Ein Scheiß-Tag

Der Tag begann eigentlich gut. Alle waren pünktlich wach, gut beisammen, an alles wichtige hatten wir gedacht. Das Knöpfchen war etwas knapp, aber pünktlich in der Kita und ich drehte mit dem Baby noch eine Rund um den Weiher. Allet schick.

Dann nahm das Schicksal seinen Lauf.

Auf meiner morgendlichen to do Liste standen ein paar Dinge am Computer. Ein bisschen digitaler Papierkram. Abends komme ich ja nicht dazu, weil ich mit dem Baby schlafen gehen muss. Und am Tag ist es schwierig mit den Kindern einen aufgeräumten Kopf zu haben.

Allerdings wollte das Baby an diesem Tag am vormittag nicht, wie sonst in den letzten Wochen, zwei Stündchen im Kinderwagen schlafen. Nicht mal ein Stündchen. Es quakte und meckerte. Auf dem Schoß blieb sie nicht. Unterm Babyfit nicht. Alles war blöd. Und ich ich KANN mit so einem Geräusch nicht denken. Gar nicht. Macht mich nervös.

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Das Kind im Paralleluniversum

Das Knöpfchen ist toll. Vor allem ist sie eine spannende Zeitgenossin. Sehr, sehr, seeehr kreativ im Spiel. Fantasievoll. Liebenswert. Charmant. Selbstbewusst. Und immer für eine Überraschung gut

Aber sie ist auch bekloppt. Voll. Ich meine das lieb!

Denn, ich liebe „Bekloppte“. Elegant ausgedrückt würde man wohl ohnehin sagen: Wir sind in dieser Familie alle etwas unkonventionell.

 

Im Streit mit anderen

Zurück zum Knöpfchen. Es beschlich mich schon länger der Verdacht, dass sich in ihren Erzählungen allzuoft Fantasie und Realität vermischen. Das ist ok, wenn es sich nicht um zu klärende Sachverhalte handelt.  

Im Sommer bekam ich einen handfesten Beweis dafür, die Geschichten vom Knöpfchen in der ersten von ihr erzählten Version erstmal so stehen zu lassen, alle Kerninvormationen zu filtern und dann mindestens einen Tag abzuwarten, bevor ich reagiere.

In der KiTa hatte es einen harmlosen kleinen Streit gegeben, in dem das Knöpfchen maßgeblich beteiligt war.  (Eine Erzieherin erzählte mir beim Abholen davon, in Abwesenheit des Knöpfchens. ) 

Das Knöpfchen wurde in der Streitsituaton gebeten mit dem Ärgern aufzuhören, was sie nicht tat und nach mehrmaligem Ansprechen ohne Einsicht, musste sie mal ihr „Spiel“ für einen Moment unterbrechen. Daraufhin war das Knöpfchen sehr sauer auf ihre Erzieherin.

Zu Haus erzählte mir das Knöpfchen auch von dem Vorfall und tischte mir die Geschichte in einer ausgeschmückten etwas anderen Version auf, in der sie völlig unschuldig war. Blumige Worte. Völlige Überzeugung und Empörung über das Unrecht, welches ihr angetan worden war. Sie war drin in ihrer Version. Gefühlt mit Haut und Haaren.

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Nicht immer läuft es rund und am Abend ist es immer am schwersten

Paradoxer Weise bekomme ich immer wieder gesagt, ich sei ja so entspannt. So kürzlich noch von Nachbarn. Da frage ich mich aber, ob die einfach immer nur zu Hause sind, wenn die Kinder in Schule und Kita sind und eben Nachts wenn alle schlafen, oder ob ich mich selbst völlig falsch wahr nehme. Ich selbst habe nämlich sogar aufgegeben auf der Straße eine Bella Figura zu machen. Ich blöke auch ganz ungeniert in der Öffentlichkeit meinen Kindern hinterher. So nach dem Motto- Ist der Ruf erst ruiniert…

Kommen wir nun zu drei Augenblicken in den letzten 12 Wochen mit 4 Kindern, die mich allein tatsächlich heillos überforderten und bei denen ich auch ziemlich laut und vor allem unentspannt war.

Das erste Szenario war ein Tag, der zunächst ganz ok lief, sich aber ab dem Nachmittag immer mehr zum Wahnsinn hin verschob. Beim Abendessen saß ich da mit einem überdrehten Baby, das schrie wie verrückt, so dass ich die anderen Kinder nicht mehr verstehen konnte. Was nicht weiter schlimm war, denn sie hatten nichts besseres zu tun als laut zu streiten, dabei über all Krümel zu verteilen und die Möbel zu demolieren. Ich sprach sodann sehr laut und sehr bestimmt, es mögen ALLE OHNE DISKUSSION und SOFORT mit mir nach oben ins Bad kommen. AB INS BETT! 

Gesagt getan. Da lagen wir dann alle 5 schließlich auch. (Wir schlafen alle zusammen in einem Raum) Ich verordnete noch sofortige und absolute Ruhe. Die Kinder schliefen auch alle 4 sehr schnell ein (die waren einfach mega müde), nur ich lag wach und starrte in die beginnende Dämmerung und traute mich nicht wieder aufzustehen. Endlich Ruhe. Endlich Frieden. Endlich kein sich verselbstständigendes Chaos mehr. Das war in diesem Moment wichtiger als mein Hunger nach einem schönen Buch oder einem Film.

Ich hörte, wie im Dunkeln der Mann nach Hause kam.

Ich hörte, wie er irritiert nach uns rief, traute mich aber nicht zu antworten, damit ja keines der Kinder wieder erwachte. Das Baby lag fest umschlungen in meinen Armen und hielt mit der kleinen Hand meinen Daumen umklammert.

Für den Mann hatte sich kurz ein Horrorszenario aufgetan. Unsere Haustüre hatte nämlich offen gestanden (warum weiß ich auch nicht), alles war dunkel im Haus, der Abendbrottisch noch so wie wir ihn verlassen hatten und alles still. Der Mann dachte kurz es sei etwas Schlimmes passiert.

Er kam leise nach oben und fragte ob alles gut sei. Fast hätte er sich mit einem Nudelholz bewaffnet, für den Einbrecher, der uns in Schach hielt. „Der Einbrecher“ war aber tatsächlich nur meine Überforderung gewesen.

 

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Das frühe Wochenbett

Ich hasse es.  Ich kann das so behaupten, denn es war 4mal immer exakt das Gleiche. Als stellen sich alle Uhren auf Null.

Zuerst werde ich durchgerüttelt von unfassbarem Glück über die gelungene Geburt und das wahnsinnige Wunder des Lebens. 

Ich könnte 10 Kinder bekommen und es immer wieder faszinierend und unglaublich finden.

Selbst die heftigsten Nachwehen können mir (erstmal) nichts. Genauso wenig, wie das geschundene und wunde Gefühl am ganzen Körper. Dieses Gefühl von einem Loch im Bauch, als hinge meine Lunge in der Leere und als könne ich nicht richtig atmen, obwohl wieder richtig viel Platz ist. Ich eiere ein wenig zwischen Bett und Bad hin und her. Aber ich eiere immerhin schwebend. Die ersten 2 Tage nach der Geburt schlafe ich auch kaum bis gar nicht, weil ich so furchtbar glücklich und aufgeregt bin. Wie ein aufgedrehtes Kind, das nicht zur Ruhe findet. Ich starre auch ständig verliebt das Baby an.

Der Mann findet, dass es Frauen gut haben, denn sie sind mit dem Hormonkoktail der Glückseligkeit ausstaffiert, sobald ein Kind geboren wurde. Ja und nein, sag ich da nur. Da ich immer unkomplizierte Geburten hatte und recht flott recht fit wirke, denkt der Mann dann auch, ich „funktioniere“ wie gewohnt, schon allein wegen der Glückseligkeitswolke. Er selbst, und das gestehe ich ihm auch ein, muss ohne Hormonrausch in der neuen Verantwortungsrolle ankommen. Er befindet sich ebenfalls in einer Art Wochenbett, nur ohne körperliche Irritationen. 

Also surfe ich zunächst wattierte durch diese ersten zwei Tage. Ich fühle mich körperlich zwar sehr hohl, aber emotional sehr voll und bin recht entspannt.

Dann stürze ich ab. Der Vorschlaghammer trifft mich mitten auf den Kopf und hämmert mich in das tiefste Kellergeschoss. Jedes Mal. Continue reading…

„Was du heute kannst besorgen, das verschiebe ruhig auf morgen.“ ;-)

Ich könnte/sollte/wollte eigentlich:

Aufräumen, saugen, Papierkram sortieren, das Babybett mal aus dem Keller holen und die zukünftige Schlafecke nett herrichten. Ich könnte ein paar Sachen flicken, mal in den Sekondhandladen fahren und irgendwas niedliches fürs baldige Baby besorgen, eine Himbeere im Garten einpflanzen, eine zweite Schwangerschaftsleggings kaufen, Wäsche waschen, ein Nähprojekt beginnen, die neuen Kinderzimmer zu ende dekorieren, duschen, Haare waschen, einen richtigen großen Wocheneinkauf machen, die Esszimmerbank neu beziehen, die Spülmaschine einschalten. Es gäbe auch ein paar Aufgaben rund um den Blog.

Außerdem gibt es ein paar mir wichtige Menschen, deren Wohlbefinden mich interessiert und ein paar noch ausstehende Treffen, bisher ohne Termin.

Aber ich will nicht.

Also, ok, ganz so kann man das auch nicht sagen. Ich will ja eigentlich schon. Aber ich fühle mich gerade, als hätte ich einen Marathon gelaufen. Nachts hab ich regelmäßig einen Wadenkrampf und müüüüüde bin ich. Morgens komm ich nicht aus den Federn und überhaupt nur schwer in den Quark. Ich möchte mich kräftig strecken und recken und dann bekomme ich auch nen Wadenkrampf. Das nervt. (Und ja, ich nehm schon Magnesium.)

Abends komm ich nicht ins Bett. Aus einer Mischung aus Trägheit und einem sehr wachen, aber unruhigen Kopf. Und immer diese Kackträume, in denen wirres Zeug passiert, und ich mich im Traum schon frage, was der Mist soll. Die machen mich irre.

Die letzte Nacht träumte ich von Aufzügen, die mich nicht ans Ziel brachten, sondern vom Ziel fern hielten. (Immerhin weiß ich genau, wo da der Hund begraben liegt.)

Und obwohl ich so grummelig bin, habe ich auch Freude in mir. Ich bin bloß gerade zu erschöpft, sie zu zeigen.

Ach, seufze ich da. Denke mal kurz nach und zitiere eine Postkarte unbekannten Ursprungs, auf der geschrieben stand: „´Nen Scheiß muss ich!“

Jedenfalls für heute. 

😉