Die Luft ist langsam raus- Corona du nervst

Ich glaube es ist Woche 6. Ich könnte nachsehen. Aber ist jetzt auch egal. Es zeigt ein wenig, wie die Zeit verschwimmt.

Ich selbst verschwimme auch irgendwie. In meinem Kopf drehen sich: Ich-müsste-doch-eigentlich, ich-würde-mal-gerne, ich-bräuchte-eigentlich und ich-muss-dringend-nachsehen-ob…und ist doch auch egal jetzt…

Wie geht es mir eigentlich? Ich glaube, ich bin angestrengt. Denn ich war die letzten Tage gereizt und habe öfter mal unkontrolliert einfach ein lautes AAAAAAAAAARGHRAAAAAAAAAAAAAAH heraus gebrüllt. Einfach so.

Nun sitze ich hier auf der Terasse, neben meinem Sohn, der seit heute morgen in eine endlosenichtendenwollende Mathematiksitzung  nicht vertieft ist. Eine Pupsaufgabe. Echt. Minimalanforderung. Eine zu erledigen ganze Seite (von vielen) habe ich auf EINE, E-I-N-E Aufgabe mit 5 Päckchen zusammen gestrichen. Aber auch das ist ihm zu viel. Er hätte in 10 Minuten fertig sein können. Aber ich bleibe beharrlich. Muss sein. Gibt’s nix dran zu rütteln. Aber das strengt an.

Also sitze ich neben ihm und tippe. Versuche diesen Text zu tippen, denn alle paar Minuten kommen das Fuschulkind und das wilde Mädchen zum Gartentor herein. Streitend und laut. Dann vertragen sie sich wieder, poltern über die Terrasse, schnappen ihre Fahrräder und fahren wieder los. Das geht immer so weiter. Jedes Mal hoffe ich, dass das Baby, welches in einen zarten Schlaf neben mir im Kinderwagen gefunden hat, nicht direkt wieder aufwacht.

Eine Amsel singt wunderschön in den blauen Frühlingshimmel. Es ist warm. Es könnte schön sein. Ist es objektiv auch. Und doch…

Wo kommt überhaupt dieser Sommer im April gerade her? So langanhaltend. Schön, in diesen Pandemiezeiten ein Segen, aber auch irgendwie ein bisschen unheimlich. Ick sach nur: Klimaerwärmung.

In der Küche stapelt sich der Abwasch vom Mittagessen. Der Mann hatte es gekocht, während ich den kompletten Vormittag versucht habe, allen vier Kindern mit ihren Wünschen und Anforderungen und Bedürfnissen und der Lernzeit gerecht zu werden. Es ist gelungen, aber ich war komplett eingebunden. 

Ich konnte weder im Garten werkeln, was ich müsste und gerne möchte. Ich konnte drinnen nicht durchwischen, was ziemlich nötig ist. Ich konnte die gewaschene Wäsche nicht weg sortieren, die sich mittlerweile im Babybett, welches aktuell eh nicht genutzt wird, stapelt. (Ich kippe die Wäschekörbeinhalte immer da hinein, wenn ich einen leeren brauche, um frische Wäsche aus der Maschine zu holen und in den Garten zu tragen) ….

Nun ist der Mann unterwegs zur Arbeit und ich ignoriere das Küchenchaos. Denn ich möchte das hier auch aufschreiben. Hauptsächlich für mich. Als eine Art Tagebuch für später, wenn ich mich frage, wie wir die Pandemie gemeistert haben. Aber auch für Leidensgenossinnen.

Diese Woche ist irgendwie der Wurm drin. Die Kinder sind unruhiger, als die letzten Wochen. Das wilde Mädchen tritt ausgesprochen renitent und dominant und wie üblich sehr laut auf. Fast ein bisschen präpubertär. Das Fuschulkind macht es ihr nach und wenn ich die beiden bitte nicht direkt neben dem schlafenden Baby ultra laut zu sein, reagieren sie bisweilen unverschämt. Ich weiß manchmal nicht, wie ich das auffangen soll und drohe mit Fernsehverbot. Das funktioniert. Denn was sie eigentlich bräuchten ist mehr Aufmerksamkeit von mir, die gerade stark vom Baby gebündelt wird (Staubsaugen und andere Arbeiten unter besonderen Herausforderungen (siehe Beitragsbild)….und sie brauchen auch noch andere Bezugspersonen. Ich merke deutlich wie Freunde, Lehrer, Erzieherinnen, Oma und Co fehlen. Der Mann und ich sind gerade alles in einem für die Kinder, deshalb kleben sie einerseits an uns und anderseits sind sie auch irgendwie genervt. 😀 Ist ein bisschen lustig, wenn ich so drüber nach denke.

Naja.

Aber auch traurig. 

Denn ich kann mehr nicht geben. Ich gebe schon alles. Und ich löse mich selbst mehr und mehr auf. Strukturverlust greift wieder um sich.

Das merke ich an so Dingen, wie: Ich fülle die Waschmaschine mit allem was dazu gehört, laufe nach zwei Stunden nachsehen, ob sie fertig ist und stelle fest, dass ich vergaß sie zu starten. Das Selbe mit der Spülmaschine. 

Oder ich backte mir einen Kuchen (schnell und einfach, Nervennahrung!!!) und komme aber nicht dazu auch nur ein Stück mit Genuss zu essen, weil ich ständig krümmelspuckend die Kinder ermahnen muss sich nicht gegenseitig die Köppe einzuschlagen.

Ich vergesse meinen Tee zu trinken und auf Toilette zu gehen. 

Ich habe „Fehler in der Matrix“. Echt. Gerade eben mega heftig. 

Seit dieser Woche wollen die Mädchen auch ständig „unterwegs“ sein. Mit ihren Fahrrädern. Sie nutzen zum Verlassen des Geländes das Gartentor, die Haustür und die Terassentür im Wechsel, was einen herrlichen Durchzug verursacht und mich auch richtig nervt. Bäng. Bong. Rums, macht es. Dazwischen immer wieder Maaaamaaaaa!

Ständig.

Aber wem sage ich das? 

Wir wurschteln uns alle so durch diese Zeit. Jeder hat sein Päckchen zu tragen. Alle sind mehr oder weniger auf sich allein gestellt. Keine Sportvereine, keine Kurse, keine Verabredungen, keine Spielplätze, keine Omas und Opas, keine Freunde, keine Schule, keine KiTa….kein Nix, was in irgendeiner Form Auflockerungen, Entlastungen, Durchatmen zu ließe.

Es ist eine Situation, die es in dieser Form nicht oft gibt. Obwohl ich gewohnt bin mich weitest gehend alleine durch zu wurschteln, finde ich es ziemlich anstrengend alleine für Struktur, Abwechslung und Aufmerksamkeit da zu sein. Ich bin eben kein Sportkurs, keine Schulfreundin, keine Oma und kein Spielplatz.

Ich bin eben „nur“ die Mama. 

Also, der Text ist soweit fertig.

Der Mann hat sich schon vor einer Stunde zur Arbeit verabschiedet,  die Kinder dürfen jetzt eine Lieblingsserie im TV ansehen, das Baby schläft…noch…toitoitoi….

Ich sollte jetzt die Küche in Ordnung bringen. Sonst stolpert der restliche Tag.

Ich bin gespannt was wir in 10 Jahren von diesem denkwürdigen 2020 denken. Diesem Sommer im April und der Pandemie…..

Haltet die Ohren steif! Bleibt gesund!

P.S. Das Beitragsbild….digital gezeichnet, aber es ließ sich auf keinem gewohnten technischen Weg von einem Gerät zum anderen schicken. Warum auch immer und ich habe keine Zeit und Geduld da lange rum zu hantieren. Also hab ich es abfotografiert…. Manchmal ist Technik doof.

  1 Kommentar

  1. Avatar Barbara   •  

    So wahr! Hier auch!
    Ich sitze grade neben genau so einer zusammengekürzten Matheaufgabe. Schon von gestern auf heute verschoben weil wir es gestern beide nicht mehr ausgehalten haben und heute der Mann die kleinen Schwestern solange von uns fern halten kann.
    Was freue ich mich jetzt schon auf den ersten Tag wenn ich das Haus mal für wenige Stunden für mich alleine habe! Nur mal eine Stunde Ruhe! Ohne „Mama!“
    Liebe Grüße und gutes durchhalten! Barbara

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