Entspannt wirken- angespannt sein

Unsere Außenwirkung ist auf viele Leute, die uns nicht näher kennen, meist eine entspannte.
Es sieht offenbar so aus, als würde ich den Laden mit 3 kleinen Kindern mit Links schmeißen. Das schmeichelt. Aber so ist es nicht!

Als das Knöpfchen noch recht frisch auf der Welt war, und ich mit 3 Kindern zwischen Kindergarten, Spielplatz und Zuhause hin und her tingelte, fragten mich wirklich Viele wie ich das überhaupt schaffen würde. Ich sähe immer so entspannt aus.
Meine Antwort war immer die gleiche: „Ich weine sehr viel!“
Immer mussten alle mit mir zusammen lachen. Wahrscheinlich war das der Grund, warum ich immer entspannt wirkte. Wenn ich nicht weinte (weinen baut ja auch Druck ab), dann lachte ich (was ja auch entspannt). Tatsächlich war ich es ganz oft überhaupt nicht.

Mittlerweile ist vieles leichter geworden, weil die Kinder alle alleine stehen und laufen und auch fast alle verständlich kommunizieren können. Ein weiterer nicht zu unterschätzender Punkt ist: Ich habe nur noch ein Wickelkind! Drei Wickelkinder sind….scheiße. Im wahrsten Sinne…Dennoch gibt es immer noch und wieder für mich sehr stressige Abschnitte. Ich weine heute nicht mehr. Also schon noch. Aber aus anderen Gründen und deutlich weniger.

Ich werde aber immer noch hin und wieder gefragt, wie ich das mache und schaffe mit den Dreien.
Ganz ehrlich…. Ich wurschtle mich so durch und es gibt Tage da möchte ich schreiend aus dem Haus rennen. Ganz weit weg.

Ich habe allerdings eine „unglaublich innovative“ Überlebensstrategie entwickelt 😁. Da ich mich selbst gerne ablenken lasse, war klar, dass ich schon für mich allein eine Struktur im Tag schaffen muss. Das ist für Kinder allerdings auch sehr gut. So weiß man immer was dran ist, vor allem wenn man sich verzettelt hat. Das ist auch dem von mir ungeliebten Haushalt dienlich.

Bei uns zu Hause gibt es ein paar fest geregelte Abläufe zu ähnlichen Zeiten. Das brauche ich, das brauchen die Kinder. Es gibt also eine klare Marschrichtung. Unser Tagesablauf ist dennoch flexibel innerhalb seiner fixen Vorgaben. Das soll heißen, wenn sich irgendetwas an den Grundbedingungen ändert, dann passe ich den Ablauf an. Im Großen wie im Kleinen. Scheint die Sonne, bleibt der Haushalt liegen und wir gehen raus. Man ist aber zur gewohnten Schlafenszeit wieder zu Hause. Regnet es, bleiben wir drinnen und ich mache den Haushalt und wir spielen etwas.
Ändern sich die Schlafbedürfnisse, werden die Schlafenszeiten angepasst.
Oder auf einmal funktioniert das Abendritual nicht mehr, dann macht man das mal anders. Wenn man dann gefunden hat, was passt, wird das für die nächste Zeit der neue feste Ablauf. Diese Umbruchphase sind meist sehr anstrengend.

Ansonsten ist ganz viel Improvisation nötig. Dann gehen die Kinder halt mal ungewaschen ins Bett. Der Haushalt bleibt liegen und man kuschelt sich stattdessen auf die Couch und guckt Heidi. Oder aber man klemmt sich eine eigentlich nette Familienunternehmung, weil die Stimmung grenzwertig gereizt ist und man eine böse Vorahnung hat. Nämlich, dass das ganze Unternehmen in Chaos, Unfrieden, Kindergeschrei etc endet. Solche Tage gibt es. Bei uns wahrhaft und in Farbe! Meist, wenn die elterlichen Ambitionen nicht auf das aktuelle Bedürfnis der Kinder abgestimmt waren. Das ist ein großer Knackpunkt!
Ich vermeide auch mehr als einen Termin am Tag. Müssen wir zum Kinderarzt, dann gehen wir zum Kinderarzt und bummeln gemütlich nach Hause. Danach verabrede ich mich nicht noch mit Freunden, weil es noch in den Zeitplan passen könnte oder so. Waren wir z.B. in einem Kinderkonzert, gehen wir danach gemütlich nach Hause, aber nicht noch irgendwo Kaffe trinken. Denn das Konzert an sich war Erlebnis genug und kann dann in Ruhe verarbeitet werden. Es wird auch nicht von etwas anderem überlagert. Meistens klappt das. Aber es gibt auch da Ausnahmen.

Auch bevorzuge ich es, wenn nicht jeden Tag ein Programmpunkt ist. Ideal ist immer ein Tag- ein Programmpunkt und einen Tag nichts. Lässt sich natürlich nicht immer machen.

Was auch noch zu meinem entspannten Auftreten führt, war die letzten Jahre und auch aktuell noch, dass ich zu Hause bin und nicht zu bestimmten Zeiten auf der Arbeit sein muss. Es gibt keinen Zeitdruck. Wenn das Abliefern im Kindergarten ne halbe Stunde dauert, dann ist das halt so. Egal. Beim Abholen habe ich auch keine Busabfahrtzeiten im Nacken oder Angst davor, in einen Stau zu geraten. Das ist Luxus pur! Das entspannt. (Mir ist klar, dass das nicht für jeden möglich ist. Deshalb sage ich ja, es ist Luxus. Jedenfalls für mich.) Dann können die Kinder halt rum drömeln. Nicht, dass ich das toll fände. Das finde ich oft auch ziemlich öde. Wenn es nicht ein zu entspanntes Signal für die Kinder wäre, würde ich mich glatt mit einem Buch gemütlich auf eine Bank setzen und meinen Kopf mit Input füttern, bis sich die Herren und Damen entschließen könnten, dann doch mal Jacken und Schuhe anzulegen. Aber dann würde es wahrscheinlich noch länger dauern.
Manchmal lasse ich aber doch den Feldwebel raus. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg. Und wenn es mal wirklich eilig ist, dann bin ich auch nicht mehr geduldig, sondern laut.

Mama Hotzenplotz

Da ist sie dann wieder, die Mama Potzenklotz…

Was mir außerdem geholfen hat möglichst entspannt zu sein (die Erkenntnis brauchte aber eine Weile um wirklich gelebt zu werden) ist die geplanten Unternehmungen möglichst ohne klare Vorstellung anzugehen. Als Beispiel: Silvester hier nach zu lesen. Oder eine anstehende Hochzeitsfeier. Der Rahmen ist klar: Wir werden mit Kindern hingehen. Wir werden so lange mitfeiern, wie die Kinder durchhalten. Schlafenlegen hat sich nämlich schon mehrfach als keine gute Idee hinausgestellt. Die Kinder halten erstaunlich lange und gut gelaunt aus. Kippt die Stimmung wird die Feierlichkeit eben verlassen und alle gehen zusammen schlafen. Da kann man natürlich sagen: „Ooooh, wie blöd, dann verpasst man ja was.“ Andersherum, wenn ein Elternteil die Kinder stundenlang versucht zum Schlafen zu bringen, verpasst er auch etwas und kommt danach nicht wieder richtig ins Feiern. Ferner wird immer auf das Babyphone gelauscht, was auch keinen Spaß macht. Schlecht gelaunte und müde Kinder bereichern eine Feier auch nicht. Und wenn man am nächsten Tag als Eltern schlechte Laune hat, weil man um 5 Uhr morgens erst ins Bett gefallen ist, dann ist das auch kein Geschenk. Mir persönlich ist es das nicht wert. Also nehme ich solche Veranstaltungen wie sie kommen und genieße jeden Moment, der uns allen als Familie Spaß macht. Und wenn man dann um 12 Uhr oder um 1 Uhr mit den Kindern schlafen geht hat man gute Vorraussetzungen auch den nächsten Tag halbwegs ausgeruht zu starten.

Es mag Familien geben, die schaffen einfach mit mehreren Kindern noch Job und Karriere und viele tolle Unternehmungen. Ich habe für mich aber begriffen: ICH kann das nicht. Ich brauche es etwas gemütlicher, sonst bin ich eine gestresste Mutter. Ich bin dann überreizt. Und meine Kinder passen genau zu mir oder ich zu ihnen. Denn die mögen es auch gemütlicher. Die Welt bietet so viele tolle große und auch sehr viele kleine Dinge zu entdecken, die erfahren sie aber nur, indem ich ihnen die Zeit dazu gebe. Und meine Kinder sind überreizt, wenn ich ihnen zu viele Angebote mache.

Ich „verzichte“ nun für meine Kinder UND für mich auf ein Stückchen „Freiheit“. Aber was heißt Verzichten und Freiheit im Bezug auf Kinder eigentlich? Für das bisschen Mich-Hinten-Anstellen habe ich etwas ganz Tolles gewonnen. MEINE KINDER.

 

 

  3Comments

  1. Avatar Anke   •  

    Hihi, ich hab‘ gestern noch zu Nina gesagt, trotz der Wörter wie „Streß“ und „Überforderung“ in Deinen Beiträgen wirke es so, als bekämst Du das ganze Chaos doch recht mühelos gewuppt. Und dann das hier… hmm… da habe ich mich wohl doch geirrt. Wahrscheinlich ist es einfach die Tatsache, daß Du das Ganze mit Humor nimmst und nach dem Motto „Wenn’s zum Weinen nicht reicht, lach‘ drüber!“ lebst. <3
    Kann man das eigentlich lernen? 😉 Ich wünsche mir so oft mehr Gelassenheit und gedankliches Drüberstehen, wenn mal wieder nur Mist läuft.

    • Avatar Beatrice   •  

      Humor ist auf jeden Fall wichtig. Und nicht alles so genau nehmen. Es gelingt mir auch oft nicht. Manchmal möchte ich es ganz genau nehmen und manchmal möchte ich auch nicht alles weg lachen. Ich möchte mich auch manchmal schreiend auf dem Boden wälzen. (Hab ich auch schon mal gemacht. Hilft! 😀 ) Und es hilft auch, wenn man es schafft in der Situation Abstand zu gewinnen und alles von Außen betrachtet. Dann muss man meistens lachen. Zu Hause drehe ich auch gerne mal kurz laute Musik auf. Rita Mizouko hilft IMMER. Dazu spielt ich Luftgitarre und kreische die Texte mit. Die Kinder gucken dann entweder völlig parallelisiert, oder machen mit. Danach sind alle außer Atmen und können wieder normal miteinander umgehen. Versuch´s mal. 😀

  2. Avatar Mama1985   •  

    Klingt nach meinem Leben😁

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