Nein, das stimmt nicht! Ich weiß, dass noch welche da sind! Du Betrügarin!“

Ich musste schmunzeln. Du Betrügerin sagt sie, wenn sie wütend ist.

„Nein, ehrlich, ihr habt alle aufgegessen. Du kannst dieses Brot oder Müsli essen. Ich gehe nachher einkaufen.

„Ich hasse das Brot. Du Betrügarin! Ich mach dir gleich ne Panne!“

(Was auch immer dieses Kind genau damit meint, wir haben es bisher noch nicht heraus gefunden. Es wird aber gerne als Drohung ausgesprochen und ich muss jedes Mal lachen. Was ihren Zorn natürlich nicht besser macht. Aber ich kann nicht anders.)

„Was ist denn eine Panne?“ lachte ich.

ICH weiß was ein Panne ist! Ich zeig dir das gleich, blöde Mama!“

😀 

„Ok, der Morgen ist bisher komplett nicht so gelaufen, wie du dir das vorstellst. Das ist doof. Verstehe ich total. Kenn ich. Was gebe ich dir denn jetzt zu essen? Müsli?“

„Nein!“ heul

„Soll ich dir einen Kakao machen?“ (Damit sie wenigstens irgendetwas zu sich genommen hätte vor der KiTa.)

„Ja.“

Ich machte also Kakao. Dummerweise war die Milch auch fast leer und ich nahm einfach einen guten Schluck Sahne dazu. Das dürfte satt machen. 

Der Kakao schmeckte komisch, fand das Knöpfchen. Mmmmh Mist.

Dann wollte sie nach oben gehen und sich ankleiden. Nichts anderes mehr Frühstücken.Ich solle aber mit kommen.

Oben bekam sie auch noch kleine Unmutsanfälle und behauptete, immer und ständig die blödestes Hose von allen tragen zu müssen.  Ich bin natürlich Schuld.

Als wir wieder friedlich und sogar gekuschelt im Flur standen, bat ich sie, ihre Jacke zu zu machen.

„Ich kann das nicht.“

„Und wie machst du das in der KiTa?“

„Da frage ich meinen Körper, ob er das machen kann. Und dann kann der das.“

(:-D Was ein beklopptes Kind. Ich meine das Bekloppt im Positiven. Ich mag Bekloppte. )

„Alles klar. Dann frag ihn doch jetzt bitte auch.“

„Er hat nein gesagt.“

Lachend machte ich die Jacke für sie zu.

Schließlich ließ sie sich fröhlich in der KiTa abladen und drückte mir noch einen dicken Schmatzer auf die Backe. Als sei nichts gewesen. Was eine Panne ist, weiß ich immer noch nicht. 😀

Ich dachte aber, ob sie wohl ohne richtiges Frühstück so gut gelaunt bis zum Mittagessen durch hielte?

Hat sie aber. Manchmal isst sie einfach mehr, manchmal weniger. 

  3Comments

  1. Julia   •  

    Hehehe! Schön, dass sich der Morgen dann doch noch zum Guten gewendet hat. Bei meiner dreijährigen hilft Verständnis leider überhaupt nicht.

    Wenn sie schlechte Laune hat, klingt das genauso wie bei Deiner Tochter. Wenn ich dann aber so wie Du sage: „Dein Morgen ist nicht so gelaufen wie Du es Dir vorgestellt hast. Das ist blöd, verstehe ich. Kenne ich.“, dann dreht sie erst richtig auf, heult, schmeißt mit Dingen um sich und ich bin gleich nochmal mehr „blöde Mama!“ Irgendwann hilft nur, sie streng zur Raison zu bringen und zu sagen, dass sie sich jetzt endlich anziehen soll (oder was auch immer).

    • Beatrice Beatrice   •     Author

      Die kleinen Vögelchen sind ja alle anders. Meiner Mittleren brauche ich auch nicht mit Verständnis zu kommen. Als sie noch im totalen Ausflipp-Alter war, half leider auch nur ein strenger und resoluter Auftritt meinerseits, wenn es voran gehen musste. Die Jüngste hingegen macht dann komplett dicht. Wenn man es einmal durchschaut hat, weiß man damit umzugehen. 🙂

  2. Susanne   •  

    Zum Thema „die blödeste Hose“ – wir hatten kürzlich auch wieder so einen Morgen, wo schon beim Aufstehen alles falsch zu sein schien. Nach einigem an Geduld und Verständnis, auch dafür, dass sie sich bei der Kleiderwahl nochmal umentscheiden musste, machte ich ne klare Ansage, als sie das vierte Kleid vom Bügel zog und drei bereits zerknüddelt in die Ecke gepfeffert hatte. Nun ja, die Laune sank noch mehr und als ich sie dann anwies, das in der Hand befindliche Kleid jetzt einfach anzuziehen, was sie aber nicht wollte, kam beim Anziehen ein wutentbrannes „und ich kann das Kleid eh nicht anziehen, du hast das Viel ZU KURZ genäht!!!“ Es ist ein überknielanges Ballonkleid. Das Schmunzeln musste ich mir in dem Moment stark verkneifen.
    Immerhin, zwei Tage später hat sie mit mir drüber gelacht. 😉
    Man hat’s echt schon nicht leicht in dem Alter. Und als Mama diesen Alters auch nicht. 😜

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