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...und was es sonst noch gibt Rund um die Schule

Update- Willkommen im neuen Lebensabschnitt

Über einen Monat ist nun seit dem letzten Eintrag vergangen. 

Und dieser letzte Monat war nicht langweilig.

Dank Bürokratie, deren nur selten bis gar nicht flexiblen Statuten, gepaart mit dem Poststreik, startete ich  etwas verzögert in der Schule. Denn bevor nicht alles 100% seinen korrekten Lauf genommen hat, darf ein/e Lehrer:in nicht starten, selbst wenn die Schule ächzend SOS funkt. Ich fuhr sogar einmal zum Schulamt, in der Hoffnung den Vorgang einfach ganz praktisch abkürzen zu können. (Lest an dieser Stelle einfach „Das Schloss“ von Kafka, dann seid ihr im Bilde und ich verdränge den Gedanken an zwei Wochen Bürokratie“logik“.)

Ich nutzte die Zeit, um hier die Theorie für den neuen Ablauf allen Familienmitgliedern vorzukauen. Und für unsere Drittklässlerin konnte ich erfreulicherweise einen OGS Platz mitten im Schuljahr ergattern. Das ist sehr gut so, denn einerseits freut das Kind sich tatsächlich darüber und ich habe nach der Schule keinen übersteigerten Zeitdruck, weil ein Kind alleine zu Hause sitzt. Die beiden „ganz Großen“ kommen zumeist eh erst spät aus der Schule und den beiden ist es sogar ganz recht, wenn  mal keiner da ist. Die Drittklässlerin hätte ein blödes Gefühl dabei und ich auch. Ein paar Tage gilt es aber noch zu überbrücken, bis alles geordnet seinen Lauf nimmt. Etwas beschleunigend musste ich auch hier nachjustieren.

Bevor ich richtig startete, fand ich mich zwecks eines Schnuppertages schon mal in der Schule ein und hospitierte in ein paar Klassen. So hatte ich alle mehr oder weniger schon mal gesehen und mich räumlich orientiert.

Ich wurde sehr nett empfangen und das Team arbeitet auch  als Team, der Austausch über diverse Wege funktioniert super und ich bin im Stundenplan entgegenkommend eingeteilt worden. Ich bin drei Tage in der Woche in der Schule und eigentlich in festen Lerngruppen. Wobei das wegen der weiterhin anhaltenden Krankenwelle und des chronischen Personalmangels im Bildungssektor dann überwiegend doch anders kommt. Ich lerne also sukzessive die komplette Schülerschaft kennen, in dem ich spontan in verschiedenen Klassen vertreten muss. Manchmal weiß ich erst morgens in welcher Klasse ich sein werde. Nicht ganz einfach einen sortierten Schulvormittag zu bestreiten, wenn man die Namen der Kinder nicht kennt und zudem mit verschiedenen Smartboards Freundschaft schließen muss. Die eine Tafel funktioniert mit Beamer über einen Computer verbunden, eine andere funktioniert als eigenständiges Smartboard. Und manche Klassen haben noch Kreidetafeln kombiniert mit Beamer.  (An dieser Stelle könnte ich jetzt ausufernd einfügen, welch „interessante“ Finanzverteilungen in diesem unseren Städtchen zu sehr uneinheitlicher digitalen Ausstattung und anderen unerfreulichen Sparmaßnahmen für den Themenbereich Schule im speziellen und weitesten Sinne führen. (Aber isch krisch sofocht Puls. Schnell Thema wechseln.) 

Meine Stunden sind ein Mix aus einfachem Übernehmen, was von Kolleginnen schon vorbereitet oder angedacht wurde und Improvisation. Ein paar Kunsttsundenideen führe ich mich auch stets mit mir mit und lasse sie einfließen.

Die Kinder und ich müssen uns natürlich auch erstmal beschnuppern. Da wird gegenseitig abgecheckt was geht und was nicht geht. In jeder Lerngruppe gibt es ja auch eine andere Dynamik und obgleich eine gute und verlässliche Struktur für alle Klassen gilt, so hat doch auch jede Klassenlehrerin ihre eigene Persönlichkeit und so finde ich immer wieder neue Situationen vor.

Es wäre gelogen, sagte ich, ich würde die Stunden alle mit Perfektion strukturiert absolvieren. Eines kann ich allerdings mit Gewissheit sagen: Es macht mir Spaß und ich mag die Kinder und das Lehren fühlt sich genauso an, wie damals, als ich noch keine eigenen Kinder hatte. Auch chaotische Situationen bringen mich nicht aus der Ruhe. Ich bin gefordert, aber nicht gestresst. Ich bin auch nicht gestresst von meinen eigenen Kindern nach der Schule. Insgesamt ein sehr gutes Gefühl.

Bereichernd in der Schule für meine persönliche Arbeit empfinde ich zudem meine eigene Mutterschaft. Ich habe ein paar wichtige Dinge dazu gelernt und verstehe nun so manche Situation der Eltern überhaupt erst wirklich. Ganz weg von Bildungsthemen war ich die letzen Jahre ja außerdem nicht und bin durch so einige herausfordernde Abschnitte in unserem persönlichen Familienleben an Themen heran geführt worden und mittlerweile tüchtig belesen und sogar geübt, was mir nun auch nützlich ist.

Kurzum: Es geht mir sehr gut und ich fühle mich wie wiederbelebt. Lustigerweise fühle ich mich auch wieder kreativer.

Und, wie klappt es zu Hause? fragt ihr euch.

Erstaunlich geschmeidig, obgleich hier Karneval, diverse Krankheiten und KiTaNotgruppen eher einen Ausnahmeablauf bereit halten. Der Mann hatte in den letzen Wochen schon einen Kinderarzttermin zu absolvieren, Katzenpipiunglücke und aufgeregte, sowie kranke und daheimgebliebene Kinder zu managen. Außerdem bringt er an meinen Schultagen die Hummel zur KiTa, was ja auch eine neue Situation ist. Aber es klappt super. Für mich waren ein paar unruhige und sehr kurze Nächte leider immer genau vor einem Schultag dabei, die mir zeigten: Ich schaffe es einen Schulvormittag mit 3 Stunden Schlaf zu bewältigen, falle dann zu Hause aber um und muss erstmal einen Mittagsschlaf machen.

Unsere Hummel ließ sich nur auch schon zweimal erfolgreich von Oma oder Opa abholen, was bei der ersten „Generalprobe“ nämlich gründlich schief ging. Das Kind wollte keinesfalls mit der Oma die KiTa verlassen, so dass ich zu Hilfe eilen musste. Klingt verrückt, aber zwei engagierte Erzieherinnen und die Oma schafften es nicht, das extrem willensstarke Kind zum Gehen zu bewegen. 😀

Mein Fazit nach den ersten Wochen: 14 Lehrerstunden sind unter unseren aktuellen Bedingungen gut zu machen. Das hatte ich richtig eingeschätzt. Was nicht bedeutet, dass die Gesamtorganisation nicht auch hier und da deutlich aufwendiger geworden ist. Denn: 14 Lehrerstunden sind ja nicht nach 14 Lehrerstunden vorbei. Hinzu kommen Konferenzen, Teamsitzungen, Veranstaltungen im Schulkontext (Feste, Ausflüge etc) Diese Woche wird zum Beispiel auch nur mit gesteigertem Einsatz der Oma funktionieren und musste schon zweimal korrigierend verändert werden. Einen Ablauf, wie er theoretisch laufen sollte, gab es noch nicht.

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